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Lyndon LaRouche wertet die jüngsten Schritte Rußlands zur Einführung der Goldwährung Tscherwonets als historischen Wendepunkt von weltweiter Bedeutung - vor allem angesichts der dramatischen Verschlechterung der Wirtschaftslage in den USA.
Wie die Leser dieser Zeitung wissen, führen Lyndon LaRouche und seine Mitarbeiter seit geraumer Zeit, und verstärkt seit Beginn diesen Jahres, einen intensiven Dialog mit russischen Experten über den Weltfinanzkollaps und Möglichkeiten für eine Neuordnung des Währungssystems (siehe dazu auch die Zeittafel auf Seite 4). Es ist nun offensichtlich, daß diese Erörterungen die Währungspolitik der Regierung unter Präsident Putin mitprägen.
Einige der jüngsten Entwicklungen:
2. Am 25. August entschied die Moskauer Regierung überraschend, die Ausfuhr von Gold und anderen Edelmetallen drastisch zu beschränken; dies wird wahrscheinlich bis zum kommenden Februar so bleiben.
3. Berichten zufolge hat die Zentralbank in den letzten Monaten ihre Goldlager aufgestockt und so das Verhältnis zwischen Gold- und Devisenreserven erheblich erhöht.
4. Man diskutiert international verstärkt über die Möglichkeit, dem Gold wieder wie früher eine zentrale Funktion im Währungssystem zu geben - ziemlich genau 30 Jahre nach der Abkopplung des Dollars vom Gold, die den Weg für die größte Spekulationsblase der Weltgeschichte ebnete.
Zur Erinnerung: Das alte Bretton-Woods-Abkommen verwendete Goldreserven zur Stützung des Dollarwertes und als Unterstützung im internationalen Zahlungsverkehr. Aber seit 1971 und vermehrt in den letzten 15 Jahren hat die anglo-amerikanische Währungspolitik die Bedeutung des Goldes radikal herabgesetzt und sogar eine drastische Absenkung des Goldpreises gefördert.
Jetzt gibt es Anzeichen für einen Fraktionskampf in der Finanzelite über diese Frage. So erklärte Prof. Rüdiger Dornbusch am 28. August in einem Artikel in der Londoner Financial Times, Gold werde in der Zukunft keine wesentliche Rolle im Weltwährungssystem mehr spielen, woraufhin die FT am nächsten Tag einen polemischen Leserbrief des Vorsitzenden des Londoner Weltgoldrates Haruko Fukuda abdruckte, der schrieb: "Gold hat seit Jahrtausenden eine Bedeutung für die Währung, wogegen das gegenwärtige Währungssystem nur 30 Jahre alt ist." Das 1971 eingeführte System der freien Wechselkurse sehe heute "sehr problematisch" aus, so Fukuda.
Zwar sind bisher nur wenig Tscherwonets in Umlauf, und auch nur in Rußland, dennoch hätte man auch im Ausland erkennen müssen, daß es potentiell ein umwälzendes Ereignis ist, wenn eine der großen Nationen der Welt inmitten akuter weltweiter Währungsunsicherheiten eine goldgedeckte Währung einführt. Das wurde auch in zahlreichen Artikeln in russischen Medien betont.
So widmete die Zeitung Kommersant am 23. August die gesamte Titelseite ihrer Monatsbeilage dem neuen Goldrubel. Dort heißt es, wegen der "Krisentendenzen auf den Weltfinanzmärkten und pessimistischen Prognosen zum US-Dollar" rechne die russische Regierung mit einem Anstieg des Weltgoldpreises. Die halbamtliche Internetseite strana.ru bezog sich am 29. August auf diesen Kommersant-Artikel und schrieb dort unter der Überschrift "Ersetzt der Tscherwonets den Dollar?": "Der Tscherwonets hat einen neuen Status erhalten - er ist jetzt ein Finanzinstrument, das theoretisch eine gleichwertige Alternative zum US-Dollar werden könnte. Bis vor kurzem waren russische Goldmünzen nur interessant für Sammler und für Regierungsleute, die die Russen davon überzeugen wollen, daß man zum Goldstandard zurückkehren muß. Heute aber könnten sie eine vollwertige Währung werden, die man für persönliche Ersparnisse verwenden kann." Es wird angemerkt, daß russische Geschäfte ihre Preise jetzt auch in Tscherwonets auszeichnen können.
Ein anderes Beispiel ist ein Artikel von Georgij Osipow in der Iswestija vom 27. August mit der Überschrift "Bushs Alptraum". "Die russischen Währungsbehörden haben offenbar mit der Entdollarisierung der Wirtschaft begonnen", heißt es dort. Der Dollar erhielt seinen Status im gegenwärtigen Finanzsystem nach der Abkopplung vom Gold - der Aufgabe eines "Grundprinzips der Bretton-Woods-Konferenz", schreibt Osipow. Seit 1971 beruhte unser "grüner Freund" auf "dem Vertrauen in Gott, so wie es auf den Banknoten geschrieben steht, und auf dem Glauben an die Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft. Aber dafür sind die Aussichten jetzt sehr zweifelhaft."
Daher ergriffen russische Banken nun Maßnahmen, um bei ihren Geldgeschäften zunehmend den Dollar zu ersetzen, fährt Osipow fort. In den ersten fünf Monaten des Jahres nahmen die von russischen Banken vergebenen Rubel-Kredite um 23,7% zu, die Devisenkredite dagegen nur um 15,1%. Die staatliche Sparkasse Sberbank bietet ihren Kunden an, Eurokonten zu eröffnen oder Dollarkonten innerhalb von Stunden in Eurokonten umzuwandeln.
Ein russischer Finanzexperte sagte dazu in einem Hintergrundgespräch, Rußland blicke auf "eine Geschichte erfolgreicher Verwendung goldgedeckter Währungen" zurück. Ein berühmtes Beispiel sei die Finanzreform unter Sergej Witte 1895-97, die einen harten Rubel brachte und drastisch höhere Sparguthaben und einen starken Zufluß ausländischer Investitionen ermöglichte. Ein weiterer Erfolg war die Währungsreform 1922-24, als die überinflationierte Papierwährung Sownak durch den Tscherwonets ersetzt wurde, der zu einem Viertel durch Gold und einen Warenkorb gedeckt war.
Die nun von der Zentralbank eingeführten Gold-Tscherwonets, die im wesentlichen über Handelsbanken an die Bevölkerung verkauft werden sollen, sind genaue Kopien dieser alten Tscherwonets-Münzen der 20er Jahre. Die Repliken wurden ursprünglich als Gedenkmünzen für die Moskauer Olympiade von 1980 geprägt, aber damals wurden nur wenige verkauft, und die große Masse verblieb im Staatsschatz.
Am 21. Juni unterzeichnete Präsident Putin ein Dekret zur Regelung des Edelmetall- und Edelsteinhandels. Es sollte am 25. August in Kraft treten, aber statt dessen beschloß die Regierung an dem Tag ein generelles Ausfuhrverbot für solche Waren - offiziell, weil die Vorbereitungen zur Umsetzung des neuen Gesetzes noch nicht abgeschlossen waren. Nach Meinung von Experten könnte das Verbot bis ins nächste Jahr hinein bestehen bleiben.
Gleichzeitig hat nach dem Bericht der russischen Finanzzeitung Expert von 20. August "kein anderes Land der Welt einen so steilen Anstieg seiner Goldreserven zu verzeichnen" wie Rußland in diesem Jahr. Der IWF soll - wenig überraschend - darüber "sehr besorgt" sein, denn es läßt darauf schließen, daß man eine schwere Dollarkrise erwartet und sich auf ein neues, goldgedecktes Währungssystem vorbereitet.
Dr. Jonathan Tennenbaum
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