Die verantwortlichen Politiker und Wirtschaftsgrößen unseres
Landes folgen mit uneingeschränkter Blindheit dem großen
anglo-amerikanischen Vorbild und helfen so seit Jahren mit, die
Weltwirtschaft in eine Wirtschaftskrise zu führen, deren
Ausmaß wahrscheinlich alles übertreffen wird, was die Menschheit
seit dem "finsteren Zeitalter" durchleben mußte. Was soll das
Geschwätz über die Frage, ob man in Deutschland "schon" oder
"noch nicht" in einer Rezession sei? Tatsache ist: Wir erleben
seit einem Jahr - und nicht erst seit dem 11. September - eine
globale Zusammenbruchskrise, eine bodenlose Abwärtsspirale, aus
der es kein durch "Marktkräfte" bewirktes Entkommen gibt. Um so
offensichtlicher dieses Problem für den gesunden
Menschenverstand wird, desto mehr steigert sich der kollektive
Wahnsinn der dem liberalistischen Dogmen verfallenen
Finanzgrößen, Wirtschaftsweisen sowie deren Nachschwätzer in
Medien und Politik.
Alles nur Scheingewinne
Mehr als ein Jahrzehnt lang wurde dem Mythos der "New
Economy" gehuldigt. Dieser Mythos ist nun samt Millionen von
Arbeitsplätzen und auf Aktienwerten basierenden
Altersversorgungen in den USA kollabiert (siehe den Artikel von
Lothar Komp auf Seite 33). Aber wo sind die Konsequenzen für die
Verantwortlichen dieses offensichtlichen Betrugs? Ist es mit
Wegsehen und La-Paloma-Pfeifen getan? Wer die Entwicklung mit
gesundem Menschenverstand betrachtet hat, dem war
offensichtlich, was da geschah. Der frühere Chefökonom der
Dresdner Bank, Dr. Kurt Richebächer, beschrieb auf einem
EIR-Seminar am 5. November den angeblichen "Produktivitätsboom"
der "New Economy" so: "Wenn Sie heute die Nasdaq-Unternehmen
nehmen und all die Abschreibungen berücksichtigen, dann haben
diese Unternehmen seit 1995 keinen Pfennig verdient. Sie sind
alle in den roten Zahlen... Das waren alles Papiergewinne,
Scheingewinne, keine Gewinne aus Produkten und Produktivität. Es
war alles Betrug."
Das Ende des Mythos der "New Economy" ist nur ein Symptom für
den Niedergang von Wissen und Moral in der Wirtschaft. Was heute
höhnisch als "kreative" Buchführung gefeiert wird, hätte in den
sechziger Jahren dazu geführt, daß der Finanzbuchhalter die
Polizei alarmiert.
Zurück zur physischen Ökonomie
Wir werden uns aus dieser bodenlosen Abwärtsspirale nur
befreien können, wenn wir wieder die grundlegenden Faktoren
sehen und schätzen lernen, auf denen volkswirtschaftliche
Prosperität aufbaut. Raffgier und "kreative" Buchführung hat
offenbar vergessen lassen, welche Handlungen überhaupt zur
Schaffung wirtschaftlichen Reichtums beitragen. Der
amerikanische Ökonom und Politiker Lyndon LaRouche hebt hervor,
daß "einzig" in der physikalischen und wirtschaftlichen Praxis
"bestätigte Entdeckungen neuer allgemeiner physikalischer
Prinzipien die Handlungsweise darstellt, womit die Menschheit
die Macht ihrer Gattung im und über das Universum ausbauen
kann." Nur diese individuellen Handlungen, in denen die nur dem
Menschen eigene "schöpferische" Qualität, die Umwelt zu
verändern, zum Ausdruck kommt, ist die Grundlage von
ökonomischem Reichtum. Die Kunst der Wirtschaftspolitik
besteht gerade darin, diese Art des ökonomischen Handels zu
erkennen, so stimulieren und zu fördern.
Den Managern und Wirtschaftspolitikern in Deutschland ist der Begriff "produktive Handlung" längst abhanden gekommen, das beweist die Art und Weise, mit der die Zukunftstechnologien Magnetschwebebahn und Hochtemperaturreaktor abgewürgt wurden. Ohne den wirtschaftlichen Sachverstand in der chinesischen Wirtschaftselite wäre dieses in Deutschland entwickelte technologische Wissen bereits vernichtet (siehe die Artikel über die Anwendung von Transrapid und Kugelhaufenreaktor in China S.16). Die kontrollierte Kernfusion ist eine unverzichtbare Zukunftstechnologie. Sie konnte sich in Deutschland trotz massiver Anfeindungen gerade so am Leben halten (siehe die Artikel über 40 Jahre Kernfusionsforschung in Garching S. 25 und zum Tod des Fusionsforschers Dan Wells S. 30). Den heute erreichten Stand muß man jedoch auch daran messen, daß diese Technologie nur deshalb heute noch nicht wirtschaftlich einsetzbar ist, weil ihre Förderung in den vergangenen drei Jahrzehnten sträflich vernachlässigt wurde.
"Produktive Handlungen" sind immer individuelle Handlungen, ihr wirtschaftlicher Wert kann jedoch nicht isoliert bestimmt werden. LaRouche drückt das folgendermaßen aus: "Eine produktive Handlung muß innerhalb einer Wirtschaft von den entwickelten Bedingungen der grundlegenden wirtschaftlichen Infrastruktur her definiert werden, in welche die zu definierende individuelle Produktionshandlung eingebettet ist." Es ist also dieser infrastrukturelle Zusammenhang, in dessen Rahmen die volkswirtschaftliche Leistung innovativer mittelständischer Betriebe direkt (siehe den Artikel über das Berliner Handwerk und den Transrapid S.10) oder indirekt (siehe den Artikel über Revolution im Pflanzenbau S. 6) zum Ausdruck kommt.
Die "kreativen" Statistiken heutiger Machart, Aktienwerte, der Dax und ähnliches Getier oder die allwöchentlichen Lottozahlen sind für die langfristige Beurteilung dieses Zusammenhangs ungeeignet, sondern es muß der "Vergleich des Nettoausstoßes einer Wirtschaft sowohl pro Kopf als auch pro Flächeneinheit zusammen mit der vorhersehbaren Wachstumsrate der Nettogewinnspanne beim Ausstoß nach physikalisch-ökonomischem Standard", so LaRouche, vor einem "Horizont von einem Vierteljahrhundert" die "Wahlmöglichkeiten" der wirtschaftlichen Handlungen begründen. Am deutlichsten konkretisiert sich dieser Horizont in Infrastrukturmaßnahmen - wie sie in den Artikeln um das Wasserstraßenkreuz bei Magdeburg (siehe S. 12) und das Konzept des Entwicklungskorridors (siehe S. 40) dargestellt sind.
Einen technologisch-wirtschaftlichen Horizont von einem Vierteljahrhundert, den müssen wir wieder gewinnen! Zu lange haben wir es hingenommen, daß der geistige Horizont der "verantwortlichen" Politiker und Wirtschaftsgrößen in unserem Lande den Radius Null hat. Wir erfahren bereits schmerzlich, welche Zeche wir dafür zahlen müssen. Es ist höchste Zeit, endlich wieder zu erkennen, auf welcher Grundlage wirtschaftliche Werte überhaupt entstehen können. Unsere Chance besteht darin, daß wir aufhören, mit uneingeschränkten Scheuklappen genau die wirtschaftspolitischen Fehler nachzumachen, die uns andere vormachen. Wir müssen uns einfach an das erinnern, was Deutschland vor gar nicht all zu langer Zeit zum Wirtschaftswunderland gemacht hat.