Von Jutta Dinkermann, stellv. Vorsitzende des Club of Life
Als Helga Zepp-LaRouche 1982 den Club of Life als ausdrückliche Gegenorganisation zum Club of Rome gründete, bewies sie geradezu hellseherische Scharfsicht. Der Club of Rome sorgte damals für viel Furore. Er behauptete, es gäbe zu viele Menschen auf der Welt. Der Mensch sei ein abfallerzeugendes, ressourcenfressendes Krebsgeschwür, die Erde platze aus allen Nähten - mit diesen ungeheuren Negativbildern und Schreckensszenarien prägte der Club of Rome eine ganze Generation.
Ziel des Club of Rome war es vor allem, das klassische jüdisch-christliche Bild vom Menschen als Krone der Schöpfung zu demontieren. Dessen Besonderheit und potentielle Vervollkommnungsfähigkeit wurde vom Club of Rome vor allem aus drei Gründen geleugnet:
Erstens versprach ja gerade die Fähigkeit des Menschen zur kreativen schöpferischen Vernunft den Ausweg aus den Schreckensszenarien des Club of Rome.
Zweitens lieferte diese Besonderheit die zentrale Begründung für die prinzipielle Unantastbarkeit menschlichen Lebens in allen Stadien seiner Existenz.
Und drittens konnte nur über diesen Weg das naturrechtlich begründete absolute Tötungsverbot des Menschen überhaupt aufgehoben werden.
Dagegen standen wir, die behaupten, daß menschliches Leben in allen Stadien seiner Existenz prinzipiell unantastbar ist. Diese Aussage wurzelt in der Erkenntnis, daß der Mensch offenbar Fähigkeiten besitzt, die das Tier nicht hat.
Der Mensch besitzt den freien Willen, ist also nicht auf Triebe und Instinkte angewiesen. Er kann weiterhin seine Lebensbedingungen und seinen Lebensraum kraft seiner schöpferischen Vernunft aktiv verändern und ausdehnen.
Schließlich besitzt der Mensch auch die Fähigkeit zur tätigen und selbstlosen Menschen- und Nächstenliebe - einer Liebe, die bereit ist, über das eigene Schicksal hinaus Verantwortung für die Weltgeschichte zu übernehmen. Diese Liebe ist eine besondere Triebfeder, der die Menschheitsgeschichte letztendlich jeden echten Fortschritt zu verdanken hat, sei er politisch, kulturell oder wissenschaftlich.
Es ist kein Wunder, daß die Aktivitäten des Club of Rome und seiner Nachfolgeorganisationen vor allem gegen das Christentum gerichtet waren - eine Religion, die diese Liebe in den Mittelpunkt stellt. Vom Standpunkt des Gegners aus betrachtet liegt die Gefährlichkeit des Christentums vor allem darin, daß es sich nicht auf das Innere von Kirchen und auf den persönlichen Glauben ihrer Mitglieder beschränken läßt. Denn in dem Maße, wie wir - und das Christentum - davon ausgehen, daß der Mensch etwas Besonderes und Einzigartiges, ja Abbild des Schöpfergottes selbst ist, muß natürlich auch die Gesellschaft in einer Art und Weise geordnet werden, die dieser hohen Wertschätzung des Menschen entspricht. Seine materiellen und geistigen Bedürfnisse müssen befriedigt und ein des Menschen würdiges Umfeld hergestellt werden, in dem dieser sein Menschsein ganz entfalten kann. Umgekehrt muß alles, was diesem einzigartigen Rang widerspricht, als Verstoß gegen das grundlegendste Naturrechtsprinzip und als eine Beleidigung des Schöpfers selbst wahrgenommen werden.
Der Staat als Garant des Gemeinwohls, und zwar explizit auch für die kranken und schwachen unter seinen Bürgern - dieser im Christentum wurzelnde Auftrag verträgt sich nicht mit den vom Club of Rome und seinen Nachfolgern angestrebten imperialen und feudalen Gesellschaftsformen.
Dort wird die einfache Bevölkerung als menschliches Vieh betrachtet und behandelt. In diesen Gesellschaftsformen ist der Mensch nichts Besonderes, ein Tier auf zwei Beinen, ein zufälliges Produkt der Evolution. Dem Einzelwesen Mensch wird keinerlei Bedeutung zugemessen, die ein Tötungsverbot begründen könnte. Vernunft, Menschenliebe und Selbstlosigkeit kommen in diesem Menschenbild nicht vor. Lebensrecht muß erkauft werden durch Nützlichkeit. Spätestens wenn die Kräfte schwinden und die Kosten den Nutzen übersteigen, wird gnadenlos selektiert.
Doch wie lassen sich solche Gesellschaftsformen propagieren? Natürlich nicht, indem der Club of Rome und seine Nachfolger frei heraus sagen, daß sie eine feudale Zweiklassengesellschaft errichten wollen. Daher auch die besonders subtile Art der damaligen Propaganda, das Heraufbeschören einer angeblich zu vollen Welt. Indem gleichzeitig die Angst vor der Wissenschaft geschürt wurde, entstand eine scheinbar aussichtslose Situation, in der Auswege plötzlich nicht mehr als solche erkennbar waren. So schwand in der aufkommenden Panik die Überzeugung, daß man mittels Fortschritt der Wissenschaft auch eine wachsende Weltbevölkerung ernähren und kleiden kann.
Spätestes zur Zeit der offiziellen Gründung der grünen Partei hatte der Club of Rome sein Ziel erreicht: Ein großer Teil der solchermaßen beeinflußten Bürger unterstützte eine Politik, die für den größten Teil der Weltbevölkerung Hacke und Schaufel als sogenannte angepaßte Technologie empfahl, während man aber selbst fortfuhr, wie die Made im Speck zu leben. Unbekümmert, vermeintlich progressiv, und unreflektiert wurde gegen Kernenergie demonstriert, wurde die Forderung nach einer Drosselung des Weltenergieverbrauchs unterstützt - auch wenn dies für viele Menschen das Ende ihrer Hoffnung auf eine menschenwürdige Zukunft bedeutete. Denn war der Mensch tatsächlich, wie es der Club of Rome und seine Nachfolger ja behaupteten, nur eine Krebsgeschwulst - also im Prinzip sogar weniger wert als ein Tier - dann gab es ja auch auf nichts Rücksicht zu nehmen.
Fürsorge und Liebe bringt man nur für etwas auf, das man als besonders schützenswert erachtet. In dem Maße aber, wie dieses Negativbild vom Menschen medienwirksam verbreitet wurde, stieg auch die Toleranz- und Akzeptanzgrenze für das, was Menschen Menschen antun dürfen. Langsam aber sicher sank der Wert eines Menschenlebens in der öffentlichen Meinung, schwanden Menschenliebe und Verantwortungsgefühl. Selbst Entscheidungen über Existenz oder Nichtexistenz wurden zur privaten Ansichtssache erklärt.
Nur so lassen sich die Geschehnisse der letzten Jahrzehnte erklären. Es ist keine Frage: Keine Regierung und keine Bevölkerung mit einem intakten Menschenbild hätte tatenlos zugesehen, wie weltweit ganze Landstriche durch Hunger, Unterentwicklung und Seuchen entvölkert wurden; wie die Rassisten von IWF und Weltbank die Konditionen schufen, welche die sogenannte Dritte Welt ausbluten ließen und die durchschnittliche Lebenserwartung der dortigen Bevölkerung zum Teil auf nur noch 30 Jahre reduzierte; wie die Gier nach dem schnellen Geld Länder über Nacht bankrott machte; daß die Kasinowirtschaft die Realwirtschaft verdrängte und Spekulationsgewinne wichtiger wurden als der Dienst am Gemeinwohl; daß Alte und Kranke um ihr Leben fürchten müssen, weil ein ausgeglichenes Budget heute wichtiger ist als ein Menschenleben.
Nur so ist auch zu verstehen, daß Kindern eine humanistische Bildungspolitik vorenthalten wurde und ihre Seelen heute mit Gewaltvideos zerstört werden. Es ist kein Zufall, daß mit der Leugnung der besonderen Rolle des Menschen in der Schöpfung auch der Niedergang der Kultur- und Bildungspolitik begann. Denn mit der Leugnung der Besonderheit des Menschen wird ja auch die Frage nach Sinn und vor allem Zweck und Ziel menschlichen Lebens gleich mit beerdigt. Auf die Frage, wozu und für wen man überhaupt lernen soll, gibt es keine Antwort mehr.
Der berühmte Ausspruch Maggie Thatchers: "There is no such thing as society" charakterisiert die heutige Lage sehr treffend. Will heißen, es gibt kein Gemeinwohl mehr, dem sich Bevölkerung, Politiker, Rechtsprechung oder Wissenschaften verpflichtet fühlen müßten. Dagegen wußten die Väter unseres Grundgesetzes noch sehr gut, warum sich Artikel 1 zu "unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten" bekennt - zu denen natürlich an erster Stelle das Recht auf Leben gehört. Und mehr noch: Die Wahrung dieser Rechte wird dort sogar als "Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt" bezeichnet.
Heute ist ein großer Teil der Bevölkerung in Banalität und moralischer Verrohung versunken, hochgradig fremdbestimmt, manipuliert und kontrolliert. Doch leider ist sie sich dessen nicht im mindesten bewußt. Sie feiert sogar ausdrücklich die Negierung der besonderen Rolle des Menschen in der Schöpfung als heroischen Befreiungsschritt. Es schien ja auch plötzlich alles einfacher. Plötzlich war man niemandem mehr, nicht einmal sich selber, Nächstenliebe oder Verantwortung schuldig. Man konnte das ausleben, was man seine "Bedürfnisse" nannte. Die sogenannte sexuelle Revolution spielte in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle, denn erstmals wurde auch jede Verantwortung für die Folgen sexuellen Tuns zurückgewiesen. Die daraus folgende Abtreibungsbewegung brachte allerdings eine neue Dimension ins Spiel. Denn es ist eine Sache, sein eigenes Leben zu verpfuschen, etwas ganz anderes aber, ein anderes Leben zu töten.
Es ging dabei nie um angebliche Freiheiten für die Frauen. Sondern darum, den Grundsatz von der Unantastbarkeit menschlichen Lebens - als Achillesferse jeder humanistischen Kultur - an einem empfindlichen Punkt unter Einbeziehung einer größtmöglichen Anzahl von Menschen erstmals zu überwinden. Durch die Überwindung der natürlichen Tötungshemmung des Menschen im Bereich Abtreibung wurde diese Achillesferse verletzt. Es konnte auf die Dauer nicht ohne Folgen für das moralische Rechtsempfinden einer Bevölkerung bleiben, wenn menschlichem Leben im Anfangsstadium seiner Existenz kein Respekt mehr entgegengebracht wurde. Und so war es dann ja auch. Erst war es der neue heranwachsende Mensch im Innern des Leibes, der "mir" gehörte. Wenig später war es dann "mein Tod", der "mir" gehörte. Und wieder kurze Zeit später bestimmte man schon über den Tod von anderen.
Man muß sich wirklich einmal vergegenwärtigen, was es für eine Gesellschaft bedeutet, wenn ausgerechnet das Recht auf Eigen- und Fremdtötung als Triumph der Selbstbestimmung, ja geradezu als wichtigstes Menschenrecht auf Erden proklamiert wird! Aus der Perspektive des Gegners ist dies ein klarer Sieg. Kann man eine Gesellschaft dazu bringen, sich freiwillig selbst, ihre Kinder, ihre Alten und Schwachen zu töten und dies auch noch zu feiern, dann ist offenbar ein Grad moralischer Verirrung erreicht, der auch jede weitere Beeinflussung ermöglicht.
Es ist wichtig, eines zu verstehen: Der Grundsatz, daß menschliches Leben mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle beginnt, ist nicht nur wissenschaftlich korrekt. Er ist auch eine unbedingte Voraussetzung menschlicher Moral und menschlichen Zusammenlebens.
Ich will erklären, warum. Da gibt es Leute, die die Ansicht vertreten, man sei erst Mensch, wenn man Schmerzen empfinden kann. Also sei ein Embryo erst dann Mensch, wenn das Zentralnervensystem angelegt sei. Andere sehen die Körperform, die Ausgestaltung von Extremitäten als Menschbeweis an. Für wieder andere ist die Geburt die Zäsur. Doch wenn per Definition nur Mensch ist, wer Schmerzen empfinden kann, sind auch Bewußtlose keine Menschen. Wenn es an den Extremitäten liegt, sind dann Amputierte Zweidrittel- oder halbe Menschen? Und was den Geburtstermin angeht: Wie will man schlüssig argumentieren, daß der ausgereifte Mensch unmittelbar vor der Geburt kein Mensch ist, wenige Stunden später aber doch?
Auch die Definition, daß dem Menschen erst durch die aktuelle Praktizierung des Menschseins Lebensrecht und Menschenwürde zustehen, bringt uns auf Abwege. Denn was ist "Praktizierung des Menschseins"? und vor allem - wer bestimmt denn, was dies ist? Bioethiker verstehen darunter nur die Fähigkeit zur Rationalität, Selbstbewußtsein, abstrakte Sprache. Nach dieser Definition stünde also all denjenigen, die nicht über diese Fähigkeiten verfügen, kein unbedingtes Lebensrecht zu. So z.B. Ungeborenen, Neugeborenen, Kleinkindern, Demenzkranken oder Komapatienten.
Ich erwähne dies nicht, weil ich Freude an Spitzfindigkeiten habe, sondern weil wir solchen Argumenten auf Schritt und Tritt in der aktuellen Auseinandersetzung begegnen, so z.B. bei der Grundrechtscharta der Europäischen Union - einem Dokument, das viele als Grundlage einer europäischen Verfassung ansehen. Kaum jemand hat die Brisanz dieses Papieres verstanden. Wir haben die Öffentlichkeit in einer Erklärung darüber informiert.
In der Grundrechtscharta ist nämlich nur in Artikel 1 explizit von "Menschen" als Trägern der Grundrechte die Rede. Die dann folgenden Grundrechte stehen dann aber offenbar nicht mehr allen Menschen, sondern nur noch einem als "Personen" bezeichneten Kreis zu. Nur eine Person hat das "Recht auf Leben" oder das "Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit". Gleiches gilt z.B. auch für das "Recht auf Bildung", für die "Gleichheit vor dem Gesetz" oder dem "Gesundheitsschutz".
Wieso wird hier unterschieden? Wer ist Person, wer Mensch? Wir sind in einer recht gefährlichen Situation. Europaweit und auch international herrscht kaum noch Einigkeit über die Definition von dem, was ein Mensch ist, wann dessen Schutzwürdigkeit beginnt und wie weit diese überhaupt reichen soll.
Traditionell wurde das Personsein dem Menschen von Natur aus und damit vom Existenzbeginn an zugestanden. In unserer jüdisch-christlich geprägten Zivilisation erachtete man die Möglichkeit, Person zu werden - also das Potential - als ebenso wichtig wie das tatsächliche Personsein eines erwachsenen Menschen. 1789 stürzte der britische Rechtsphilosoph John Locke diese traditionelle Position. "Person" war für ihn nur derjenige, der im Hier und Jetzt Rationalität, Selbstbewußtsein, abstrakte Sprache besitzt. Erstmals waren die Begriffe "Mensch" und "Person" nicht mehr deckungsgleich - ein Umstand, der natürlich politisch dazu genutzt wurde, unliebsamen Menschengruppen oder anderen Rassen ihre Menschenrechte abzusprechen.
Die moderne Bioethik übernahm diesen Personenbegriff. Nicht die Zugehörigkeit zur Gattung Mensch ist demnach entscheidend. Erst durch das Vorliegen bewußtseinsrelevanter Fähigkeiten wird der Mensch zur Person. Und erst durch die Anerkennung dieses Status ergeben sich Lebensrecht und Schutzwürdigkeit.
In seiner Praktischen Ethik sagt einer der prominentesten und auch gefährlichsten Bioethiker, der Australier Peter Singer, ganz offen, daß es im Rahmen dieser Ethik möglich und notwendig sei, lebenswertes und lebensunwertes Leben zu unterscheiden und das lebensunwerte zu vernichten. Interpretiert man die Grundrechtscharta nun von diesem bioethischen Standpunkt aus - und es gibt viele gute Gründe, anzunehmen, daß genau das passieren wird - , dann werden tatsächlich ganze Bevölkerungsgruppen ihres Rechts auf Gesundheitsversorgung, auf Leben und ihrer Menschenwürde beraubt. Das Leben dementer alter Menschen, Geisteskranker, Ungeborener, Neugeborener und Komapatienten kann also prinzipiell jederzeit beendet werden, sofern dies den Interessen der Personen dient. Oder sie werden als Versuchskaninchen für unethische Forschungsprojekte benutzt, denn der Charta zufolge sind Kunst und Forschung frei. Und nur "Personen" haben das Recht auf körperliche und geistige Unversehrtheit". Interessant ist weiter, daß in der Charta auch erstmals grünes Licht für das sogenannte "therapeutische Klonen menschlicher Embryonen " gegeben wird.
Der eigentliche Sprengsatz liegt natürlich darin, daß die bioethische Sichtweise ausdrücklich die spirituelle Dimension menschlichen Lebens leugnet. Singer, auch Wortführer einer Bewegung für das "Great Ape Projekt", das Personenrechte für die großen Menschenaffen fordert, klagt in seiner Schrift Verteidigt die Tiere:
"Der Einfluß der jüdisch-christlichen Auffassung von der gottähnlichen Natur des Menschen wird nirgendwo deutlicher als in der westlichen Doktrin der Unantastbarkeit menschlichen Lebens; eine Doktrin, die selbst das Leben des hoffnungslosesten und unheilbar hirngeschädigten menschlichen Wesens über das Leben eines Schimpansen stellt."
Auf die Aussage in seiner Praktischen Ethik angesprochen, wonach das Leben eines Schimpansen einen höheren Stellenwert habe als ein geistig behinderter Mensch, antwortet Singer:
"Wichtig ist, daß dies gegen die christliche Tradition gerichtet ist. Aber auch Menschen, die nicht religiös sind, sind immer noch geschockt von diesem Vergleich zwischen Mensch und Tier. Dies zeigt jedoch nur, wie die christliche Kultur noch immer unser Denken dominiert." Und weiter: "Der Mensch hat in unserer traditionellen Ethik eine Bedeutung, die nur aus der religiösen Tradition der Gottebenbildlichkeit zu erklären ist. Wenn man das wegnimmt, hat der Mensch als Mitglied dieser Spezies Homo sapiens weniger Bedeutung als vorher und die anderen Tiere haben mehr Bedeutung."
In einem Interview mit der Frankfurter Rundschau brachte Singer es auf den Punkt. Singer wörtlich: "Wenn man glaubt, daß es ein größeres Unrecht ist, einen Menschen zu töten als ein Schwein, dann muß der Mensch etwas haben, was das Schwein nicht hat."
So ist es. Hebt sich der Mensch nicht von der übrigen Schöpfung ab, dann gibt es tatsächlich keinen Grund, auch die unvollkommenen Stadien seiner Existenz zu schützen. Dann braucht menschliches Leben weder im Anfangsstadium noch in den nachgeburtlichen Phasen seiner Existenz geschützt zu werden. Nur dann spricht nichts dagegen, ihn zu töten, wenn er im Koma liegt und die Gesellschaft viel Geld kostet. Nur dann darf der Embryo abgetrieben oder wie bei der Viehzucht selektiert, kloniert und nach Belieben gentechnisch verändert werden. Nur dann darf er gezeugt, gezüchtet und zerlegt werden, um als Ersatzteillager und Organlieferant für andere Menschen zu dienen. Nur dann dürfen auch Menschenleben in sinnlosen Kriegen verheizt werden. Und nur dann ist es egal, ob afrikanische Kinder jemals satt werden. Bei diesem Welt- und Menschenbild ist die Praxis keinerlei prinzipiellen Einschränkungen mehr unterworfen.
Die politische Organisation um den amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Lyndon LaRouche war und ist neben dem heutigen Papst wohl die einzige Institution, die den Kampf für ein moralisch intaktes Menschenbild aus gutem Grund zur zentralen Frage für Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur erhoben hat. Der Club of Life ist Teil dieser Bewegung. Und wenn wir uns heute mit Abtreibung beschäftigen, mit Eugenik, Euthanasie und Bioethik, mit dem aktuellen Seuchengeschehen, mit fatalen Entwicklungen in der Gesundheitspolitik und in den Humanwissenschaften, dann geht es dabei eben nicht an sich um die Behebung und die Bekämpfung isolierter Prädikate.
Es geht vielmehr immer und vor allem um die Bekämpfung eines Menschenbildes, das brutalen und feudalen politischen Machtsystemen Tür und Tor öffnet. Und es geht um die Bekämpfung einer Dynamik, die der jetzige Papst treffenderweise als "Kultur des Todes" bezeichnet hat.
Die Frage, ob wir eine Kultur des Lebens oder eine Kultur des Todes wollen, entscheidet sich ausschließlich an der Frage, ob wir die Besonderheit menschlichen Lebens leugnen oder bejahen. Dies ist seit Menschengedenken der Hauptkriegsschauplatz in der Auseinandersetzung zwischen den zwei wesentlichen Strömungen der Menschheitsgeschichte. Und genau hier wird letztendlich über Siege und Niederlagen entschieden.
Aus keinem anderen Grund gibt es den Club of Life. Wir sind sozusagen an der Verteidigung dieser zentralen Frontlinie in Dauerstellung stationiert. Und das, was sich zwischen uns und unseren Gegnern abspielt, ist daher nichts anderes als Kulturkampf in seiner unmittelbarsten und weitreichendsten Form.
Dies begründet auch unsere besondere Rolle und unsere besondere Verantwortung. Wir sind keine x-beliebige Lebensrechtsorganisation, die sich nur um einzelne Prädikate kümmert. Wir beurteilen die Ereignisse in dem strategischen, politischen und kulturellen Zusammenhang, in den sie gehören. Und genau darauf basiert auch unser Einfluß. Ich kann heute ohne jede Übertreibung sagen, daß ein Großteil des ernsthaften Widerstandes in den genannten Bereichen direkt vom Club of Life beeinflußt wurde. Unsere Stellungnahmen und Analysen sind sehr gefragt - und immer häufiger werden sie auch von anderen publiziert. So vor allem von der Europäischen Ärzteaktion in deren Magazin Medizin und Ideologie.
Auch in Standardwerken für Fachkräfte im Gesundheitswesen sind wir präsent, wie hier (Folie), wo unsere Beiträge zur Euthanasiediskussion wiedergegeben sind. Auf großes Interesse stießen vor allem unsere Analysen zu brandaktuellen Themen wie Euthanasie in Holland, Präimplantationsdiagnostik, Gentechnik und Klonierung beim Menschen. Diese wurden übrigens auch im Ausland dankbar angenommen und publiziert. So brachte die slowakische Wochenzeitung Zmena, die in der ganzen Slowakei gelesen wird, mehrere Stellungnahmen des Club of Life. Und das Magazin Universum der tschechisch-christlichen Akademie in Prag druckte unsere Analyse "Gentechnik und Menschenwürde" ab.
Das auch sonst erstaunlich große Interesse an gerade dieser Analyse hat seinen Grund. Selbst intellektuelle Kreise sind heute hochgradig verunsichert, wenn es um die Bewertung der Entwicklungen im Bereich Gentechnik geht.
Es geht nicht darum, die Gentechnik als solche zu verdammen. Natürlich muß zwischen Sinnvollem und Unsinnigem, zwischen ethisch Erlaubtem und Unerlaubtem unterschieden werden. Doch es ist auffällig, daß die Bevölkerung ausgerechnet hinsichtlich des ethisch Unerlaubten und medizinisch Fragwürdigen mit einem wahren Trommelfeuer von Heilsversprechen eingedeckt wird. So ist alles Übel dieser Welt angeblich durch genetische Manipulationen der menschlichen Keimbahn heilbar, oder durch die Herstellung und Klonierung menschlicher Embryonen, die man dann zu weiteren Zuchtzwecken wieder in ihre Bestandteile zerlegt.
Beschäftigt man sich aber - wie wir - mit der Geschichte der Genetik und dem Weltbild und Kenntnisstand der modernen Wissenschaft und betrachtet dies alles vor dem Hintergrund der politischen und kulturellen aktuellen Situation, so kommt man zu einem ganz anderen Ergebnis.
Man sieht vor allem Großmäuligkeit, die unhaltbare Behauptungen aufstellt. Man sieht eine weitgehend reduktionistisch ausgerichtete Wissenschaft, die so gut wie nichts über das Wesen von Lebensprozessen versteht - dennoch aber noch nicht einmal vor der Manipulation der menschlichen Keimbahn zurückschreckt. Man sieht ethisch unerlaubte Embryonenforschung, wo menschliches Leben zu Forschungszwecken hergestellt, manipuliert, gezüchtet, ausgeschlachtet und weggeworfen wird - und damit das naturrechtliche Instrumentalisierungsverbot des Menschen erstmals umgangen wird. Man sieht knallharte Machtinteressen und eugenisches Gedankengut. Vor allem aber treffen wir hier auf alte Bekannte, die wieder einmal über Quantität und Qualität der Menschheit entscheiden wollen. Und wieder einmal erkennen wir auch das explizite Bemühen, die Vormachtstellung des Menschen in der Schöpfung zu demontieren.
Ich möchte dies anhand der kürzlichen Meldung von der Herstellung und Kultivierung von Mensch-Tier-Mischwesen erläutern. Dabei züchteten australische und amerikanische Genetiker ein Zwitterwesen aus Mensch und Schwein. Sie implantierten Zellkerne von menschlichen Föten in Eizellen von Schweinen und ließen das so entstandene Wesen eine Woche lang wachsen. Die Bedeutung dieses Vorgangs erschließt sich nicht aus der Betrachtung der benutzten, keineswegs neuen Techniken, sondern aus seinen impliziten Botschaften.
Es gibt tatsächlich keine einzige erdenkliche Handlung, die in der derzeitigen Situation provokanter sein könnte und die so eindeutig eine Kriegserklärung an Menschenwürde und jede humane Wissenschaft darstellt. Was ist also die Botschaft dieses Experiments? Die simple und doch so weitreichende Botschaft ist, daß menschliches Leben so wenig wert ist, daß man es sogar mit Tieren vermischen kann.
Ich verweise in diesem Zusammenhang auf unsere beiden Grundsatzanalysen Gentechnik und Menschenwürde sowie Klonen embryonaler Stammzellen - Irrweg zum Wegwerfmenschen, die ich Ihnen dringend zur Lektüre empfehle. Denn die Debatte um Keimbahnmanipulation und Klonierungstechniken beim Menschen hat gerade erst begonnen. Und auch ich vertrete die Ansicht, daß gegen das, was in diesem Bereich noch an moralisch Zweifelhaftem auf uns zukommt, die Atombombe ein sittliches Kinderspiel gewesen sein wird.
Wir haben uns nicht ohne Grund die Verteidigung der Wissenschaft auf unsere Fahnen geschrieben und dieser Aufgabe viel Zeit gewidmet. Denn eine ihrer Ethik und Moral beraubten Wissenschaft kann ihrer Bestimmung, dem Wohle der Menschheit zu dienen, nicht mehr nachkommen. Sie hat sich in genau dem Moment praktisch und effektiv selbst paralysiert, wenn sie den geistigen Aspekt des Menschen leugnet. Solch eine zentrale Wahrnehmungsstörung muß besonders in den Humanwissenschaften dazu führen, daß auch das Wissen über Leben und Lebensvorgänge bestenfalls Stückwerk bleiben muß, weil es schon im Ansatz verkehrt ist.
Um die drängendsten Menschheitsprobleme lösen zu können, brauchen wir eine intakte und kreative Wissenschaft. Wir vom Club of Life haben wiederholt zu einem "Weltkrieg" gegen Hunger, Unterentwicklung und Seuchen aufgerufen, gegen bereits behandelbare und noch unbehandelbare Krankheiten, die Millionen von Todesfällen verursachen.
Die Zukunft der Menschheitsgeschichte wird ganz entscheidend davon abhängen, ob es uns ganz kurzfristig gelingt, diese Reiter der Apokalypse aufzuhalten - und dazu gehört nicht nur, aber vor allem die Krankheit AIDS. Das von der WHO als "Window of opportunity" bezeichnete Zeitfenster, um alte und neue Seuchen noch wirksam einzudämmen, schließt sich mit jedem einzelnen Krankheitsopfer etwas mehr. Wir brauchen auch neue Medikamente gegen die Resistenzentwicklungen bei Antibiotika - doch die Forschungspipelines sind ebenso leer wie die Köpfe der Wissenschaftler. Da wird offenbar lieber der Frage nachgegangen, welche Genschnipsel für die Bildung von Hühneraugen verantwortlich sind. Oder es werden Forschungsgelder in Bereiche gesteckt, die nur für einen ganz kleinen Teil der Weltbevölkerung interessant und erschwinglich sind.
Euthanasie: Den Dammbruch verhindern
Wenden wir uns einem anderen "Fronteinsatz" des Club of Life zu. Auf unserem letzten Treffen vor zwei Jahren drehte sich ein großer Teil meiner Berichterstattung um die Bekämpfung von Euthanasievorhaben. Da war vor allem der Kampf um die Bundesärztekammer-Richtlinie zur Sterbebegleitung zu nennen. Die Bundesärztekammer wollte diese klammheimlich ändern. So sollte es z.B. erlaubt werden, Komapatienten verhungern und verdursten zu lassen. Wir bekamen damals rechtzeitig Wind von der Sache und verhinderten das Zustandekommen. Nach vielem Hin und Her gab es dann 1998 eine neue Richtlinie, die zwar nicht dem entsprach, was wir wollten, aber zumindest in wesentlichen Teilen deutlich entschärft war.
Es war klar, daß uns bei dieser Aktion nur die Rolle von Leuten zufiel, die ein Loch im Deich entdecken und versuchen, es schnell notdürftig zu stopfen. Man gewinnt dadurch Zeit, Hilfe herbeizurufen und die Anwohner zu alarmieren. Grundsätzlich aber kann eine Erweiterung der Risse und ein Dammbruch natürlich nur durch fundamentale Reparatur - und Stützungsmaßnahmen verhindert werden. Was in diesem Bild natürlich einer gesellschaftlichen Rückbesinnung auf die Besonderheit menschlichen Lebens entspricht.
Das ist unser Problem. Denn die Zeit der Hobbesschen Sozialverträge oder Kantianischer Regeln für das Zusammenleben ist längst abgelaufen, wirklich funktioniert haben sie nie. Spätestens unter dem Druck der Umstände - zum Beispiel im Rahmen einer Wirtschaftskrise - brechen solche Systeme immer zusammen. Und zwar aus keinem anderen Grund, als daß ihnen der stabilisierende Faktor Nächsten- und Menschenliebe fehlt.
Es kam daher nicht ganz unerwartet, als wir nur ein Jahr später von einem Bundesärztekammer-Papier überrascht wurden, das den Titel trug "Handreichungen für Ärzte im Umgang mit Patientenverfügungen". Wir haben diese eingehend analysiert.
Hier soll nur erwähnt werden, daß dort die gerade erkämpfte Ächtung des Abbruchs künstlicher Ernährung für den Bereich Patientenverfügungen wieder legitimiert wurde. Danach ging es Schlag auf Schlag: Am ungeheuerlichsten war sicherlich ein Papier der Bundesärztekammer, das Propaganda für die sogenannte Präimplantationsdiagnostik (PID) machte.
Unser Bundeskanzler ist offenbar fest entschlossen, die Präimplantationsdiagnostik auch in Deutschland zu erlauben - wir müssen uns also in den nächsten Monaten noch eingehend mit diesem Thema beschäftigen. Vor allem aber erwähne ich es hier, weil die Anwendung dieser Technik einen fundamentalen, weitreichenden moralischen Dammbruch impliziert. PID, so die Abkürzung, ist derzeit nichts anderes als vorgeburtliche eugenische Selektion. Bei der PID wird ein durch künstliche Befruchtung im Labor gezeugter Embryo nach wenigen Teilungsschritten einer genetischen Untersuchung unterzogen. Falls der Embryo unerwünschte genetische Eigenschaften aufweist, wird er nicht in die Gebärmutter transferiert, sondern weggeworfen.
Begründet wird die Propagierung der PID übrigens mit der ungeheuerlichen deutschen Abtreibungspraxis, die es ja auch erlaube, behinderte Kinder noch bis zum 9. Monat straffrei abzutreiben.
Doch wieder geht es nicht wirklich um das angebliche Recht der Eltern auf ein gesundes Kind. Das Aussortieren unerwünschter Embryonen über die PID ist in Wirklichkeit nur ein Mittel bei der Durchsetzung oligarchisch motivierter Rassenhygiene und Menschenzuchtträume. Dies wurde übrigens von den Erfindern dieser Techniken immer ganz offen zugegeben - wir haben auch dies im einzelnen dokumentiert.
Als Reaktion auf die Vorgänge in der Bundesärztekammer richteten wir einen Offenen Brief an Prof. Hoppe, den damals frischgebackenen Präsidenten der Bundesärztekammer.
Ursprünglich stand er eher auf unserer Seite, war aber offenbar von einer starken bioethischen Machtfraktion dermaßen unter Druck gesetzt worden, daß er und seine Fraktion dringend Entlastung brauchten. In dem "Offenen Brief" warnten wir vor einem bevorstehenden bioethischen Putsch im Hause der Bundesärztekammer. Wir forderten die deutsche Ärzteschaft auf, sich auf die Wurzeln ihrer Standesethik zurückzubesinnen. Der Brief wurde an alle relevanten Institutionen und Personen im Lande verschickt, an Gegner wie an Freunde. Der Brief sorgte, wie ich weiß, für großes Aufsehen, für einiges Nachdenken und für die Formierung eines Widerstandes im Lande. Ich denke zwar, daß wir damit einen kompletten bioethischen Putsch vorläufig abwehren konnten. Doch entschieden ist dieser Kampf noch lange nicht, wie die immer noch widersprüchlichen jüngsten Äußerungen von Prof. Hoppe zeigen.
Grundsätzlich bleibt festzustellen, daß es nicht nur hier, sondern fast immer unsere Organisation war, die als erste Alarm schlug und den Widerstand im Lande weckte oder manchmal überhaupt erst schuf. Festzustellen bleibt aber auch, daß uns die Zeit durch die Finger rinnt. Immer schneller gibt es im Damm immer breitere Risse. Doch sollten wir deshalb nicht resignieren, sondern unsere Anstrengungen verdoppeln. Es ist wichtig, zu verstehen, daß wir diese und andere Auseinandersetzungen solange nicht gewinnen können, solange das Gros der Bevölkerung nicht wirklich versteht, warum menschliches Leben ein unantastbares Gut darstellt - und erst damit dem Damm wieder verläßliche Stabilität verleiht. Für dieses Verständnis zu sorgen ist daher unsere wichtigste Aufgabe.
Gegen die Demontage des Gesundheitswesens
Auch auf den Bereich Gesundheitspolitik konnten wir Einfluß nehmen. Wir waren diejenigen, die die Lüge von der angeblichen Kostenexplosion entlarvten. Wir wiesen in Flugblättern und einer Sonderausgabe der Neuen Solidarität (oft gemeinsam mit der Bürgerrechtsbewegung Solidarität) den Ausweg aus der Krise. Wir riefen zu einer Neuordnung der Wirtschaftspolitik auf, die die leeren Kassen der sozialen Sicherungssysteme wieder füllen kann. Vor allem aber drängten wir die einzelnen Sektoren im Gesundheitswesen, sich nicht auseinanderdividieren zu lassen, sondern sich zusammenzuschließen und von der Regierung die benötigten wirtschaftspolitischen Reformen zu fordern.
Überhaupt waren wir es, die die Relevanz des Bereiches Gesundheitspolitik betonten - und damit auch das Selbstbewußtsein der dort Beschäftigten stärkten. Gesundheitspolitik ist ja nichts anderes als Daseinsfürsorge der Regierung für den Bürger. Der Bürger aber ist - richtig betrachtet - die wichtigste Ressource eines jeden Staates. Wenn hier also gespart wird und Leben und Gesundheit der Bürger aufs Spiel gesetzt werden, dann ist weit mehr faul als diese Tatsache an sich. Es bedeutet schlichtweg, daß der Bürger der Regierung nichts mehr gilt. Und damit hat die Regierung ihr Mandat verloren, das ja in nichts anderem besteht, als dem Gemeinwohl der Bevölkerung zu dienen.
Wir waren es auch, die darauf hinwiesen, daß die bestehenden Gesetze die Regierung dazu verpflichten, eine adäquate gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Und daß eine Unterversorgung, die Menschenleben fordert oder unnötiges Leiden provoziert, nicht nur einen Verstoß gegen geltendes Recht darstellt, sondern daß dieser Verstoß sogar ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist, das im Rahmen der Nürnberger Statuten geahndet werden kann und sollte.
Endlich kam es im Bündnis Gesundheit zu einer Solidarisierung aller Beschäftigten im Gesundheitswesen. Heute vertreten dort 38 Verbände die 4,2 Millionen direkt und indirekt im Gesundheitswesen Beschäftigten - ein Vorgang, der in der Geschichte der Bundesrepublik einmalig ist. Nach vielen Jahren ist es nun endlich Allgemeinwissen, daß es die Wirtschaftskrise und nicht die Kostenexplosion war und ist, die für leere Kassen im Gesundheitswesen sorgt. Doch längst häufen sich Berichte über Leistungsverweigerungen gegenüber chronisch kranken und alten Menschen. Wir haben medizinische Unterversorgung, und wir haben Rationierung in Deutschland. Wir haben Tote zu beklagen, die bei einer anderen Gesundheitspolitik noch am Leben wären. Und wir haben Leid zu beklagen, das schwerkranken Menschen unnötigerweise aufgebürdet wird.
Die in der Bevölkerung jahrelang verbreitete, hysterische Angst vor einer medizinischen Überversorgung ist längst der Angst vor einer Untervorsorgung gewichen. Patientenverbände fangen endlich an, Beweise für Rationierung und ihre Folgen zu sammeln. Und selbst Bundesärztekammerpräsident Hoppe kündigte Widerstand bis zum Letzten an.
Ich hoffe zuversichtlich, daß es nun nicht wieder so lange dauert, bis sich das Bündnis unserer Forderung nach grundsätzlichen politischen und wirtschaftspolitischen Veränderungen anschließt. Doch dies liegt vor allem an uns, hier wartet ein offenes, wichtiges Feld, in dem wir noch eine Menge an Überzeugungsarbeit leisten müssen. Dies ist um so dringlicher, als bereits versucht wird, die Rationierung am Krankenbett von der Not zur Tugend zu erheben.
Es war wirklich schamlos, wie im letzten Jahr ausgerechnet auf dem Kongreß der Deutschen Krebshilfe über "medizinisch sinnvolle Prioriätensetzung" und "optimalen Mitteleinsatz" doziert wurde. Dort hieß es, das medizinisch Mögliche sei leider wegen zu knapper Mittel nicht mehr machbar. Werde dennoch mit allen Mitteln bei jedem Patienten gekämpft, dann fehlten diese Mittel bei anderen, erfolgversprechenderen Fällen. Dies aber könne doch kein Arzt wollen. .
Weg vom Einzelfall, so lautete die neue Devise. Die Entscheidung, einen Patienten nicht zu behandeln, soll vom Arzt weg auf eine gesichtslose Instanz abgewälzt werden - die der Gesellschaft und der Politik. Dort soll entschieden werden, wieviel Geld uns ein kranker Mensch wert ist. Wir starteten daraufhin eine große Kampagne, in der wir uns an fast jede einzelne Institution und Selbsthilfegruppe im Lande wendeten, die im Bereich Krebsbekämpfung arbeitet.
Dieser Ruf nach einer Ethik der Straße wird übrigens auch an anderen Ecken und Enden laut. Gesellschaftliche Diskussionen sollen über die Verteilung knapper Gelder im Gesundheitswesen, bei Sterbehilfe, Abtreibung und über den Gebrauch menschlicher Embryonen entscheiden. Dazu argumentiert man, daß ja nur das Christentum die Unantastbarkeit und Heiligkeit menschlichen Lebens lehre. Die Christen seien aber in der Minderheit und da wir in einer Demokratie leben, habe eben die Mehrheit das Sagen.
Doch wenn am Ende mehrheitsfähige unmoralische Regelungen als neue ethische Normen präsentiert werden, dann hat dies eben nichts mit Ethik, sondern sehr viel einer geschickten Manipulation der Öffentlichkeit zu tun.
Dies ist die Lage. Sie ist unschön und bedrückend. Sie reflektiert den Zustand einer Gesellschaft, die nicht mehr weiß, wieso menschliches Leben ein ganz besonderes Gut ist. Die vergessen hat, warum man sich um sich selbst, den Nächsten und den Fremden kümmern sollte. Und die auch nicht weiß, daß erst dieses Kümmern Lebensmut, Lebenssinn und Lebensfreude vermittelt.
Diese arme gebeutelte Welt, die so offensichtlich ein Opfer bösartigster Club-of-Rome-Strategen geworden ist, braucht nichts so dringend wie die politischen und kulturellen Lösungsvorschläge des Club-of-Life-Gründungsmitglieds Lyndon LaRouche. Wir vom Club of Life haben eine zentrale Bedeutung bei der politischen Durchsetzung der Programme: indem wir kompromißlos, einfallsreich und liebevoll den Grundsatz der Unantastbarkeit menschlichen Lebens verteidigen.