Aus der Neuen Solidarität Nr. 5/1999:


Maurice Strong: Werdegang eines Öko-Oligarchen


Die Verbindung zum Trust
Spitzenkarriere im Umweltschutz

Maurice Strong, der stellvertrende Generalsekretär der Vereinten Nationen und Vorsitzende des Erd-Rates (Earth Council), arbeitet seit über zehn Jahren mit Al Gore zusammen.

Strong gehörte mit Prinz Philip zu den Gründern des milliardenschweren "1001 Club", so heißt der diskret arbeitende "Goldesel" des menschenfeindlichen World Wide Fund for Nature (WWF). Ein anderer Mitbegründer des "1001 Club" war der ehemalige SS-Nachrichtenoffizier und NSDAP-Mann Prinz Bernhard der Niederlande.

Während der kürzlich beendeten jahrzehntelangen Präsidentschaft Philips war Strong WWF-Vizepräsident. Darüber hinaus hat er von 1967 an alle kanadischen Mitglieder des "1001 Club" handverlesen. Innerhalb des Clubs galt er als einer der drei einflußreichsten Männer neben Prinz Philip und dem verstorbenen Sir Peter Scott.

Zu den etwa 80 "Eingeweihten" des "1001 Clubs" in Kanada (oft als "Strongs Kindergarten" bezeichnet) gehören u.a.:

Die Verbindung zum Trust

Strongs Werdegang ist in dem Buch Grüner Deckmantel (Cloak of Green von Elaine Dewar, erschienen bei James Lorimer & Co.) beschrieben.

Ein Grund für seinen Aufstieg zu Macht und Reichtum ist sicherlich die Förderung durch ein Mitglied des amerikanischen Zweigs der Familie, Anna Louise Strong, die offenbar der höchsten Ebene des sog. "Trust" angehörte. Der "Trust" war der oligarchische Unterstützungsapparat im Westen für die UdSSR und für Maos China.

Elaine Dewar schreibt über Anna Strong: "Anna war Marxistin und Journalistin, und wahrscheinlich eine Spionin, wobei nicht sicher ist, für wen. 1921 kam sie als Mitglied eines Hilfskomitees der Quäker in die noch junge Sowjetunion, wo sie Mitglieder der aufstrebenden Sowjet-Hierarchie, darunter Trotzkij, kennenlernte. Sie schrieb über die junge UdSSR für die Nation und die Hearst-Presse. Sie wurde Mitglied der Komintern und heiratete den stellv. Landwirtschaftsminister der UdSSR (der später Stalins Säuberungen zum Opfer fiel)... Sie reiste nach China. Das FBI verdächtigte sie der Tätigkeit für Stalins Polizeichef Beria, aber sie gab auch Vorlesungen in Stanford für US-Geheimdienstleute als Vorbereitung für deren Einsatz in China. In der entscheidenden Zeit vor dem Sieg über die Kuomintang verbrachte sie zwei Jahre mit Mao und Chou En-lai. 1949 wurde sie in der UdSSR als amerikanische Spionin verhaftet... Während der Kulturrevolution kehrte sie nach China zurück, wo sie 1970 starb. Chou En-lai organisierte persönlich ihr Begräbnis. Maurice Strong verdankte es z.T. seiner engen Beziehung zu Anna Louise Strong, daß die Chinesen ihm vertrauten."

Strong, 1929 in Oak Lake (Manitoba) geboren, wird in jungen Jahren zunächst Sozialist. Er arbeitet kurz für die Hudson Bay Company, die alte Kolonialgesellschaft der Krone. Dann wird der 18jährige für die Prospektierungsfirma New Horizon Explorations Ltd. angeheuert, die im Norden Kanadas arbeitet. Sie gehört dem amerikanischen Abenteurer "Wild Bill" Richardson, einem früheren Mitglied der kanadischen Luftwaffe, der u.a. gegen die kanadisch-sowjetische Freundschaftsvereinigung spioniert. Richardsons Frau Mary kommt aus der Familie McColl, die die größte kanadische Ölgesellschaft McColl-Fontenac gegründet hat, welche wiederum von Rockefellers Texaco kontrolliert wurde.

Über "Wild Bill" trifft Strong viele zukünftige Spitzenpolitiker, die seiner Karriere später nützlich sein werden. Er lernt den damaligen Schatzmeister der Vereinten Nationen Noah Monod kennen, der ihn nach New York einlädt und David Rockefeller vorstellt. Das ist der Beginn einer lebenslangen Freundschaft und Geschäftsbeziehung. Der Spruch geht um: "Wo Strong geht, sind Rockefellers Dollars nicht weit."

Nach einem längeren Aufenthalt in Afrika kehrt er 1954 nach Kanada zurück und gründet sein eigenes Unternehmen, MF Strong Management Empire Trust. Dann wird er über Beziehungen zum Präsidenten des kanadischen Energieriesen Power Corp. ernannt. Strong beschreibt selbst seine Macht als Präsident von Power: "Wir beherrschen viele Firmen, kontrollieren politische Budgets. Wir beeinflussen viele Ernennungen... Die Politiker müssen dich kennen, und du sie."

Er fördert nun selbst Leute seiner Wahl, so etwa den heutigen Weltbank-Chef James Wolfensohn, dem er - frisch von Harvard kommend - die Leitung der australischen Tochter SuperPower International anvertraut. Wolfensohn macht dann eine einträgliche Karriere an der Wall Street und gründet seine eigene Firma, James D. Wolfensohn Co., deren Vorstandsvorsitzender der ehemalige Federal Reserve-Chef Paul Volcker wird. Strongs Freund wird von Königin Elisabeth zum Ritter geschlagen, kurz bevor er die Leitung der Weltbank übernimmt. Dort arbeitet Wolfensohn eng mit Prinz Philips "Allianz von Religion und Naturschutz" (ARC) zusammen, "um die Kultur der Weltbank zu ändern", wie Philips Umweltberater Martin Palmer berichtet.

Strong gibt dann seinen hochbezahlten Job auf, um Kanadas Entwicklungshilfeprogramm zu übernehmen, wo er eng mit dem Außenminister, seinem alten Freund Paul Martin, zusammenarbeitet.

Spitzenkarriere im Umweltschutz

1969 fragt der schwedischen UN-Botschafter an, ob er die Leitung der ersten großen internationalen Umweltkonferenz 1972 in Stockholm übernehmen will. Der neue Ministerpräsident Pierre Trudeau stimmt der Ernennung zu. 1971 wird Strong Treuhänder der Rockefeller-Stiftung - in deren Vorstand er heute noch sitzt - , die Gelder für die Konferenz bereitstellt. Er stellt die britische Agentin Barbara Ward (Lady Jackson) ein, die große Teile der vorbereitenden Dokumente für die Konferenz verfaßt.

Indem er seine Familienbande mit Anna Louise Strong nutzt, kann Strong - im Tandem mit dem berühmten Günstling der Familie Rockefeller und damaligen Sicherheitsberater Präsident Nixons, Henry Kissinger - Mao Zedong bewegen, erstmals eine Delegation zu einer UN-Veranstaltung zu entsenden.

Elaine Dewar berichtet: "Auf der 1972 eröffneten Stockholm-Konferenz warnte Strong eindringlich vor der globalen Erwärmung, dem Waldsterben, dem Verlust der Artenvielfalt, der Meeresverschmutzung und der Bevölkerungs-Zeitbombe... Als ich die alte Rede las, erkannte ich, daß man sie auf dem Rio-Gipfel beinahe wörtlich wiederholen könnte."

Später wird Strong Generalsekretär des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), aus dem heraus er den Earth Council gründet. Und er wird Generalsekretär des Umweltgipfels von Rio 1992, der dazu dient, die Souveränität der Nationalstaaten zugunsten supranationaler und globaler Institutionen abzubauen.

Dewar schreibt über den wahren Zweck des Gipfels: "Für die Öffentlichkeit sollte Rio aussehen wie eine weltweite Verständigung darüber, wie die Notwendigkeit des Umweltschutzes mit der Notwendigkeit des Wirtschaftswachstums in Einklang gebracht werden kann. Die Eingeweihten wußten, daß es andere, weitergehende Ziele gab: etwa die Verlagerung nationaler Regulierungsbefugnisse auf riesige regionale Behörden, die Öffnung aller verbliebenen geschlossenen Volkswirtschaften für die multinationalen Interessen, die Stärkung der Entscheidungsstrukturen weit über und unter dem Einflußbereich der neuen Demokratien, und vor allem der Integration der Sowjets und Chinesen in das System des globalen Marktes."

Wie das nebenstehende Interview verdeutlicht, wußte Strong, daß der Gipfel von Rio darauf abzielte, den souveränen Nationalstaat zu zerstören. Sein Freund "Al" (Gore) sorgte dafür, daß die USA auf Staatsoberhaupt-Ebene teilnahmen. Auch auf dem nachfolgenden Gipfel von Kyoto, wo Strong als Vertreter des UN-Generalsekretärs auftrat, war es wiederum Al Gore, der gemeinsam mit dem britischen Premierminister Tony Blair die Reduzierung der sog. "Treibhausgase" in den Industrienationen durchsetzte.

Scott Thompson