Aus der Neuen Solidarität Nr. 32/2000:


Wurde der Concorde-Absturz
durch eine Bombe ausgelöst?


Der Le Monde-Bericht
Turcats Argumente

Zwei andere ungeklärte Abstürze

Die wichtigste Zeitung Frankreichs, Le Monde, enthüllte am 2. August auf der Titelseite: Der Absturz des Concorde-Fluges Air France 4590 am 25. Juli könnte durch eine Bombe ausgelöst worden sein. Mehr noch, die bekannten Fakten über den Absturz lassen sich mit der Bombentheorie weit besser erklären als mit allen bisherigen Unfallszenarien.

Damit stellt sich die Frage, wer hinter einem solchen Anschlag stecken könnte. Sollten mächtige anglo-amerikanische Interessen, denen die eigenständige französische Politik der letzten Monate ein Dorn im Auge ist, ein schauerliches Exempel statuiert haben, um Frankreich und anderen Nationen zu drohen, angesichts des Zusammenbruchs des Weltfinanzsystems nicht aus der Reihe zu tanzen? Wer sonst außer der britisch-amerikanischen Commonwealth-Machtgruppe (BAC) hat genug Einfluß, einen solchen Anschlag zu befehlen und hinterher dafür zu sorgen, daß er vertuscht wird (indem z.B. die internationalen Medien die Möglichkeit eines Anschlags stillschweigend ausschließen)? Daß sich unter den 114 Opfern hundert Deutsche befanden, nährt den Verdacht, daß hier das deutsch-französische Bündnis getroffen werden sollte.

Le Monde zitiert den früheren Concorde-Testpiloten André Turcat: "Ein Terroranschlag sollte nicht a priori ausgeschlossen werden." Doch außerhalb Frankreichs kommt dies nicht zur Sprache, ebensowenig wie eine andere wichtige Tatsache: Staatspräsident Jacques Chirac hat die Katastrophe mit eigenen Augen gesehen. Seine Maschine, mit der er gerade vom Gipfel der G-8 aus Tokio zurückgekehrt war, war nur Minuten vor dem Absturz des gefeierten Symbols französischer Technik gelandet. Chirac gab auch persönlich die Anweisung, den Betrieb der Concorde vorläufig einzustellen.

Der Le Monde-Bericht

Le Monde berichtet in zwei Artikeln zu dem Thema. Der erste berichtet über die erste Sitzung der vom Generalinspekteur der zivilen Luftfahrtbehörde Alain Monnier geleiteten Untersuchungskommission am 1. August in Paris. Am Ende des Treffens erklärte Monnier, alle Spekulationen in der Presse seien eben das: Spekulationen. Er erklärte, die Behörden seien "nicht in der Lage, auch nur ein minimales Szenario auszuarbeiten", um den Absturz zu erklären. "Eine Untersuchung wie die der Concorde wird ein Jahr Arbeit erfordern."

Die Kommission berichtete, was bislang festgestellt wurde und was sie noch herausfinden muß. Bekannt ist:

  1. Während des Starts explodierten ein oder zwei Reifen auf der linken Seite.

  2. Der Treibstofftank wurde beschädigt und leckte.

  3. Triebwerk Nummer 2 fiel völlig aus.

  4. Triebwerk Nummer 1 erlitt einen beträchtlichen Leistungsabfall.
Monnier betonte, man könne zum jetzigen Zeitpunkt weder die Chronologie der Ereignisse bestimmen noch deren Ursache ermitteln.

Allerdings hat die Kommission den Szenarien, die in den letzten zwei Wochen in den Medien verbreitet wurden, damit praktisch jetzt schon den Boden entzogen. Man las Thesen wie die, daß platzende Reifen und zerbrechende Magnesiumfelgen Löcher in den Tank im vorderen Bereich des Flügels rissen und sich bei der Zündung der Motoren beim Abheben der austretende Treibstoff entzündete. Oder es hieß, die Rad- und Reifenteile wurden von den Triebwerken angesogen, beschädigten diese und zerstörten das Fahrgestell. Die Theorie vom geplatzten Reifen wurde insbesondere von US-Medien verbreitet, die sich auf amerikanische Luftfahrtexperten beriefen.

Die französischen Ermittler bieten keine Erklärung, stellen aber einige offensichtliche Fragen:

  1. Warum platzte der Reifen? Nichts beweist, daß ein geplatzter Reifen die Kette der Ereignisse auslöste oder auch nur ein Teil der eigentlichen Unglücksursache war. Ein Reifen kann aus ganz unterschiedlichen Gründen platzen: blockierende Bremsen, ungenügender Luftdruck oder - ganz anders - herumfliegende Metallsplitter von Tank oder Flügel. In letzterem Falle, so die Kommission, sei die Ursache für die Kettenreaktion an anderer Stelle zu suchen.

  2. Warum versagte das Triebwerk? Möglicherweise gerieten Teile des Reifens oder des Flügels oder auch ein großer Vogel hinein. Auch die Treibstoffversorgung könnte unterbrochen worden sein, oder die beschädigten Tanks waren leer. Die Triebwerke selbst wurden jedenfalls nicht zerstört, wie teilweise vermutet wurde, denn es fanden sich keine Triebwerksteile auf dem Rollfeld.

  3. Wie brach das Feuer an der Tragfläche aus? In den Medien hieß es, die Nachbrenner des Triebwerks hätten den Brand ausgelöst, aber dazu hätte sich das Feuer nach vorne ausbreiten müssen, denn das Loch in den Tragflächentanks lag weit vor den Düsen und auch vor dem Fahrgestell. Das Flugzeug bewegte sich mit über 400 km/h, wodurch es den Flammen unmöglich wäre, sich nach vorne zu fressen.
Die Kommission will alle Möglichkeiten in Betracht ziehen. "Im Augenblick haben wir keinen Anlaß, der Hypothese eines Terroranschlags Glauben zu schenken, aber es ist zweifellos zu früh, sie kategorisch auszuschließen", erklärte sie vorsichtig.

Turcats Argumente

Gleich darunter veröffentlichte Le Monde ein Interview mit dem ehemaligen Testpiloten der Concorde André Turcat unter der @u: "Selbst wenn die Wahrscheinlichkeit gering ist - die Hypothese eines Terroranschlags sollte nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden."

Turcat zieht einige offensichtliche Schlußfolgerungen aus dem Bericht der Kommission. Beispielsweise zur Theorie des geplatzten Reifens: "Die austretenden Teile müßten eine Menge Energie besitzen." Weiter sagt er: "Ein Foto zeigt die Löcher, wo der Treibstoff austrat, weit über den Motoren. Wenn ein Flugzeug sich mit 400 km/h bewegt, ist der Luftstrom sehr mächtig, und wenn das Feuer durch die Nachverbrennung an der Rückseite des Nachbrenners gezündet wird, frage ich mich, wie die Flamme bis zum Tank vordringen konnte. Der Einschlag des Reifens, der das Leck verursachte, kann nicht den Ausbruch des Feuers am Treibstofftank erklären. Die Ursache für die Zündung des Kerosins muß also durch die Ermittlungen geklärt werden."

Zur Frage, warum das Triebwerk abschaltete, meint Turcat: "Vielleicht dachte der Pilot, als der Tower ihm Alarm gab, daß es brenne, und entschied sich, es abzustellen." Die Ursache des Leistungsabfalls in beiden Triebwerken könnte aber auch "eine Unterbrechung im Steuer- und Kontrollsystem des Motors oder der Treibstoffzufuhr" gewesen sein. Turcat sagt dann unumwunden: "Diese Abfolge von Ereignissen könnte auch durch eine Sprengladung in der Landevorrichtung verursacht worden sein."

Le Monde fragt daraufhin: "Sie schließen die Möglichkeit eines Terroranschlags nicht aus?" Turcat antwortet darauf diplomatisch: "Die Hypothese ist nicht sehr wahrscheinlich, sollte aber nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden."

Zwei andere ungeklärte Abstürze

Wir sprachen darüber mit einem amerikanischen militärischen Luftfahrtexperten mit jahrelanger Erfahrung mit Überschallflugzeugen, der diese Argumente bekräftigte. Auch er betonte, daß ein Feuer am Treibstofftank nur am Tank selbst ausbrechen kann. In dieser Hinsicht ist Turcats Bombenthese eindeutig.

Vielleicht wurde eine Bombe in dem Schacht angebracht, in den sich das Fahrgestell einklappt. Der Platz dort wäre ausreichend für einen kleinen Sprengsatz an einer Zwischenwand, die an den Treibstofftank vom Inneren der Tragfläche angrenzt. Eine solche Explosion hätte den Tank von innen durchlöchert, das Feuer ausgelöst, den Reifen platzen lassen und die Treibstoffzufuhr oder Steuerung der Triebwerke zerstört. Damit ließe sich auch erklären, daß neben weißem auch schwarzer Rauch auftrat, der von austretendem brennendem Hydrauliköl aus den Hydrauliksystemen des Flugzeugs, speziell im Fahrwerk, stammen könnte. Der Motorausfall in der kritischen Startphase hätte die Maschine manövrierunfähig gemacht und zum Absturz geführt.

Zu beachten sind auch gewisse Parallelen zu zwei unaufgeklärten Flugzeugabstürzen der letzten Zeit. Zum einen der Swissair-Flug 111 am 2. September 1998, auf dessen Passagierliste der abtrünnige britische MI-6-Geheimagent Richard Tomlinson stand, der den Flug aber verpaßte. Die Maschine stürzte ab. Die Ursache dieses Absturzes war ein starkes Feuer, das plötzlich im Cockpit ausbrach und sich in dieser Stärke nur durch eine Brandbombe erklären läßt. Der zweite Absturz ereignete sich beim EgyptAir-Flug 990 am 31. Oktober 1999, bei dem die Maschine ganz unvermittelt vom Himmel fiel und 250 Passagiere, darunter 33 hohe ägyptische Offiziere, umkamen.

Beide Flüge starteten vom New Yorker Flughafen, der bezüglich der Sicherheit einen sehr schlechten Ruf hat. Auch die in Paris abgestürzte Concorde kam gerade aus New York und sollte dorthin zurückfliegen. Es wäre denkbar, daß in New York eine Bombe montiert wurde.

Eine zweite Parallele betrifft die Berichterstattung. Erstens wurde in allen Fällen die Möglichkeit der Sabotage massiv heruntergespielt oder ignoriert. Zweitens waren es jedesmal Experten der US-Luftfahrtbehörde, die unglaubwürdige Erklärungen verbreiteten wie: daß der Swissair-Pilot in Panik geraten sei und daß der EgyptAir-Pilot Selbstmord begangen habe. Die gleichen Stellen vertreten jetzt die "Reifenthese".

Man kann davon ausgehen, daß die Veröffentlichung in Le Monde mehr oder weniger offiziell sanktioniert war. Es besteht Hoffnung, daß Frankreich sich nicht durch Terror von seiner strategischen Politik abbringen lassen wird.

Dean Andromidas