Bankenpanik in Berlin. Symptomatisch für die tiefsitzende Sorge in der Bevölkerung über den miserablen Zustand der Weltfinanzmärkte ist folgende Episode, die sich Mitte August in Berlin zutrug. Seit Anfang August kursierten in deutschen Medien Berichte über die Schieflage einer Bäckereikette in Berlin, die dem Investor Horst Schiesser gehört. Am 14. August berichteten lokale Medien, zusammen mit der Schiesser-Gruppe werde auch deren Tochter, das Bäckereiunternehmen City Back, bankrott gehen.
In diesem Augenblick unterlief zahllosen Radiohörern ein "Freudscher" Hörfehler: Sie verwechselten "City Back" mit "Citibank". Hunderte Berliner stürmten die Citibank-Filialen, weil sie die Bank bankrott glaubten. Bis zum späten Abend standen Kunden in langen Warteschlangen vor den Bankfilialen, um ihre Guthaben abzuheben. Ein Sprecher der Citibank Deutschland mußte in einer Presseerklärung versichern, die Citibank sei weder bankrott noch stehe sie in irgendeiner Verbindung zu City Back.
In Kolumbien tritt Gen. Bedoya gegen Präsident Samper an. Der neue Präsidentschaftsbewerber liegt inzwischen bei den Meinungsumfragen vorn und hat das politische Schachbrett gründlich durcheinandergewirbelt. Die Kandidatur des vor kurzem entlassenen Armeechefs General a.D. Harold Bedoya Pizarro hat bei den kolumbianischen Drogenkartellen Panik ausgelöst. Die Kartelle kontrollieren derzeit den Präsidenten Samper Pizano, der, wie die Mehrheit der kolumbianischen Eliten, sein Arrangement mit den Kartellen getroffen hat.
Präsident Samper hat selbst den Anlaß zu Bedoyas Kandidatur geliefert, als er den Armeechef vor einem Monat hinauswarf. Es war ein verzweifelter Versuch, seinen Hauptkritiker innerhalb der Staatsführung zum Schweigen zu bringen. Gen. Bedoya hatte sich unbeugsam und öffentlich gegen Sampers Versuche gewehrt, den beiden wichtigsten narkoterroristischen Privatarmeen der Drogenkartelle, der FARC und der ELN, weitreichende Zugeständnisse bei sogenannten "Friedensgesprächen" zu machen. Dabei geht es um die Teilung der Macht mit den Drogenkartellen und den Narkoterroristen. Leider haben auch Elemente des amerikanischen Außenministeriums und des Pentagon die Kampagne gegen die Streitkräfte Kolumbiens vor Ort und international unterstützt.
Bedoyas Entlassung war eine Vorbedingung der Terroristen für ihre Zustimmung zu "Friedensgesprächen", die Samper gern erfüllte. Nun stellten FARC und ELN jedoch neue Bedingungen, u.a.: * Übergabe der Kontrolle großer Landesteile an FARC und ELN; * Streichung der Worte "Narkoterrorist" oder "Narkoguerilla", die Gen. Bedoya stets bezüglich FARC und ELN verwendete, aus dem politischen Wörterbuch Kolumbiens; * Außerdem soll Samper garantieren, daß die Friedensgespräche von der nächsten Regierung fortgesetzt werden; das kommt der Forderung gleich, Sampers Wunschkandidat Horacio Serpa Uribe müsse in jedem Fall Präsident werden.
US-Bankrotte nehmen weiter zu. Vor den amerikanischen Gerichten gab es im Quartal April-Juni eine Rekordanmeldung von Bankrotten: 367168 Privatpersonen und Gesellschaften erklärten sich zahlungsunfähig. In den ersten sechs Monaten 1997 wurden damit 702241 Bankrotte amtlich. 27822 Firmen gingen pleite, und 674419 Personen mußten den Offenbarungseid leisten (96% der Zahlungsunfähigkeiten). Insbesondere die Refinanzierung der privaten Schulden (die durch Kreditkarten besonders leicht gemacht werden), wird immer problematischer.
Seit 1980 stieg die Zahl der Zahlungsunfähigkeiten beständig:
| Jahr | gesamt | Firmen | privat |
| 1980 | 331264 | 43694 | 287570 |
| 1985 | 412510 | 71277 | 341233 |
| 1990 | 782960 | 64853 | 718107 |
| 1995 | 926601 | 51959 | 874642 |
| 1996 | 1178555 | 53549 | 1124600 |
| 1997 | 1500000 | 56000 | 1444000 |
Greenpeace-Aktion gegen BP geht nach hinten los. Der Umweltmultis Greenpeace erlebte vergangene Woche eine peinliche Pleite: Nicht nur wurden angesichts einer 4-Millionen-DM-Schadenersatzklage des Ölkonzerns British Petroleum vorsorglich alle Konten der britischen Greenpeace-Sektion gesperrt; die ganze Aktion gegen British Petroleum (BP) ging daneben: Greenpeace hatte vor, den Spendenerfolg der Brent-Spar-Aktion gegen Shell zu wiederholen. Allerdings richtete sich die Aktion diesmal nicht gegen die Versenkung einer ausgedienten Plattform, sondern gegen die Ausbeutung fossiler Energieträger im allgemeinen - wegen der "Klimakatastrophe". Greenpeace packte wie üblich ein Schiff seiner Flotte voll mit Medienleuten, um die geplante Enter-Aktion aus nächster Nähe beobachten zu lassen.
Nachdem Aktivisten westlich der Shetland-Inseln tatsächlich eine Ölplattform erstürmt und Presse und Fernsehen auch brav darüber berichtet hatten, blieb jedoch - aus ungeklärten Gründen - das Greenpeace-Schiff aus, welches die Medienmeute wieder an Land bringen sollte. Nach drei Tagen schließlich brachte ausgerechnet ein BP-Hubschrauber die Reporter ans Festland. Unbeobachtet von westlichen Medien wurde am nächsten Tag die Aktion durch die Polizei beendet. BP verklagte vier Greenpeace-Vertreter auf 4 Mio. DM Schadenersatz. Eine gütliche Einigung ist jedoch in Sicht, gehörte BP (wie auch Shell) in der Vergangenheit doch selbst zu den großzügigsten Greenpeace-Spendern.