Aus einer Anzeige für das Computerspiel Hitman: Codename 47, die in der Maiausgabe der Computerspiele-Zeitschrift Computer Gaming World erschien.
Die annoncierende britische Firma Eidos verspricht dem Käufer "unübertroffene 3D-Qualität, Waffen- und Bewegungs-Gestaltung [von Killern und Opfern]", "vollen Zugang zu Schwarzmarktwaffen samt entsprechender Ausrüstung und Personal" sowie "künstliche Intelligenz, die das Genre des denkenden Schützen beschreibt".
Der Spieler im Kindesalter erhält eine realistische Söldnerausbildung, nachdem der blutige Inhalt moralisch neutralisiert und zum Vergnügen verharmlost wurde.
Entwicklung und Vertrieb von Computerspielen sind sehr lukrativ, und wir wollen in diesem Artikel auf einige führende Unternehmen dieser Branche eingehen. Der Umsatz dieser Unternehmen, deren führende Köpfe sehr öffentlichkeitsscheu sind, bewegt sich zwischen neun und elf Milliarden Dollar jährlich und übersteigt damit die Einnahmen aus dem Kinogeschäft. Mögen Namen und Werdegang der für diesen Wahnwitz Verantwortlichen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt werden, um ihnen das Leben etwas schwerer zu machen.
Ein gutes Beispiel ist das Unternehmen Midway Home Entertainment. Im Dezember 1999 - mehr als neun Monate nach dem Massaker an der Columbine Highschool in Littleton (US-Bundesstaat Colorado) - beschloß der Stadtrat von Chikago, dem Unternehmen mit 2 Mio. Dollar unter die Arme zu greifen, um es dazu zu bewegen, seine Unternehmenszentrale in der Stadt zu belassen.
Auf zwei besondere Aspekte dieser Absprache wurde in der Öffentlichkeit kaum eingegangen: Welche Produkte vertreibt Midway, und welche Geschäftsverbindungen hat das Unternehmen? Einige Zeitungen meldeten als Reaktion auf die von dieser "großzügigen Unterstützung" ausgelösten Proteste zwar, Midway habe das Computerspiel Mortal Combat entwickelt - ein Spiel, bei dem man seinem Widersacher lebenswichtige Organe aus dem Körper herausreißt - , aber es wurde verschwiegen, daß zum Verkaufsprogramm von Midway auch die Doom und Quake gehören, eben jene Egoshooter-"Spiele", mit denen sich die Mörder von Columbine und andere junge Killer die Fähigkeit antrainierten, gedankenlos zu töten.
Auf der Website von Midway findet man die folgende Reklame für Quake:
"Knall sie ab... Zerfetz' sie in Stücke... oder STIRB...
Das Spiel wird in einer internen Bewertung mit "M" bewertet, d.h. es soll erst für Personen im Alter von über 17 Jahren "geeignet" sein. Aber weltweit leben Millionen von Kindern und Jugendlichen in dieser höllischen Phantasiewelt.
Was sind das für Menschen, die bewußt alles daran setzen, Kinder in Verbrecher zu verwandeln? Die Antwort überrascht vielleicht nicht. Bei genauerem Hinsehen stellt man nämlich fest, daß das Unternehmen Midway Games rechtlich gesehen eine Fiktion ist. Unternehmenssprecher Patrick Fitzgerald erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur EIR am 12. April, Midway teile sich das Büro (in Chicago) mit seinem Mutterunternehmen WMS Industries und habe "vertragliche Verpflichtungen" mit WMS, das sich aber 1998 von Midway "getrennt" habe. Tatsächlich werden WMS wie auch Midway von der gleichen Gruppe kontrolliert.
WMS, auch als Williams Industries bekannt, ist einer der größten Hersteller von Glücksspielgeräten, wie sie in den amerikanischen Spielkasinos zu Hunderttausenden stehen. Fitzgerald erklärte weiter, als sich WMS von Midway trennte, habe das Unternehmen seine Anteile an Rennbahnen und Spielkasinos in der Karibik verkauft.
Gegenüber der amerikanischen Börsenaufsicht SEC erklärte Midway Games Inc. im Dezember 1999, Sumner Redstone gehörten 25,3% der Aktien des Unternehmens, und einem gewissen Neil D. Nicastro weitere 5,7% der Anteile. Nicastro ist zugleich Vorsitzender und Geschäftsführer von Midway. Sein Vater Louis J. Nicastro ist ebenfalls Direktor von Midway. Am selben Tag erklärte WMS Industries gegenüber der SEC, Sumner M. Redstone kontrolliere 23,4% der Anteile von WMS, WMS-Chef Louis J. Nicastro 24,9% und sein Sohn Neil D. Nicastro, der Midway-Boß, weitere 23,4% des Unternehmens.
Das persönliche Vermögen von Redstone von etwa 6,4 Mrd. Dollar katapultierte ihn vom 37. auf den 15. Platz der Rangliste der Superreichen in den USA, berichtete USA Today am 26. Januar 1999. Neben der Herstellung von Glücksspielautomaten und Mordsimulatoren besaß Redstone mtv, Paramount Pictures und Blockbuster Video. Ebenfalls zum Vorstand von Midway gehört William C. Bartholomay, ein Geschäftspartner des Medienmagnaten Ted Turner und Vorstandschef des Baseballvereins Atlanta Braves.
"Die Spieler erobern neue Territorien, zerschlagen Feinde und betrügen ihre Verbündeten in einem temporeichen, rücksichtslosen Streben nach Weltherrschaft" - Klingt das wie Werbung für ein Computerspiel oder wie Propaganda für das britische Empire oder Henry Kissinger?
Das von dem Unternehmen Hasbro vertriebene Spiel Risk II>P> wurde von früheren Mitarbeitern Hasbros in der britischen Firma Deep Red Games Ltd. entwickelt. Hasbro ist auch der offizielle amerikanische Vertreiber für Nintendo. Damit hat es maßgeblichen Einfluß darauf, in welchem Maße das Spiel Pokémon unter amerikanischen Grundschulkindern Verbreitung findet.
Zum Vorstand von Hasbro gehören Alan Batkin, stellvertretender Vorsitzender von Kissinger Associates Inc., Paul Wolfowitz, der frühere Staatssekretär im US-Verteidigungsministerium und nun die treibende Kraft im außenpolitischen Beratergremium des republikanischen Präsidentschaftsaspiranten George W. Bush, Marie José Kravitz, Direktorin des britischen Medienkartells Hollinger International, deren Ehemann Henry Kravitz maßgeblich für Ex-Präsident Bushs Aufstieg verantwortlich ist.
Zu Hasbro gehört auch das Unternehmen Avalon Hill, das mit als erstes Kriegsspiele zur Unterhaltung entwickelte. Der berüchtigte Gary Gygax arbeitete als Designer für Avalon Hill, bevor er sein eigenes Unternehmen aufmachte, um sich ganz der Entwicklung des mittelalterlichen Rollenspiels Dungeons & Dragons zu widmen.
1989 erklärte der damalige Avalon-Hill-Chef Eric Dott gegenüber EIR, sein Unternehmen habe militärische Simulationsübungen für "Oberste und höhere Dienstgrade" im Verteidigungsministerium abgehalten, weigerte sich aber, auf Einzelheiten einzugehen. Aus dem Umfeld von Gygax hieß es, die Regierung habe Avalon Hill mit einigem Argwohn betrachtet, das Unternehmen sei über Dinge informiert, "die es eigentlich nicht wissen sollte", hieß es. Dott erklärte dazu, die Bundespolizei FBI und der Geheimdienst hätten einige Male Fragen gestellt.
Ermittlungen von Sicherheitsbehörden zu Avalon Hill waren durchaus folgerichtig. An ihren Spielen, die an Wochenenden oft auf Treffen von Computerspiel-Freaks gespielt wurden, nahmen oft auch Offiziere und Soldaten der US-Armee teil. Worum ging es dabei? Auf die Frage nach dem politisch-militärischen Standpunkt von Avalon Hill, antwortete Dott: "Fast alle von uns sind Wehrdienstverweigerer aus Gewissensgründen." Hier sind also "Friedensbewegte" am Werk, die junge Menschen in virtuelle Kriege und Einzelkämpferszenarien verwickeln - und andererseits Konfliktsimulationen für das Verteidigungsministerium entwickeln.
Der Engländer Ian Livingstone, Gründer und Chef von Eidos, entwickelte das jetzt bereits in der vierten Generation herausgegebene "Actionspiel" Tomb Raider, das schon erwähnte Spiel Hitman sowie das Spiel Dieb II: das Metallzeitalter. In den Anleitungen zu diesem Spiel heißt es:
"Dir gehört die Nacht. Alles andere mußt du stehlen. - Du hast nur deine Tarnung, deine Geschicklichkeit und die Zeitspanne zwischen Dämmerung und Morgengrauen. Glücklicherweise ist das auch alles, was du brauchst, denn alles andere brauchst du nur aufzusammeln, solange du den patrouillierenden Wachen entgehst. Nutze den Schatten als Deckung. Achte auf die Stille deiner Schritte. Und verbringe einen schönen, ruhigen Abend im Haus eines anderen.
Der schwerreiche Livingstone verdiente in den 70er Jahren seine ersten Millionen als europäischer Verteiler für Dungeons & Dragons. Über die Jahre entwickelte sich eine enge Partnerschaft mit Clive Robert und Kevin Buckner, die beide für Hasbro arbeiten und selbst das Unternehmen Deep Red Games Ltd. gründeten, wo Risk II entwickelt wurde.
1999 zahlte das Unternehmen Acclaim Entertainment Inc. seinen beiden gemeinsamen Geschäftsführern Gregory E. Fischbach und James R. Scoroposki 2 Mio. bzw. 1,6 Mio. Dollar - der Präsident Rodney Cousens erhielt sogar 3,75 Mio. Dollar ausgezahlt. Dieses Blutgeld erhielten sie für die Entwicklung des äußerst brutalen Catcher-Computerspiels Hard Core Revolution. Werbung für dieses Spiel wurde als zu gewalttätig aus verschiedenen Zeitschriften wieder entfernt.
Ein anderes Softwarehaus - Activision - verkauft das Computerspiel Soldier of Fortune. Hier lernen die Kinder, als Auftragskiller für Geheimdienste und andere in Afrika oder Asien tätig zu sein.
"Du bist der weltweit tödlichste Söldner, und dein Auftrag ist klar: Überleben. Deine Jagd führt dich in zahlreichen Geheimaufträgen über die ganze Welt, um eine fanatische Terrororganisation zu zerschlagen - bevor sie dich erwischt. Behalte deine Tarnung als verdeckter Kämpfer... versteckte Sabotage... getarnte Mordanschläge... direkte Frontalangriffe, bei denen deine Fähigkeiten den Unterschied zwischen Jäger und Gejagtem ausmachen. Willkommen in der geheimen Welt der Söldner."
Dieses Egoshooter-Spiel von Activision wurde von Robert K. Browns Magazin Soldier of Fortune entwickelt. Brown war daran beteiligt, Exilkubaner vor der Ermordung Kennedys gegen den Präsidenten aufzustacheln. Sein Magazin wurde mit finanzieller Unterstützung britischer Sondereinheiten gegründet, die versuchten, auf diesem Wege amerikanische Söldner für Kämpfe in Afrika zu gewinnen. Später beteiligte sich Soldier of Fortune daran, Separatisten und private Milizen zu Provokationen gegen Präsident Clinton aufzuhetzen.
Um Computerspielehersteller und -entwickler vor den oft zwangsläufigen Gerichtsprozessen zu schützen, sind deren Direktoren häufig selbst Rechtsanwälte. So auch Harold A. Brown von Activision. Er ist Seniorpartner in der Kanzlei Gang, Tyre, Ramer & Brown und zugleich Geschäftsführer des Instituts für Unterhaltungsrecht an der Universität von Südkalifornien (USC). Im vergangenen Jahr gab die Armee bekannt, der USC 45 Mio. Dollar zur Verfügung zu stellen, um ein Institut für virtuelle Realität einzurichten, wo private Designer mit dem Militär zusammenarbeiten könnten, um gemeinsam noch "bessere" kommerzielle Computerspiele, aber auch Material zur Ausbildung von Soldaten entwickeln zu können. Dieses Vorhaben wurde bis zur Pressekonferenz des Armeeministers an der USC am 18. August 1999 geheimgehalten.
Spekulanten, die noch vor kurzem die Aktienkurse von Herstellern satanischer Computerspiele in die Höhe trieben, haben dies jetzt aufgegeben und einige dieser Firmen in arge Bedrängnis gebracht.
In den letzten vier Monaten haben die Aktien von Midway Games mehr als zwei Drittel ihres Marktwertes eingebüßt. Als der Stadtrat von Chikago im Dezember 1999 dem Unternehmen 2 Mio. Dollar zur Verfügung stellte, wurden die Midway-Aktien für einen Stückpreis von 24 Dollar gehandelt. Am 18. April fiel der Wert auf weniger als 7 Dollar. Acclaim fiel von 8 Dollar im letzten Oktober auf 2,25 Dollar am 18. April. Und Activision sackte von etwa 17 Dollar im Februar auf 6,31 Dollar ab. Electronic Arts halbierte seinen Börsenwert, und Hasbro fiel von 36 Dollar pro Aktie vor einem Jahr auf 16 Dollar.
Anton Chaitkin