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Aus der Neuen Solidarität Nr. 33 vom 15. August 2001:

US-Klonverbot höchstens ein Signal


Offene Provokation

Die Klonpropaganda bei einer Konferenz der amerikanischen Akademie der Wissenschaft ist eine offene Provokation.

Als das amerikanische Repräsentantenhaus am 31. Juli ein weitgehendes Verbot sämtlicher Klonierungsexperimente mit menschlichen Zellen beschloß, rutschten die Kurse fast aller US-Biotech-Firmen in den Keller. "Geron" verlor 12%, "StemCells" gar 16%. Der Beschluß der unteren Kammer des US-Kongresses legt fest, daß nicht nur das sogenannte "therapeutische Klonen", das zur Vermehrung embryonaler Stammzellen unverzichtbar ist, untersagt ist, sondern daß auch keine Medikamente eingeführt werden dürfen, bei deren Entwicklung menschliche Zellen geklont wurden - was nach dem deutschen Embryonenschutzgesetz sogar zulässig wäre. Diese deutliche ethische Aussage gerade in Amerika kam überraschend, nachdem private Forschungslabors in jüngster Zeit mit umstrittenen Klonierungsexperimenten auf sich aufmerksam gemacht hatten. Bei näherem Hinsehen zeigt sich jedoch, daß die Kursverluste der Biotech-Firmen wohl eher dem allgemein hochlabilen Zustand der Aktienmärkte zuzuschreiben sind.

Der Beschluß des Repräsentantenhauses ist ein Signal, mehr jedoch nicht. Amerika ist damit keineswegs zum Vorreiter eines verantwortungsvollen Umgangs mit dem menschlichen Leben geworden. Einmal ist fraglich, ob der Senat nach der Sommerpause die Vorlage bestätigen wird, und zum anderen ist es im politischen System der USA recht einfach, mit Präsidialdirektiven oder anderen Weisungen Ausnahmeregelungen zu schaffen, die die bestgemeinten Gesetze umgehen.

In gewisser Weise stört der Beschluß die Aktivitäten der Biotech-Firmen kaum, da sich spätestens seit dem Klonschaf Dolly gezeigt hat, daß Klonen eine höchst ineffektive und risikobelastete Methode ist. Die Industrie hat vor allem die sogenannten embryonalen Stammzellen im Visier, die nun durch "therapeutisches Klonen" nicht mehr gewonnen werden dürfen; zum gleichen Zweck aber könnten eingefrorene Embryonen verwendet werden, die in Fruchtbarkeitskliniken in fast unbegrenzter Zahl verfügbar sind. Ohnehin bedienen sich die US-Forscher auch bisher schon aus diesem "Embryomaterial", das bei allen künstlichen Befruchtungen entsteht.

Anders als in Deutschland, wo nach künstlicher Befruchtung entstandene Embryonen unter das Embryonenschutzgesetz fallen und deshalb hier die Gewinnung von Stammzellen daraus nicht erlaubt ist, gibt es in den USA diesbezüglich kaum Restriktionen. Wenn somit nicht zusätzlich zum Klonverbot auch dem deutschen Embryonenschutzgesetz entsprechende Vorschriften erlassen werden, dürfte sich für die bioforschende Industrie in Amerika nichts Grundlegendes ändern.

Im übrigen sind die Biotech-Firmen international so eng vernetzt, daß entsprechende "anstößige" Forschungen leicht in solche Länder verlagert werden können, wo weniger restriktive Regelungen herrschen. Das wären vor allem Länder des British Commonwealth wie Großbritannien, Australien und Neuseeland.

Offene Provokation

Daher kam es kaum überraschend, als am 7. August die Reproduktionsmediziner Antinori und Zavos auf einer offiziellen Veranstaltung der amerikanischen Akademie der Wissenschaften in Washington ankündigten, in Kürze menschliche Klone herstellen zu wollen. Es war allerdings eine offene Provokation, als auf der gleichen Veranstaltung auch die Oberpriesterin der Raelianer-Sekte Brigitte Boisselier ihre hirnrissigen Pläne zum Klonen von 200 menschlichen Embryonen vorstellen konnte. Die Provokation bestand nicht so sehr in den Plänen selbst, die schon einige Zeit öffentlich kursieren, sondern in der Anmaßung gegenüber den anwesenden Wissenschaftlern.

Das moralische Versagen dieser Forscher angesichts der bioethischen Kaltschnäuzigkeit der Reproduktions-"Pioniere" war das eigentlich Erschreckende an dieser Veranstaltung. Haben sie keine klaren Kriterien mehr, wo die Wissenschaft aufhört und die Perversion beginnt? Der Hinweis darauf, daß das Klonen von Menschen nicht ganz so einfach und die Mißbildungsrate wahrscheinlich erschreckend hoch sein werde, ist angesichts der Ungeheuerlichkeit dieses Unterfangens ziemlich schwach und für Antinori & Co. von wenig Belang.

Muß es erst kirchlichen Vertretern wie dem Kurienkardinal Ratzinger überlassen bleiben, den Klon-Ärzten vorzuhalten, daß sie in den Fußstapfen Adolf Hitlers wandeln? Eine internationale Ächtung von Ländern, die das Klonen von Menschen erlauben, wäre das Mindeste, was von politischer Seite geschehen müßte, um das Abgleiten der Menschheit in die Barbarei zu stoppen.

wol

 

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