Aus der Neuen Solidarität Nr. 20/98:

[Club of Life]

Kurznachrichten: Club of Life

Überlastete Ärzte und gestreßtes Pflegepersonal sind nach Darstellung der SPD in den bayerischen Krankenhäuser an der Tagesordnung. Eine Arbeitsbelastung von 70 und mehr Wochenstunden sei bei Ärzten und Pflegern üblich geworden, was naturgemäß auch die Sicherheit der Patienten gefährde. Laut Zahlen der Ärzteorganisation Marburger Bund müßten in Bayern 2000 Ärzte zusätzlich eingestellt werden.

In den Berliner Arztpraxen hat ein massiver Stellenabbau eingesetzt. In den vergangenen fünf Jahren fielen rund 4300 Arbeitsplätze von Arzthelferinnen weg, wie das Organ der Kassenärztenlichen Vereinigung unter Berufung auf eine Umfrage berichtete. Dem stünden nur 1400 neugeschaffene Stellen gegenüber. An der Umfrage beteiligten sich 1316 der 4467 Berliner Einzelpraxen. Weitere 2200 Stellen sollen dem Bericht zufolge in den kommenden zwei Jahren ersatzlos gestrichen werden. Damit würden dem Arbeitsmarkt innerhalb von nur sieben Jahren rund 5000 Jobs verlorengehen. Die KV sieht in dem massiven Stellenabbau eine Folge der Honorarmisere, die auch "zur mittelfristigen Gefährdung des Wirtschaftsfaktors Vertragsarzt" führe. "Würde ein Berliner Großunternehmen jährlich so viele Mitarbeiter entlassen, wäre der öffentliche Protest groß". Bereits jeder 10. Arzt steht nach Angaben der KV unter Bankkuratel und kann somit nicht mehr frei über sein Honorar verfügen.

Das Sparen im Gesundheitswesen geht nach Ansicht des Bayreuther Geriatrie-Experten Axel Schramm vor allem zu Lasten der alten Menschen. Die Versorgung alter Menschen werde insbesondere durch die Konkurrenz zwischen den beiden Versicherungssystemen erschwert. Für die medizinische Behandlung seien die Krankenkassen zuständig, für die Grundpflege jedoch die Pflegekasse. Bei alten Menschen aber könne man dies nicht in jedem Fall streng trennen. Die Folge sei ein erhebliches Finanzgerangel auf dem Rücken der Patienten. Ein Indiz dafür sei, daß der Ausbau der geriatrischen Abteilungen stagniere, deren Hauptziel es ist, alte Menschen zu rehabilitieren und den Eintritt der Pflegebedürftigkeit zu verzögern. Schramm wörtlich: "In Zeiten knapper Kassen werden die Entscheidungsträger aber immer öfter fragen: ist es denn überhaupt wünschenswert, das Leben alter Menschen zu verlängern, rechnet sich das denn?"