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Aus der Neuen Solidarität Nr. 39/2001:

Wichtiges kurz gefaßt


Mubarak: Täter müssen lange Flugerfahrung vor Ort gehabt haben
Kein Passagier beschrieb die Entführer

Ominöse Webseiten

Le Monde über "Die Falle des afghanischen Jihad"

Mubarak: Täter müssen lange Flugerfahrung vor Ort gehabt haben

Der ägyptische Präsident Hosni Mubarak sagte am 15. September im US-Sender CNN, seit 1991 habe er wiederholt öffentlich gewarnt, die Regierungen müßten den Terrorismus ernstnehmen, doch seine Warnungen seien nicht gehört worden.

Zugleich betonte er die Außergewöhnlichkeit der Ereignisse vom 11. September: "Wohl kein Geheimdienst der Welt hätte vorhersagen können, daß jemand Zivilflugzeuge mit Passagieren an Bord benutzen würde, um in die Türme und das Pentagon hineinzustürzen. Die Leute, die das taten, müssen lange Flugerfahrung in dieser Region gehabt haben. Das Pentagon ist nicht sehr hoch. Wenn ein Pilot direkt auf das Pentagon zufliegt, um es zu treffen, muß er in dem Gebiet oft geflogen sein, um zu wissen, auf welche Hindernisse er treffen könnte, wenn er dort mit einer großen Zivilmaschine sehr tief fliegt... Viele Leute lernen fliegen und haben einen Pilotenschein, und das soll nun bedeuten, daß sie auch zu einer solchen Terroraktion in der Lage wären. Ich spreche als ehemaliger Pilot, ich kenne diese Dinge sehr gut, ich habe schwere Maschinen geflogen und Kampfflugzeuge. Ich weiß sehr gut, daß das nicht so einfach ist. Deshalb sollten wir jetzt nicht vorschnell Schlüsse ziehen."

Mubarak kritisierte Mutmaßungen, die Täter müßten Araber gewesen sein. "Erinnern Sie sich an Oklahoma, da hieß es sofort, die Araber seien es gewesen, und es waren nicht die Araber. Wer weiß? Warten wir die Ergebnisse der Ermittlungen ab. Denn es ist nicht einfach, so etwas in den USA zu tun."

Kein Passagier beschrieb die Entführer

Andrej Kosjakow, ehemaliger Assistent des Vorsitzenden des Geheimdienst-Unterausschusses des Russischen Obersten Sowjets (1991-93), äußerte am 14. September gegenüber der russischen Internetseite strana.ru interessante Beobachtungen. Einerseits müßten viele hochprofessionelle Personen an der Operation vom 11. September beteiligt und die Vorbereitungen sehr lange und sorgfältig gewesen sein. Gleichzeitig aber waren "alle Beteiligten der Operation zum Märtyrertum bereit, und solche Leute sind nicht leicht zu finden... Kein Geheimdienst [einer Nation] würde so große Verluste hinnehmen, sie bilden ihre Mitarbeiter anders aus."

Dann betonte Kosjakow eine wichtige Anomalie: Verschiedene Passagiere der entführten Maschinen - darunter ein Berufsjournalist - berichteten mit ihren Handys über die Flugzeugentführungen, aber "kein einziger beschrieb, wie die Entführer aussehen, ihre Akzente, ihre Aussprache; die Anrufer sahen keinen Anlaß, sie in irgendeiner Weise zu charakterisieren... Es drängt sich die Schlußfolgerung auf, daß sich die Entführer äußerlich in keiner Weise von allen anderen Passagieren unterschieden... Das stützt die Vermutung, daß die Entführer ,kaukasisch' (d.h. wie Amerikaner oder Europäer) aussahen."

Kosjakow gab noch einen weiteren Umstand zu bedenken. Während die Gesamtoperation mit äußerster Sorgfalt und Präzision lief, wurde gezielt eine "heiße Spur" hinterlassen: "Man fand am Flughafen einer entführten Maschine einen verlassenen Mietwagen, in dem ein Koran sowie Fluganleitungen in arabischer Sprache lagen. Aber auf der anderen Seite hat keine Organisation die Verantwortung für die Verbrechen übernommen. Das heißt, die Terroristen wollen ihre Identität verheimlichen. Wie könnte angesichts solcher Professionalität, solcher Sorgfalt ein solcher Fehler unterlaufen? Das paßt wohl kaum zu der minutiösen Planung der Aktion und legt den Schluß nahe, daß die Verbrecher eine falsche Spur legen wollten. Die Geheimdienste kümmern sich nicht um gewöhnliche Amerikaner oder Europäer und suchen statt dessen nach Arabern." Kosjakow geht davon aus, daß weitere Terrorakte folgen werden.

Ominöse Webseiten

Die Frankfurter Allgemeine vom 21. September gibt eine Meldung der Nachrichtenagentur CNS-News wieder, wonach bereits im letzten Jahr Unbekannte sich Internet-Adressen wie "attackontwintowers.com", "worldtradetowerattack.com" oder "pearlharborinmanhattan.com" gesichert hätten. Mindestens 17 solcher Adressen seien schon im Juni 2000 registriert worden. Zwei davon benennen konkrete Daten für eine Attacke, den 11. August und den 29. September. In einem Kasten listet die FAZ folgende Namen auf:

attackamerica.com
attackonamerica.com
attackontwintowers.com
august11horror.com
august11terror.com
horrorinamerica.com
horrorinnewyork.com
nycterroriststrike.com
pearlharborinmanhattan.com
terrorattack2001.com
towerofhorror.com
tradetowerstrike.com
worldtradecenter929.com
worldtradetowerattack.com
worldtradetowerstrike.com
wterroristattack2001.com

Normalerweise würden solche ominösen Namen, die als Ankündigung von Verbrechen verstanden werden können, dem FBI gemeldet, zitiert die FAZ einen New Yorker Sicherheitsfachmann und fügt hinzu: "Die Behörde, die über die laufenden Ermittlungen nichts verlauten läßt, schweigt auch zu diesen Vorwürfen... Wer die Besitzer der Websites sind, ist bislang nicht bekannt." Die Seiten sind inzwischen gesperrt.

Le Monde über "Die Falle des afghanischen Jihad"

Gilles Kepel beleuchtet in Le Monde vom 19. September die Verbindungen zwischen anglo-amerikanischen Geheimdiensten und islamistischen Strukturen in Afghanistan. Die Offensive, die derzeit in Vorbereitung sei, betreffe Gegner, die "sich sehr gut kennen, weil sie lange Zeit Partner gewesen sind". Er verweist auf die wohlbekannte Zusammenarbeit zwischen den USA, Pakistan, den Ölmonarchien am Golf und den extremsten "heiligen Kriegern des Islam". Diese Zusammenarbeit habe zwar offiziell mit dem Rückzug der Sowjets aus Afghanistan 1989 und dem Golfkrieg gegen den Irak 1991 aufgehört. "Aber entsprechend der Geheimdienstlogik bemühte man sich, Kontakt zu den Kämpfern zu halten, von denen viele eingeladen wurden, in Amerika zu bleiben, auf dem Campus muslimische Studenten anzusprechen, Geld zu sammeln für den afghanischen Jihad usw."

Kepel fährt fort: "In diesem Kontext fand schon einmal eine Attacke auf das World Trade Center statt - am 26. Februar 1993. Diese Affäre, für die Anhänger des ägyptischen Scheichs Omar Abdel Rahman verurteilt wurden, bleibt bis heute äußerst undurchsichtig: Obwohl die Täter verhaftet wurden, wurden weder die Identität ihrer Auftraggeber noch die genaue Verwicklung der amerikanischen Geheimdienste im Umfeld des Scheichs in den USA jemals formell festgestellt."

Nachdem dann 1994 die Taliban mit Hilfe der Pakistaner an die Macht kamen, hätten sie sich 1996 an eine amerikanische Ölgesellschaft gewandt, um eine Pipeline zu bauen, die Afghanistan mit Turkmenistan und dem Iran verbinden sollte.

Jetzt stürze die Welt sich kopfüber in einen "Krieg der Kulturen", und die Ironie des Ganzen sei, so Kepel abschließend, daß dies genau die Dynamik sei, in der ein Osama bin Laden gedeihe.

 

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