Zum einen gibt es zu diesem Zeitpunkt - zwei Wochen nach dem Absturz - noch keine befriedigende Erklärung dafür, was geschehen ist. Verschiedene Faktoren sind bekannt, aber ihr Zusammenhang und die Chronologie der Ereignisse bleibt rätselhaft. Was die "Abfolge der Ereignisse" auslöste, bleibt nach allem, was gesagt wurde, definitiv ungeklärt.
Zweitens geschah der Absturz in einem geschichtlichen Moment, an dem die französische Elite die anglo-amerikanische Oligarchie in vielen Bereichen herausfordert. Man vergesse nicht das "Nein" des französischen Außenministers Hubert Védrine auf der "Weltdemokratiekonferenz" in Warschau zu den Plänen der amerikanischen Außenministerin Madeleine Albright, die "Demokratie" zur Erpressung von Nationalstaaten zu mißbrauchen.
Die Oligarchie antwortete mit bösartigen Angriffen auf die französische Regierung im Wall Street Journal und aus dem Munde der ehemaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher am Hoover-Institut im kalifornischen Stanford, wo sie vehement Frankreichs "Grandeur-Illusionen" attackierte. Dabei sollte bedacht werden, daß gerade die Concorde das Symbol für französische Unabhängigkeit und Grandeur ist. Wenn daher diesem Flugzeug ein Unglück zustößt, könnte dies so aufgefaßt werden, als wollte hier jemand Frankreich "eine Lektion erteilen".
Diese Hypothese ist nicht aus der Luft gegriffen, wenn wir bedenken, daß wir uns in keiner normalen geschichtlichen Periode befinden, sondern genau an dem Punkt, an dem das internationale Finanz- und Währungssystem kollabiert. Selbst der ehemalige Chef des Internationalen Währungsfonds Michel Camdessus gestand ein, daß uns "eine Katastrophe erwartet", wenn wir nicht schnell für einen tiefgreifende Kurswechsel sorgen. Unter solchen Bedingungen hat die anglo-amerikanische Oligarchie die Angewohnheit, "Botschaften" an jene zu versenden, die ihre Diktatur herausfordern - wie in der Vergangenheit mit der Ermordung des deutschen Bankiers Alfred Herrhausen am 30. November 1989.
Sowohl der ehemalige Concorde-Testpilot André Turcat als auch die mit der Untersuchung beauftragten Experten der französischen Zivilluftfahrt betonen, es sei zu früh, "um die Theorie eines Bombenanschlags kategorisch abzulehnen" oder von vornherein auszuschließen. Ich bin zuversichtlich, daß die Sonderkommission, die den Unfall untersucht, mit Unterstützung der französischen Regierung ihre Arbeit sorgfältig tun wird.
Jacques Cheminade,
Präsident von Solidarité et Progrès