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Aus der Neuen Solidarität Nr. 1-2/2002

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Die neue Seidenstraße

Die Bedeutung der Transsibirischen Bahn als wichtigster "Verkehrskorridor von Japan nach Europa" war Thema einer Ausstellung, die am 18. Dezember in der russischen Botschaft in Tokio eröffnet wurde. In seiner Eröffnungsansprache stellte der stellvertretende russische Eisenbahnminister Alexander Mischarin die "russischen Eisenbahnen als Schlüsselverbindung der Verkehrssysteme Asiens und Europas" vor und nannte einige Zahlen, um die wachsende Bedeutung dieser Verbindung zu veranschaulichen: die Transsib mit ihrer Gesamtlänge von nahezu 12000 Kilometern kann Güterzüge mit einem Gewicht von 9000 Tonnen tragen und bietet somit eine reale Alternative zum bisher noch dominanten Seetransportweg von Japan und Asien nach Europa. Im Jahr 2000 nutzten 430 Containerzüge mit insgesamt 40000 Containern die Strecke, im Jahr 2001 bereits 500 Züge mit 50000 Containern.

Mit russischen Investitionen im Umfang von (umgerechnet) mehreren Milliarden Dollar über die nächsten Jahre soll die Strecke in die Lage versetzt werden, eines Tages bis zu 1 Million Container jährlich befördern zu können, sagte Mischarin. Rußland will sich verstärkt bemühen, japanische Industriefirmen für Investitionen in die Transsib zu gewinnen. Mischarin führte bereits erste Gespräche mit führenden Vertretern von Firmen wie Hitachi und Mitsui und besuchte während seines Aufenthalts in Japan auch die Hafenmetropole Jokohama, die nach russischen Vorstellungen eines Tages (nach dem Bau eines Eisenbahntunnels oder einer Brücke von Sachalin nach Hokkaido) als Endumschlagsplatz in Japan für Güter, die auf der Transsib transportiert werden, dienen könnte.

Der mehr als 15 Kilometern lange Eisenbahntunnel von Nord-Mouysk, einer der längsten der Welt, wurde nach 25-jähriger Bauzeit an der Baikal-Amur-Magistrale (BAM) am 21. Dezember durch Alexander Mischarin, den stellvertretenden Eisenbahnminister Rußlands, dem Verkehr übergeben. Der Tunnel, der sich zwischen dem Baikal-See und dem Fluß Witim erstreckt, verkürzt die BAM gegenüber der alten Trasse um fast 50 Kilometer. 30000 Arbeiter waren beim Bau des Tunnels, der streckenweise durch tektonisch schwieriges Terrain führt, beschäftigt. Bei Ausmessen der tektonischen Gegebenheiten wurden neuentwickelte Geräte, die kleinste Veränderungen im elektromagnetischen Feld der Erde aufspüren können, eingesetzt, so daß aufwendige Probebohrungen in das Gestein vermieden werde konnten. Die Durchplanung der Trassenführung durch das Gestein konnte dadurch erheblich verkürzt werden. Die bei diesem Projekt gewonnenen ingenieurtechnischen Erkenntnisse sollen auch beim Bau künftiger Bahnstrecken durch gebirgige Gebiete angewandt werden.

Das Projekt der Hochgeschwindigkeitstrasse Seoul-Pusan soll um zwei Jahre beschleunigt werden, kündigte Südkoreas Präsident Kim Dae-jung am 17. Dezember an. Im Rahmen eines besonderen Konjunkturprogramms für die von drastischen Exportrückgängen geplagte südkoreanische Wirtschaft soll der Baubeginn am zweiten Streckenabschnitt zwischen Taegu und Pusan vorgezogen werden, so daß die Arbeiten dort bereits im Juni-Juli dieses Jahres beginnen können. Der erste Streckenabschnitt von Seoul nach Taegu wird Ende 2003 fertig sein und im April 2004 dem Verkehr übergeben werden. Die gesamte Trasse, die einen wichtigen Abschnitt der künftigen Transkorea-Bahn mit Anschluß an die russische Transsib bildet, wird ab 2008 für Hochgeschwindigkeitszüge regulär befahrbar sein.

Die Ankündigung des südkoreanischen Präsidenten stellt eine positive Kehrtwende in der Bahnpolitik dar, denn unter dem unmittelbaren Druck der Asienkrise war 1998 aus kurzsichtigem Blickwinkel entschieden worden, alle großen Infrastrukturprojekte vorerst aufzuschieben oder zu strecken, um den Staatshaushalt zu "entlasten."

Die neue dänische Regierung bekräftige am 12. Dezember die Absicht, eine feste Bahnverbindung über den Fehmarnbelt zu bauen. Das noch fehlende, 18 Kilometer lange Verbindungsstück einer durchgehenden Bahnverbindung von Deutschland nach Schweden wird den Reiseweg von Hamburg nach Kopenhagen um 170 Kilometer verkürzen. Bisher wird die Fehmarnroute über eine Bahnfähre zwischen Roedby auf der dänischen Insel Lolland und Puttgarden auf der deutschen Insel Fehmarn bedient. Die künftige Direktquerung über den Fehmarnbelt wird, falls nicht eine Brückenversion wie beim Oeresund zwischen Dänemark und Schweden gewählt wird, aus je zwei Tunneln für Bahn und Straßenfahrzeuge bestehen. Der Bau soll bis zu 6 Milliarden Euro kosten und in weniger als zwölf Jahren zum Abschluß kommen.

Dänischen Presseberichten zufolge haben die deutsche Bundesregierung und die Landesregierung von Schleswig-Holstein bereits ihre grundsätzliche Zustimmung zum Projekt signalisiert. Die Regierungen beider Länder werden im April zusammentreffen und über das Projekt beraten. Eine detaillierte Projektstudie soll Mitte dieses Jahres vorliegen, mit dem Bau könnte schon 2003 begonnen werden.

 

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