Liebe Bürgerinnen und Bürger!
Ich schätze, Sie haben ähnlich wie ich mit gemischten Gefühlen die Bekanntgabe der 23 Projekte aufgenommen, mit denen sich die Hauptstadt Berlin an der "Expo 2000" in Hannover beteiligen will.
Auf insgesamt über 10 Milliarden Mark belaufen sich die Investitionen in diese Projekte, und die Berliner Landesregierung hat durch Wirtschaftsstaatssekretär Branoner vollmundig verkünden lassen: "Der Erhalt und die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen stehen in direkter Verbindung zur Expo 2000."
Nun fragt sich jedoch jeder denkende Bürger, wie können Projekte wie "Car-sharing" (d.h. mehrere Personen teilen sich ein Auto), eine "ökologische Waschanlage für LKWs", die Nutzung von Regenwasser und Solartechnik bei der Sanierung von Plattenbauten in Hellersdorf oder der Bau von Windkraftanlagen das Kernproblem unserer Zeit, die Massenarbeitslosigkeit, lösen - immerhin sind in Berlin offiziell 285000 Arbeitslose registriert (ABM-Maßnahmen und Vorruheständler nicht inbegriffen).
Können solche Projekte Jugendlichen, die keine Zukunft vor sich sehen, eine glaubhafte Antwort und Perspektive geben? Ist der Denkzettel, den vor allem die Jungwähler in Sachsen-Anhalt den etablierten Parteien gegeben haben, nicht Warnung genug?
Und welches Signal wird Berlin für die Besucher der Expo 2000 setzen? 40 Millionen Gäste aus 150 Ländern werden vom 1. Juni bis 31. Oktober 2000 in Hannover erwartet, davon werden rund 20000 täglich auch in die Hauptstadt kommen, um sich die Berliner Projekte anzuschauen. Letztlich soll die Expo doch Antworten auf die Frage finden, wie ein menschenwürdiges Leben auf der ganzen Welt im nächsten Jahrtausend geschaffen, gesichert und gestaltet werden kann.
Jeder weiß heute, wie Massenarbeitslosigkeit (in Europa allein inzwischen 18 Millionen Menschen), Armut und Hunger (ganze Völker drohen dem Hungertod zum Opfer zu fallen), seit dem Mittelalter vergessene Seuchen und neue Krankheiten wie AIDS und Kriege die Menschheit in ihrer Existenz bedrohen.
Im Gegensatz zu den heute gängigen, politisch korrekten Wortblasen vieler Politiker, Verbandsvertreter und Wissenschaftler weiß die überwiegende Mehrzahl der Bürger auch, daß Mangel an Entwicklung, Verweigerung von wissenschaftlichem und technologischem Know-how die Ursachen für diese politischen oder scheinbar "natürlichen" Katastrophen sind.
Wir brauchen also nichts weniger als eine neue industrielle Revolution, die wieder produktive Arbeitsplätze schafft, um die Massenarbeitslosigkeit, die wirtschaftliche und soziale Entwurzelung zu überwinden.
Insofern ist es völlig unverständlich, daß der Berliner Senat wertvolle Steuergelder für kostspielige "grüne Projekte" verschwendet. Er toleriert zudem, daß die eigentlich interessanten Expo-Projekte der journalistischen Zensur zum Opfer fallen. Darunter sind vor allem mehrere Vorhaben aus der medizinischen Forschung:
Die Beförderung von Wissenschaft und Kunst war für Leibniz der Motor für die Verbesserung der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse. Er entwarf ein Grand Design für Europa, wobei der Aufbau von Akademien in Berlin, Wien, Petersburg und Dresden im Sinne von modernen Wissenschaftsstädten die notwendigen Impulse zu wissenschaftlicher, technologischer und wirtschaftlicher Entwicklung einleiten sollte - "theoriam cum praxi"! Der Austausch von Wissen und technologischem Know-how war der Kern seiner Mission und das Fundament seines Weltfriedensplanes, in dessen Rahmen Europa über Rußland eine Brücke nach China baut und Verbindungen nach Afrika und dem amerikanischen Kontinent entwickelt.
Exakt hierin müßte auch die Aufgabe der Expo 2000 liegen! Sie muß der Anfang eines weltweiten Rekonstruktionsprogrammes werden, denn Entwicklung ist nur ein anderer Name für soziale Gerechtigkeit und Frieden.
Deshalb helfen Sie uns, dieses Konzept wissenschaftlicher, technologischer und damit wirtschaftlicher Entwicklung durchzusetzen! Setzen Sie sich mit uns zusammen dafür ein, daß das Expo-Motto "Mensch - Natur - Technik" im Geiste Gottfried Wilhelm Leibniz' umgesetzt wird!
Ihre
Renate Müller De Paoli
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