Aus FUSION 3/96:

Interview

Die Erde ist kein "Treibhaus"


Ein Wissenschaftler, der sich energisch weigert, die Prämissen der heutigen Klimamodelle zu akzeptieren, mit denen weitreichende Eingriffe in Wirtschaft und Gesellschaft begründet werden, ist der Diplommeteorologe Dr. Wolfgang Thüne aus Oppenheim. FUSION fragte Dr. Thüne, seine wichtigsten Argumente einmal darzustellen.

FUSION: Die kommende Klimakatastrophe sei unausweichlich, das kann heute jeder in der Zeitung lesen, und die Ursache davon sei der "Treibhauseffekt". Wie muß man sich das vorstellen? Ist die Erdatmosphäre ein Treibhaus?

Thüne: Beide Begriffe "Klimakatastrophe" und "Treibhaus" deuten darauf hin, daß wir uns hier mehr auf ideologischem denn auf naturwissenschaftlichem Terrain bewegen. Wenn das "Klima" definitionsgemäß erst ein nach 30jährigen Beobachtungen statistisch mühsam zu berechnender Zahlenwert von Temperatur, Feuchtigkeit, Wind, Sonnenscheindauer etc. ist, dann sollte man "Klima" sprachlich nicht mit einem Impulsbegriff wie "Katastrophe" kombinieren. Katastrophen wie Flugzeugabstürze sind in der Regel plötzliche, unerwartete und ebenso unvorhergesehene wie unvorhersagbare Ereignisse.

Eine "Klimakatastrophe" kann es als rechnerisches Kunstprodukt in der Kürze menschlichen Lebens für ein Individuum nicht geben. Dieses Individuum kann aber zahlreiche "Wetterkatastrophen" in Form von Gewittern mit Hagelschlag, Sturmtiefs mit Windwurf oder Überschwemmungen, gefrorenem Regen mit Glatteis, Hitze- und Kältewellen, usw. erleben.

Der Begriff "Treibhaus" ist ebenso ideologisch aufgeladen. Hier wird das gärtnerische "Gewächshaus", das in kühlen Nächten oder kalten Jahreszeiten mit enormem Kostenaufwand künstlich beheizt werden muß, schlicht mißbraucht, um den tagsüber bei Sonnenschein kurzfristig erzwungenen "Hitzestau" wiederum als "Treibhauseffekt" für ein politisches "Katastrophenszenario" zu mißbrauchen.

Die Erde ist kein "Treibhaus", und die Funktion der Atmosphäre kann nicht mit der eines "Glasdaches" verglichen werden. In der Physik ist bekannt, daß sich bis auf wenige Ausnahmen wie Kautschuk fast alle bekannten Stoffe bei Erhitzen ausdehnen. Der Betrag der Ausdehnung ist aber bei den festen Stoffen stets viel kleiner als bei Flüssigkeiten und bei diesen wieder ganz bedeutend kleiner als bei Gasen. Ein meterlanger Glasstab würde sich bei Erwärmung um 100 Grad nur um 0,8 mm, ein meterlanger Gasraum sich aber unabhängig von der Art des Gases um 370 mm verlängern. Wenn auch viele physikalische Eigenschaften allen Stoffen gemeinsam sind aufgrund der vorgegebenen Atom- und Molekülstrukturen, so verbietet es sich, die Analogien ideologisch zu übertreiben und die Erde bildhaft gleichsam in eine "Glaskugel" zu verbannen.

Die Atmosphäre ist als der überhitzte Dampf der flüssigen Luft ein Gas, das sich gegen Druckänderungen und gegen Temperaturschwankungen gänzlich anders verhält als ein Glas. Die Tatsache, daß sich Licht- wie Wärmestrahlen durch Brenngläser sammeln und durch Spiegel zurückwerfen lassen, rechtfertigt nicht, die Erde in ein "Treibhaus" zu verwandeln. Die Reduktion komplexer Ursache-Wirkungszusammenhänge auf nur wenige Einflußfaktoren und dann deren Verabsolutierung ist Kennzeichen jedweder Ideologie. Der Glauben an die "Treibhausideologie" ist nach 10jähriger Propaganda so implementiert wie der Glaube an den "Hundertjährigen Kalender". Sich auf rationaler Ebene mit unterbewußt Geglaubtem auseinanderzusetzen, ist Sisyphusarbeit.

FUSION: Man hört aber immer wieder von "Treibhausgasen", wobei dem sogenannten "Klimagift" Kohlendioxid ganz besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Was muß man sich unter einem "Klimagift" vorstellen? Und welche Rolle spielt Kohlendioxid in der Atmosphäre und in der Biosphäre?

Thüne: Jeder weiß, daß durch Reibung, Stoß oder Druck Wärme erzeugt wird. Schon unsere Urahnen machten Feuer, indem sie trockene Holzstücke aneinander rieben. Der Deutsche Mayer und der Engländer Joule stellten fest, daß mechanische Arbeit, Wärme, Licht und Elektrizität von gleichem Wesen sind. Diesem Wesen gaben sie den Namen "Energie" und entdeckten das "Gesetz der Erhaltung der Energie".

Das Gesetz von der "Erhaltung der Energie" ließ viele irdische Vorgänge in neuem Licht erscheinen. Man erkannte, daß alles tierische und pflanzliche Leben sowie fast alle chemischen und physikalischen Vorgänge auf der Erde durch die Energiezufuhr von der Sonne her bedingt sind. Denn wie entstehen die riesigen Energiemengen des fließenden Wassers, der Flüsse, Wasserfälle, Stauseen? Doch nur dadurch, daß die Sonnenwärme Wasser verdampft und als Wasserdampf in die Höhe hebt. Dieser kondensiert in großen Höhen und kommt als Regen wieder zur Erde zurück. Die Energie der Sonne ebnet also nicht nur Berge ein, sondern erzeugt auch elektrischen Strom.

Denselben Ursprung hat alles pflanzliche Leben der Erde, denn Licht ist bekanntlich für die Pflanzenwelt der unentbehrlichste "Treibstoff". Mit Hilfe des Lichts scheiden die Pflanzen aus dem Kohlendioxid, welches sie aus der Luft entnehmen, den gesamten Kohlenstoff ihres Körpers ab. Über 90% vom Gewicht des trockenen Holzes bestehen aus Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff, welche sich ehemals als Kohlensäuregas und Wasserdampf in der Luft befanden. Man kann mit vollem Recht behaupten, daß 9/10 der gewaltigen Holzmassen der Wälder aus "Luft und Licht" aufgebaut sind, nur etwa 1/10 des Gewichts entstammt dem Boden und besteht aus Mineralstoffen.

Die Pflanzen bezeichnet man nicht ohne Grund als "Primärproduzenten". Sie allein sind in der Lage, aus anorganischen Stoffen hochwertige, Lebensenergie spendende organische Stoffe zu produzieren. Mensch und Tierwelt als "Konsumenten" und dann die "Destruenten" sind ohne "Primärproduzenten" nicht möglich. Einer der wichtigsten Grundbausteine für unsere Nahrung, das Kohlendioxid, als "Gift" zu bezeichnen, kann nur ideologischer "Natur" sein.

Über die Rolle des Kohlendioxids in der Biosphäre ist weiter nichts zu sagen, es ist absolut lebensnotwendig.

FUSION: Für die "Erhöhung des Treibhauseffektes" durch das "Klimagift" Kohlendioxid, so wird immer wieder behauptet, sei der Mensch durch seine Industrie verantwortlich. Welche Rolle spielt der Mensch bezüglich der Veränderung des Wetters und des Klimas?

Thüne: Die Vorverurteilung des Kohlendioxids als "Klimagift" beruht auf der unbewiesenen Behauptung, es gebe einen "natürlichen Treibhauseffekt". Diese beruht wiederum auf einem fiktiven "Beweis". Dafür gibt man der Erde eine durchaus willkürlich berechnete globale "Mitteltemperatur" von 15 Grad. Dies sei der eine Randwert. Dann gibt man dem "schwarzen Körper" Erde eine Atmosphäre, da ohne diese nach dem Stefan-Boltzmann-Gesetz unerträgliche 120 Grad herrschen würden. An der Obergrenze des Systems Erde-Atmosphäre läßt man 30% der Sonnenstrahlung als "planetare Albedo" reflektieren.

Die Höhe dieser "Reflexionsschicht" für die Sonnenenergie nimmt man gedanklich in 20 km Höhe an, argumentierend, daß sich darunter 90% der Masse der Luft befinden. Die 10% Unsicherheit seien konzediert. Zieht man also von der "Solarkonstante" 30% ab und berechnet man dann die "effektive Strahlungstemperatur", dann erhält man -18 Grad. Man hat zwei fiktive "Globaltemperaturen": am Erdboden +15 und in 20 km Höhe -18 Grad. Da man in dieser Höhe statt der berechneten -18 Grad Temperaturen um -50 Grad vorfindet, hat man die Schicht für die "planetare Albedo" einfach auf 6 km Höhe heruntergezoomt! Die Differenz zwischen "Bodenwert" und "Höhenwert" von 33 Grad erklärt man zum "natürlichen Treibhauseffekt".

So werden unsinnige Modellbetrachtungen zu kaschieren versucht! Durch das Herunterholen der "Albedoschicht" von 20 auf 6 km Höhe verstärkt man zwangsläufig die Temperaturabnahme mit der Höhe. Nicht die Erniedrigung, nein, die Erhöhung des Temperaturgradienten wird als "natürlicher Treibhauseffekt" deklariert. So produziert ein Paradoxon das nächste! Spätestens an diesem Punkt verliert die "Treibhaushypothese" jegliche Glaubwürdigkeit.

Noch unglaubwürdiger werden die "Klimaexperten", welche die -18 Grad als die Temperatur deklarieren, welche die Erdoberfläche ohne Atmosphäre hätte, und daß nur dank der Existenz von "Treibhausgasen" Leben auf der Erde möglich sei. Vom 'Salto mortale' bis zum 'Perpetuum mobile' ist es dann nicht mehr weit. Fazit: Die Atmosphäre hat eindeutig eine "Kühlfunktion" und das wichtigste Pflanzenleben ermöglichende Gas, der Wasserdampf, auch! Die Ozeane verdunsten in Unmengen Wasserdampf, weil sie der drohenden Überhitzung durch die Solarstrahlung einen Widerstand entgegensetzen wollen. Dies tut unser menschlicher Körper bei Hitze durch das Aussondern von Schweiß auch.

Die "Wärmestrahlung" ist ein Faktum. Es ist aber "Ideologie", in der Luft als Gas, das seit Torricelli (1643) keinen "horror vacui" mehr ausübt, wo das Boyle-Mariottsche Gesetz, das Daltonsche Gesetz wie der Satz von Avogadro ebenso gelten wie das Gesetz von Gay-Lussac, alle Wärmeübertragungsmechanismen auf die Wärmestrahlung zu reduzieren und mit Strahlungsgleichgewichtsbetrachtungen zu operieren.

Die Luft selbst ist ein ganz schlechter Wärmeleiter. Doch als Kompensation ist sie ein ausgezeichneter Wärmetransporteur. Ein- und dasselbe Hochdruckgebiet kann im Sommer bei wolkenlosem Himmel gänzlich verschiedene Temperaturen erzeugen, je nach Ursprungsort der von ihm herangeführten Luftmasse. Liegt das Hoch über den Britischen Inseln, dann schwanken die Lufttemperaturen bei nördlichen Winden zwischen 5 und 20 Grad, zieht dieses Hoch nach Ungarn, dann pendeln sie bei Südostwind zwischen 15 und 30 Grad. Wo ist die "Gegenstrahlung", die selbst im Hochsommer bei maximaler Sonneneinstrahlung nachts Bodenfrost verhindert?

Der Transport der Wärme per Masse, sei es konvektiv oder advektiv, kann und darf nicht, wenn man Wetter und damit "Klima" richtig verstehen will, einfach "modellgedanklich" wegreduziert werden. Wenn man, wie schon Arrhenius in seinem "Eiszeitmodell", die Luft als "diatherm" und "unbeweglich" postuliert, dann verbaut man sich den Zugang zur real existierenden Atmosphäre, in der an der unteren Begrenzung auch die Wärmeleitung eine erhebliche Rolle spielt. Es ist völlig normal in der Physik, daß jeglicher Beschreibung der Natur ein Arbeitsmodell zugrunde liegt. Doch ein Modell ist nur solange gut, als es widerspruchsfrei die Erscheinungen zu erklären vermag und durch Beobachtungen bestätigt wird. In jeder Strahlungsnacht baut sich vom Boden her eine Inversion auf!

Das "Treibhausmodell" ist so strahlungsfixiert, daß es die kinetische Theorie der Gase nahezu ignoriert. Gase haben nicht nur eine unbegrenzte Ausdehnungsfähigkeit und erfüllen augenblicklich jeden leeren Raum. Erwärmt man 1 Liter eines Gases von 0 auf 1 Grad, so dehnt es sich um 1/273 seines Raumes aus. Dabei wird das Gas leichter. Deshalb steigt erwärmte Luft in kalter empor. Diese Erkenntnis brachte die Gebrüder Montgolfier zur Erfindung des Luftballons. Auch Berg- und Talwind sind darauf zurückzuführen. Gemäß der kinetischen Gastheorie hat jede Erwärmung bei vorgegebenem Druck in einem Gefäß zur Folge, daß sich die Geschwindigkeit der Gasmoleküle erhöht. Ein Gas kann sich also sowohl durch Temperaturerhöhung als auch durch Druckverminderung ausdehnen, ebenso wie es sich bei Temperaturerniedrigung oder Druckerhöhung zusammenzieht. Beide Vorgänge können auch zusammenwirken. Bei Föhn gerät die absteigende Luft unter höheren Druck, zieht sich also zusammen und erwärmt sich. Für alle Prozesse ist ständig hochwertige Energie nötig.

Wenn einer das Wetter und damit das Mittelungsprodukt "Klima" steuert, dann ist es die Intensität und die Variabilität der Solarstrahlung. Nur mittels der ungeheuren Sonnenenergie läßt sich die Masse der Luft mit einem Gewicht von gut 5 Billiarden Tonnen in permanenter Bewegung halten. Würde nicht ständig neue Energie zugeführt, dann wäre nach etwa 1 Woche der Energievorrat der Atmosphäre aufgebraucht, das Wetter könnte nicht mehr "verrückt" spielen.

FUSION: Wieso messen die Medien und viele Politiker dem Treibhauseffekt eine relativ große Bedeutung bei?

Thüne: Der erfundene "Treibhauseffekt" fasziniert insbesondere die Medien, weil er ständig neue "Sensationen" verspricht. Die Journalisten werden als "nützliche Idioten" ebenso belächelt wie als Transporteure von "bad news" hofiert. In Wirklichkeit finden über die "Klimakatastrophe" wichtigste Interessen- und Verteilungskämpfe statt, bei denen es wechselweise "winner" und "looser" gibt.

Mit der "Klimakatastrophe" kann man für die Kernenergie kämpfen, man kann gegen Kohle und Erdöl als "fossile Energien" kämpfen, man kann für "alternative Energien" kämpfen, man kann gegen Auto und Mobilität kämpfen, man kann für Steuererhöhungen kämpfen, man kann für höhere Versicherungsprämien kämpfen, man kann gegen die Industriegesellschaft schlechthin kämpfen, man kann für die neomarxistische oder grüne Kulturrevolution kämpfen etc. Dieses Schlachtgetümmel an allen Fronten birgt die Gefahr, daß man als Kämpfer gegen den "Treibhausunsinn" plötzlich mitten im Kampfgetümmel zwischen allen Fronten steht und unter Beschuß gerät, denn der mächtigste unter den Göttern ist laut Erasmus von Rotterdam "Pluto, der Gott des Reichtums".

FUSION: Wie funktioniert eigentlich die von der Sonne angetriebene globale "Wettermaschine" auf unserem Planeten?

Thüne: Die Sonne liefert nicht nur die Energie für alles Leben auf der Erde, sie treibt mit ihrer Energie auch die Allgemeine Zirkulation an und erzeugt über die Verschiedenartigkeit der Wettervorgänge die Mannigfaltigkeit der daraus abgeleiteten Klimate. Wenn die Enquete-Kommission korrekterweise "Klima" als den über ein Zeitintervall von 30 Jahren über einem Ort gemittelten Zustand der Atmosphäre beschreibt, dann verbietet es sich, diese klimatische Mannigfaltigkeit wieder per "Globalklima" aufzuheben, um es dann besser beliebig über eine ebenso nichtssagende wie bei Bedarf manipulierbare "Globaltemperatur" im Sinne des "Klimaschutzes" steuern zu können. Noch herrscht in Berlin und Bonn "Treibhausklima", doch wie lange kann man ohne frische Luft noch aushalten?

Was wir konkret über das Funktionieren der "Wettermaschine" wissen, das entlarven die Wettervorhersagen täglich aufs neue. Von der mit jedem neuen Computer behaupteten Verbesserung der "Prognosegüte" merkt man im Alltag bitter wenig.

FUSION: Wie kann man angesichts dieser komplexen "Wettermaschine" das globale Klima besser verstehen?

Thüne: Zunächst, es gibt kein "Globalklima", das mit einer "Globaltemperatur" zu beschreiben wäre! Als durchschnittliches Wettergeschehen über einen 30jährigen Zeitraum bleibt "Klima" regional ortsgebunden. "Klima" kann man nur im Rahmen der "Klimageographie" beschreiben und als angewandte Meteorologie zu erklären versuchen.

Zugang zum "Klima" gewinnt man nur über ein Studium des Wetters. Wenn man über 30 Jahre die täglich gemittelten Luftdruckverteilungen nimmt und diese wiederum über den Gesamtzeitraum mittelt, dann erhält man eine Luftdruckverteilung, wie man sie in jedem Schulatlas findet mit Islandtief, Azorenhoch, Aleutentief etc. Dies ist natürlich eine völlig künstliche und damit unnatürliche Konstellation, eine rein rechnerische Luftdruckverteilung. Errechnet man mit so einer bis zur Unbeweglichkeit erstarrten Luftdruckverteilung bei geschickter Wahl der Randparameter das "Hundertjährige Klima", dann erhält man überall die vorgegebene "Erwärmung". Nur an zwei Stellen erhält man - erstaunt! - eine Abkühlung: südwestlich von Island- und Aleutentief!

Der "Computer" hat keinen Fehler gemacht, er hat stur gerechnet und anhand des vorgebenen Temperatur- und Druckgradienten 100 Jahre lang immer an derselben Stelle arktische Polarluft nach Süden geführt. Der "Computer" gibt diesen Befehl weisungsgemäß vom Atmosphärenmodell weiter an das Ozeanmodell. Dieses rechnet mit diesem Falschbefehl weiter und bestätigt die vorprogrammierte "Klimakatastrophe". Doch die "Computer" trifft keine Schuld, die eigentliche "Katastrophe" findet in den Köpfen der ihn programmierenden "Klimaexperten" statt.

FUSION: Eine entscheidende Rolle in der Treibhaustheorie spielt die globale Durchschnittstemperatur. Wie kann man diese Größe ermitteln und was ist ihr Aussagewert?

Thüne: Bei einem so flüchtigen und zeitlich wie räumlich so stark fluktuierenden Element wie der Temperatur ist es stets problematisch, selbst mit Tagesmittelwerten zu operieren. Jede Pflanze, jedes Tier, jeder Mensch erlebt nur die tatsächlich im Tages- oder Wochenverlauf gemessene Temperatur. Letzterer erlebt die 10 Grad am Morgen und die 30 Grad am frühen Nachmittag "live" und kleidet sich entsprechend.

Mittelwerte sind Hilfskonstrukte, um "Ruhe" in die Fluktuation der Einzelwerte zu bringen und um besser räumliche "klimatische" Unterschiede aufgrund von Bewuchs, Topographie und Bebauung aufzeigen zu können. Je enger die Meßnetze gesteckt sind, um so besser ist die Aussagefähigkeit für z.B. stadtplanerische Zwecke.

Abgesehen davon, daß die "Globalisierung" des "Klimas" mittels "Globaltemperatur" der Formulierung eines ideologischen "Glaubenswertes" gleichkommt, welches sollte ihr Aussagewert sein? Man kommt dann dazu, daß Arrhenius 1896 mit 15 Grad rechnete, die Enquete-Kommission 1988 die 15 Grad bestätigte, aber einen "treibhausbedingten" Anstieg von 0,7 Grad errechnete, daß die Enquete-Kommission 1992 das Jahr 1990 mit 15,5 Grad zum wärmsten Jahr erklärte, daß die Universität East Anglia dagegen 1995 mit 14,84 Grad zum wärmsten Jahr seit 1850 deklarierte, daß IPCC mehrheitlich im Oktober 1995 in Madrid feststellte: Die "Globaltemperatur" beträgt etwa 15 Grad - "excluding Antarctica"!

Es gibt selbst heute kein genügend dichtes globales Meßnetz, das über 30jährige Meßreihen verfügt, um auch nur angenähert so etwas wie eine "Globaltemperatur" berechnen zu können. Dies wird es auch nie angesichts der Tatsache geben, daß 360 der 510 Millionen qkm der Erde von Ozeanen bedeckt werden. An den Gitterpunkten über den Meeren stehen keine "Englischen Hütten". Doch Hütten-Temperaturen wären immer noch keine Oberflächentemperaturen!

FUSION: Wir haben recht zuverlässige Daten über die Klimageschichte, welche weit vor die Zeit, als der Mensch existierte, zurückreichen. Gibt es eine Erklärung für die Klimaschwankungen der Vergangenheit?

Thüne: Es gibt zahlreiche paläoklimatologische Arbeitsmethoden mit diversen Proxydaten, die Hinweise über die Klimageschichte zu geben in der Lage sind. Man hat über 50 verschiedene Hypothesen zur Erklärung entwickelt, mit inflationär zunehmender Tendenz. Dies ist auch nicht verwunderlich, denn bei komplexen aufeinander einwirkenden und sich wechselseitig wiederum in komplexer Weise beeinflussenden Systemen kann man prinzipiell keine simple monokausale Ursachen-Wirkungskette erwarten.

Wer behauptet, der CO2-Gehalt der Mauna-Loa-Atmosphäre steuere das Ding "Globaltemperatur", der outet sich als "Klimaideologe". So wie wir die Witterungsanomalien der Vergangenheit, die zu "Klimaschwankungen" wie "Klimaoptimum des Mittelalters" oder "Kleine Eiszeit" verdichtet wurden, zwar registrieren, aber nicht erklären können, so fehlt uns auch heute jedwede Möglichkeit zu erklären, warum der letzte Sommer heiß oder kühl, trocken oder naß war. Was der nächste Winter bringen wird, das weiß kein Mensch!

FUSION: Es werden Zigmillionen Steuergelder für "Klimamodelle" auf Großcomputern ausgegeben. Während wir trotz großen Computeraufwandes bei der kurzfristigen Wettervorhersage nur wenige Tage weit in die Zukunft rechnen können, sagen diese "Klimamodelle" voraus, was in vielen Jahrzehnten sein wird. Wie kann man diesen Widerspruch erklären?

Thüne: Die numerische Wettervorhersage und das, was sich "Klimaprognose" nennt, kann man nicht auf eine Stufe stellen. Bei der Wettervorhersage liegt ein ehrliches Bemühen zugrunde, anhand aktueller gemessener Felder mit einem Satz von Differentialgleichungen ohne Manipulation eine Vorhersage zu machen. Dies gelingt für höhere Atmosphärenschichten mit glatten und reibungsarmen Strömungsfeldern, d.h. für Zwecke der Luftfahrt, recht gut. Am Boden ist alles komplizierter!

Jedenfalls bringen die Wetterprognostiker den Mut und die Ehrlichkeit auf zu sagen, daß die numerische Wetterprognose nach 5 bis 7 Tagen derart an Qualität verliert, daß eine Veröffentlichung unverantwortlich ist. Die "Klimaprognostiker" nehmen zunächst dieselben Gleichungssätze. Da diese über so lange Rechenzeiten ob des deterministischen sowie stochastischen Chaos nicht stabil lösbar sind, werden sie nicht nur "entkompliziert", es werden beim Rechnen auch unstatthaft "Flußkorrekturen" vorgenommen. Das "Ergebnis" wird als objektive "Hundertjährige Klimaprognose" verkauft. Die "Randbedingungen" sind politisch wünschbar, doch die "Anfangsbedingungen" bleiben ein wohlgehütetes Geheimnis. Deshalb habe ich gefordert, daß unter notarieller Aufsicht zwecks Verifizierung der bisherigen "Klimamodelle" zumindest die Luftdruck- und Temperaturverteilung des Januar 1995 in diejenige des Januar 1996 mal numerisch überführt werden möge.

FUSION: Warum haben Sie sich persönlich in Ihrem Leben so ausführlich mit Fragen des Wetters und des Klimas beschäftigt, was reizt Sie daran?

Thüne: Mich reizt die permanente Veränderlichkeit des Wetters und die damit täglich aufs neue verbundene Herausforderung, die Ursachen hierfür mit dem Instrumentarium von Analyse, Diagnose und Prognose zu ergründen. Man steht zwar als "Wetterfrosch" in einem Umfeld von "Experten" stets am Abgrund zur "Lächerlichkeit", ich halte es aber bei einer Fehlvorhersage für keine Schande zuzugeben, daß das menschliche Erkenntnisvermögen Grenzen und Unzulänglichkeiten aufweist, die nur "ideologisch" scheinbar überwunden werden können. Mein Bestreben zielt darauf hinaus, wenigstens die "Meteorologie als Wissenschaft" wieder zu einer "ideologiefreien Zone" zu machen und damit die "Klimapolitik" wieder auf eine rationale Entscheidungsgrundlage zu stellen.