Am 26. April kamen die Präsidenten der Türkei, Georgiens und Aserbeidschans im türkischen Schwarzmeerhafen Trabzon (das frühere Trapezunt) zusammen und übergaben dort ein Wasserkraftwerk am Fluß Curuh, der von der Türkei nach Georgien fließt, seiner Bestimmung. Der Strom aus diesem Kraftwerk wird in alle drei Länder geliefert. Der türkische Staatspräsident Suleyman Demirel erklärte bei der Zeremonie, dies sei "erst der Anfang", und verwies auf das Vorhaben der Pipeline Baku-Ceyhan. Der Sprecher des türkischen Außenministers ergänzte, die drei Präsidenten seien bereit, konkrete Schritte zu unternehmen, damit aserisches Erdöl über die Route Baku-Tiflis-Ceyhan transportiert werden kann. Ceyhan liegt an der türkischen Mittelmeerküste am östlichen Zipfel des Mittelmeeres.
In Moskau wird dieses Projekt - möglicher Transportweg für das kaspische Erdöl in den Westen - von vielen als Versuch gewertet, Rußland von der eurasischen Infrastrukturentwicklung auszuschließen. Die Iswestija vom 28. April titelte "Tripelallianz in Trapezunt gefestigt" und verurteilte das Vorhaben: "Für uns ergibt sich das folgende politische Bild der ,Achse Baku-Tiflis-Ankara' statt der Achse Baku-Tiflis-Moskau... Rußland wurde ausgeschlossen, nicht nur aus den kaspischen Projekten. Es gibt eine tiefergehende Frage: die des Verkehrskorridors, der Rußland außen vor läßt." Rußland müsse selbst die Initiative ergreifen und "die Große Seidenstraße durch das Vorhaben wiederbeleben, einen eurasischen Verkehrskorridor zu errichten, von dem das Schienennetz Kars-Tiflis ein Teil ist" (Kars liegt im Nordosten der Türkei nahe der Grenze zu Georgien und Armenien). Wenn Rußland mit diesem Plan voranschreitet, so Iswestija, könne man andere Länder wie Kasachstan, Usbekistan und Turkmenistan einbeziehen. Hinzuzufügen wäre, daß sich dieser Plan und der oben genannte nicht unbedingt gegenseitig ausschließen.
Am 25. April begann offiziell der Bau des Kernkraftwerks in Lianyungang in der ostchinesischen Provinz Hebei. Die beiden Reaktoren werden von Rußland geliefert, das sich auch beim Bau beteiligt. An der Zeremonie, mit der die Bauarbeiten begonnen wurden, nahmen führende Politiker der Provinzverwaltung, der russische Botschafter in China Igor Rogatschew sowie Vertreter der beteiligten russischen Unternehmen und der staatlichen chinesischen Nuklearindustrie teil. Neben der Errichtung von Kommunikationsanlagen wird bereits an einer zusätzlichen Zufahrtsstraße und einer 11 km langen Wasserleitung gearbeitet, die täglich 7000 m3 Wasser zur Baustelle transportieren soll.
Der erste der beiden Leichtwasserreaktoren mit einer Leistung von 1000 MW soll 2004, der zweite ein Jahr später ans Netz gehen. Später sollen in Lianyungang möglicherweise noch vier weitere Reaktoren errichtet werden.
Am 25. April traf der Stabschef der chinesischen Volksbefreiungsarmee Gen. Fu Quanyou zu einem sechstägigen Besuch in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi ein. In den vergangenen neun Monaten hatte der Armeechef Myanmar, Vietnam und die USA bereist. In Indien traf General Fu, der auch Kommandeur der Strategischen Raketenstreitkräfte seines Landes ist, mit Ministerpräsident Vajpayee, Verteidigungsminister George Fernandes und dem indischen Stabschef zusammen. In den Gesprächen ging es u.a. um die Festlegung des Grenzverlaufs zwischen beiden Staaten und um die angebliche chinesische Hilfe bei der Entwicklung der pakistanischen Mittelstreckenrakete Ghauri, die Indien mit einiger Sorge betrachtet. General Fu bezeichnete die Gespräche als "fruchtbar" und sagte zu, daß sich China jetzt mit der Frage der Grenzfestlegung vorrangig befassen werde.
In Indien setzt sich nach dem Amtsantritt der Regierung Vajpayee offenbar immer mehr die Erkenntnis durch, daß so zentrale, wenn auch komplizierte Fragen wie die Grenzfestlegung und andere Sicherheitsprobleme nicht länger beiseite geschoben werden dürfen. Die Regierung sieht offenbar ebenso wie die neue chinesische Regierung unter Ministerpräsident Zhu Rongji neue Anknüpfungspunkte.