Aus der Neuen Solidarität Nr. 30/2000:


Mörderische Planspiele der Elite
für die Zeit des Finanzkrachs


Die Zerstörung Afrikas
Weltweite Finanz-Kernschmelze

Vom 12.-13. Juli veranstaltete der Council on Foreign Relations (CFR) auf seinem exklusiven Anwesen im New Yorker Stadtteil Manhattan eine Konferenz zum Thema "Die nächste Finanzkrise: Warnzeichen, Schadensbegrenzung und Auswirkungen". Die Konferenz befaßte sich mit der Wahrscheinlichkeit eines globalen Finanzkrachs und wie vom Standpunkt der herrschenden Finanzoligarchie darauf zu reagieren sei. 250 Bankiers, Investoren, Manager und Politiker - die meisten aus den USA und einige aus Europa - nahmen an der Veranstaltung teil.

Im Mittelpunkt stand das 1999 unter Leitung des Wallstreet-Bankiers Roger Kubarych ins Leben gerufene sog. "Projekt finanzielle Verwundbarkeit" des CFR. Während die amerikanische Regierung und andere nach außen hin die Segnungen der New Economy und die wiedergewonnene "Stabilität" des Weltfinanzsystems preisen, hat dieses Gremium bereits mehrere Treffen und virtuelle Planspiele über eine weltweite finanzielle Kernschmelze abgehalten.

Auf der New Yorker CFR-Konferenz zeichnete sich noch ein weiterer Punkt ab, der für das Denken des CFR typisch ist: die erklärte Politik, viele Millionen Afrikaner an AIDS sterben zu lassen, indem man ihnen angemessene medizinische Behandlung verweigert. Ein Teilnehmer erklärte ganz unverblümt: "Die an AIDS erkrankten Afrikaner sollten schnell sterben."

Der CFR wurde 1921 als führendes politisches Vehikel der anglo-amerikanischen Finanzoligarchie gegründet. Ein erheblicher Teil der offiziellen Politik Washingtons wird vom CFR und seinen Kreisen bestimmt. Diese Konferenz machte auch deutlich, wie sehr das Denken des CFR und der amerikanischen politischen Führungselite im Zuge der letzten 20 Jahre weiter degeneriert ist. Die Weltfinanzkrise wurde zwar oft zutreffend beschrieben, aber es gab niemanden, der irgendeine vernünftige Lösung vorlegte.

Die Zerstörung Afrikas

Der Szenarienspezialist Peter Schwartz sprach sich auf der Konferenz unverhohlen dafür aus, viele Millionen Menschen in Afrika einfach sterben zu lassen. Schwartz leitete zwei Konferenzsitzungen zum Thema "Szenarienplanung und Simulation", und ein Kapitel über Kriegssimulation aus seinem jüngsten Buch Die Kunst des langfristigen Ausblicks wurde vom CFR für die Simulation einer finanziellen Kernschmelze benutzt.

Schwartz leitete früher die Abteilung für Szenarienplanung beim Energiemulti Royal Dutch Shell, eine Schlüsseleinrichtung der britischen Oligarchie. Er ist Gründer der Zeitschrift Wired und des Global Business Network, dem er immer noch vorsteht; beide Institutionen gehören zur Speerspitze der Bewegung für eine New Age-New Economy.

Am 13. Juli kam es zu folgendem Wortwechsel zwischen Schwartz und dem Autor dieses Artikels:

"Gestern erklärten Sie bei einer Sitzung der Konferenz, die von Ihnen geleitet wurde, man solle die Menschen, die in Afrika an AIDS erkrankt sind, nicht leben lassen. Sie schreiben einen Teil der Bevölkerung dieses Kontinents einfach ab."

Schwartz: "Ich habe 1986 dazu eine Studie für AT&T, Royal Dutch Shell und Volvo gemacht. Wir kamen zu dem Schluß, daß man Menschen in Afrika, die an AIDS erkrankt sind, nicht am Leben erhalten sollte. Sie verbreiten die Krankheit weiter. Sie sollten lieber schnell sterben." Dann fügte er etwas halbherzig hinzu, diese Studie sei nur eine "intellektuelle Übung" gewesen.

"Warum sollen die AIDS-Kranken nicht unter menschenwürdigen Bedingungen leben, an Orten, wo sie die Krankheit nicht weiterverbreiten können?"

Schwartz (schnell): "Konzentrationslager."

"Ich spreche von anständigen Einrichtungen, wo Menschen leben und eine spezielle Diät erhalten, die ihnen z.B. eine 50 Prozent höhere Versorgung mit Proteinen garantiert."

Schwartz: "Konzentrationslager."

"Konzentrationslager sind Orte, wo Menschen bis zum Umfallen arbeiten mußten und dann vergast wurden."

Schwartz: "Je nun. Jedenfalls war die Pest sehr gut - sie hat die Menschen gleich getötet."

Schwartz bezog dann Robert Hormats, den früheren Staatssekretär für Wirtschaftsfragen im US-Außenministerium, in den Wortwechsel ein. Hormats leitet heute die internationale Abteilung der Investmentbank Goldman Sachs und ist ein wichtiger Mann in Al Gores Wahlkampfteam. Nachdem Schwartz mehrfach darüber ausgelassen hatte, man müsse die AIDS-Kranken in Afrika schneller "loswerden", sagte Hormats unverblümt: "Das ist nur natürliche Selektion." Schwartz strahlte angesichts dieser erschreckenden Schlußfolgerung.

Schwartz und Hormats befinden sich damit auf der gleichen völkermörderischen Linie wie Lord Bertrand Russell, der 1951 laut darüber räsonierte, daß sich ein bakteriologischer Krieg sehr gut dazu eigne, die Welt von nicht-weißen Menschen zu "befreien" (Zitat auf Seite 2 in der letzten Ausgabe der Neuen Solidarität).

Weltweite Finanz-Kernschmelze

Diese CFR-Konferenz zur "nächsten Finanzkrise" war die dritte Veranstaltung einer Reihe des "Projekts finanzielle Verwundbarkeit".

Bereits am 29. September letzten Jahres hatte die erste Veranstaltung stattgefunden. Zum Inhalt hieß es damals: "Wir gehen von der Überlegung aus, daß ein starker Einbruch auf dem amerikanischen Wertpapiermarkt, der dann weltweite Finanzturbulenzen auslöst, wahrscheinlich die stärkste Bedrohung für eine amerikanische Weltführung darstellt. Vermutlich würde dies die amerikanische Wirtschaft völlig lahmlegen."

Am 22. Januar folgte dann eine CFR-Tagung, auf der eine solche Finanz-Kernschmelze in einer acht Stunden langen Simulation als "Sandkastenspiel" durchgespielt wurde. Das Szenario spielte in einem Zeitraum von zwei Wochen im Juli 2000. Teil des Planspiels war ein Putsch gegen den Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Das CFR versammelte dazu 75 hochkarätige Personen, u.a. Bankiers und frühere Finanzminister, in seinem Hauptquartier. Die Teilnehmer wurden in vier Gruppen aufgeteilt und in vier verschiedenen Räumen untergebracht, wo sie untereinander und mit einem imaginären Hauptquartier Kontakt halten konnten. Jede Gruppe bearbeitete einen besonderen Bereich: 1. währungstechnische und finanzielle Aspekte (die Gruppe übernahm praktisch die Funktion des Vorstands des US-Notenbank Federal Reserve); 2. Wirtschaft und Handel (entspricht der Rolle des Finanzministeriums); 3. Regulationsmechanismen und 4. nationale Sicherheit.

Die Teilnehmer sahen sich mit dem Zusammenbruch verschiedener Märkte konfrontiert, wobei die Intensität der Crashs innerhalb der acht Stunden zunahm. Elemente der Simulation waren: ein schrittweiser Absturz des Dow Jones von 10000 auf 7100 Punkte, ein rasanter Anstieg des Erdölpreises auf 36 Dollar pro Barrel, ein starker Kursverlust des Dollar gegenüber Euro und Yen und eine heftige Erschütterung der Derivatmärkte, die Einstellung der ukrainischen Zahlungen an russische Erdölkonzerne, was die Gefahr einer russisch-ukrainischen Konfrontation heraufbeschwor usw.

Auf der jüngsten Konferenz wurden nun die Ergebnisse der Simulation bekanntgegeben. Besonders schockierend war dabei die Meldung, daß die Simulation mit einem Putsch gegen den Präsidenten der Vereinigten Staaten begann.

Der frühere US-Botschafter in Mexiko James Jones, der in dem Planspiel die Rolle des Nationalen Sicherheitsberaters hatte, berichtete am 12. Juli über eine besonders kritische Phase der Simulation: "Wir nahmen an, daß der Präsident der Vereinigten Staaten nicht in der Lage wäre, seine Amtsgeschäfte zu führen. Wir mußten daher entscheiden, ob wir ihm einen Teil seiner Amtsgewalt entziehen sollten."

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Simulation betraf das weitere Vorgehen gegenüber den Finanzmärkten. Der Mann, der die Rolle des stellvertretenden Federal Reserve-Chefs übernommen hatte, berichtete: "Wir hielten die wichtigen Märkte offen und ließen andere untergehen. Wir senkten die Zinsen und führten Liquidität zu. Wichtig war vor allem, den Anschein von Zuversicht zu erwecken."

Sowohl die Konferenz als auch die Simulation vom Januar zeigen, daß die Finanzoligarchie Vorbereitungen für eine Situation trifft, die alles andere als "unbegrenzte Prosperität" bedeutet, auch wenn die Medienpropaganda das Gegenteil behauptet.

Richard Freeman