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Aus der Neuen Solidarität Nr. 12/2002

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Das Paradox der US-Stahlzölle blüht und gedeiht

Von Lyndon LaRouche


Die eigene Zukunft verbaut

Die Nachricht, daß die Vereinigten Staaten bei den Stahlpreisen zum "fairen Handel" zurückkehren, droht rund um die Welt zahllose Geschädigte aus der "Babyboomer-" oder "68er-Generation" hoffnungslos in den Wahnsinn zu treiben.

Die eigentliche Neuigkeit ist, daß der Stahlpreis als solcher gar nicht die Ursache dieser akuten Angstzustände ist. Die Erklärung für dieses psychiatrische Problem, das man u.a. bei fast allen bekannten Zeitungskommentatoren Amerikas beobachten kann, ist der Umstand, daß die meisten "Babyboomer" und viele ihrer inzwischen hochschulreifen Kinder sich weigern, sich überhaupt auch nur mit irgendeinem Paradox auseinanderzusetzen, einfach weil es ein Paradox ist.

Der neue Stahlschutzzoll ist ein klassisches ontologisches Paradox, wie aus dem Lehrbuch. Es läßt sich folgendermaßen zusammenfassen.

Irgendein Kerl spricht das übliche Mantra aus: ",Freihandel' ist gut für die Wirtschaft, und wir müssen uns auch weiterhin an diese Politik halten." Aber der gleiche Kerl sagt: "Die Wirtschaft braucht auch Stahl, und die Stahlindustrie wird ohne ,fairen Handel' nicht überleben." Einige Leute in den USA und auch anderswo verwandeln sich, wenn sie dieses Paradox hören, von scheinbar besonnenen Bürgern in Wesen aus einer anderen Welt, die sich wie Tollwütige im Karneval aufführen.

Warum diese psychopathologische Reaktion? Es ist wie der Mann, der die Scheinwerfer seines Autos zertrümmert, weil "das Ding nicht anspringen will!"

Die Mehrheit des US-Kongresses und der Präsident reagierten auf den Umstand, daß die weitere Existenz der amerikanischen Stahlindustrie eine vorrangige Frage der nationalen Sicherheit ist, sowohl für die Wirtschaft als solche als auch für die Landesverteidigung. Aber die typischen "68er" und gewisse Zeitungsschreiber werden wütend, wenn sie daran erinnert werden, daß eine Wirklichkeit existiert. So wie der kopflose Automechaniker wutentbrannt die Scheinwerfer zerschlägt, weil der Wagen, den er "gerade repariert hat, nicht anspringen will", schlagen sie auf die Welt um sich herum ein, weil diese Welt von ihnen mit Nachdruck rationales Verhalten fordert.

Die Protestierenden hassen Paradoxe. Deswegen haben viele in den USA und Europa auf die Nachricht der Stahlzölle so extrem gereizt reagiert. Man muß geradezu befürchten, daß harmlose Hühner, die ihnen zufällig zu nahe kommen, plötzlich ein schreckliches Ende finden.

Es ist wie bei jedem echten ontologischen Paradox: Das Paradox zwingt den Geist, ein universelles physikalisches oder qualitativ vergleichbares Prinzip zu entdecken - so wie im Fall von Johannes Keplers Entdeckung der universellen Schwerkraft - , welches das Paradox auflöst und damit praktisch aus der Welt schafft.

Die eigene Zukunft verbaut

Mehr als 35 Jahre lang wurden zwei Generationen von Amerikanern - die jungen Menschen von damals und ihre Kinder von heute - darauf konditioniert, sich für die sogenannte "nachindustrielle Gesellschaft" zu begeistern. Seit damals haben die Bildungseinrichtungen, die Massenmedien und die Beschäftigungspolitik mit vereinten Kräften einen Großteil dieser Generationen dazu gehirngewaschen, an eine wissenschaftsfeindliche Welt zu glauben, in der die "Verbraucher" wie moderne Maschinenstürmer über die verhaßten "Produzenten" triumphieren.

Eine der psychologischen Waffen in dieser Massengehirnwäsche an zwei ganzen Generationen war das immer und immer wieder eingehämmerte Mantra: "Wir brauchen den freien Handel!" Protektionismus, Produktion, Technik, Naturwissenschaft, Industrie und Landwirte wurden als "out" abgestempelt, als etwas, was nur noch für die Unterschicht taugt - möglichst Billigarbeitskräfte aus dem Ausland. Immer wieder und wieder wurde erklärt "Die Preise müssen so weit 'runter, wie es irgend geht", selbst wenn das bedeutete, im eigenen Land die Bauernhöfe und Industriebetriebe zu schließen.

Ergänzt wurden diese Mantras durch die Kampagne zur Abschaffung des Nationalstaates über wirtschaftlichen Wahnsinn wie den Nordamerikanischen Freihandelsmarkt (NAFTA), die "Globalisierung" und die Errichtung eines "Weltrechtsstaates" ("world rule of law") als Waffe zur Zerstörung aller souveränen Nationalstaaten (die USA eingeschlossen).

Etwa seit 1995 kam zu diesem Wahnsinn wie NAFTA noch erschwerend der psychotische Traum von der "New Economy" hinzu, die kürzlich weltweit unterging. Man pries die "New Economy" als die Alternative zu Industrie und Landwirtschaft, die in Verbindung mit "Outsourcing" alles Gute, das Amerika einmal zu bieten hatte, von uns nehmen würde. Jetzt ist die "New Economy" mit einem großen Knall geplatzt, so wie es alle vernünftigen und intelligenten Leute immer schon vorhergesehen hatten, und wir erkennen plötzlich, wie die Zuschauer bei der Vorführung des Kaisers neuer Kleider, daß auch wir, genauso wie der Kaiser, fast nackt sind!

Wie der unschuldige kindliche Held jener Geschichte sagte Senator Daschle sinngemäß: "Ich liebe den Freihandel über alles, aber um die Stahlindustrie zu retten, brauchen wir fairen Handel." Diese paradoxe Äußerung und die entsprechenden Taten des Präsidenten der USA haben Gottseidank plötzlich die ganze Welt verändert. Der Grundpfeiler des ganzen wirtschaftlichen Irrsinns, der seit 35 Jahren immer mehr auf dieser Welt geherrscht hatte, ist gerade mit großem Getöse eingestürzt. Vielen in den beiden Generationen, die der Gehirnwäsche in "nachindustrieller" Ideologie unterzogen wurden, muß es so vorgekommen sein, als sei die Fantasiewelt in ihrem Kopf plötzlich komplett untergegangen.

Alle vernünftigen Leute und alle Verrückten, die wieder normal werden, werden aus diesem wahren Paradox die richtigen Schlußfolgerungen ziehen. Auch wenn es den Mantras des Konsumerismus widerspricht, es gibt morgen nur den Reichtum, den wir heute produzieren. Wenn die Welt überleben soll, muß sie den kürzesten Weg zurück zum Protektionismus nehmen. Es war allerhöchste Zeit!

Es war nur natürlich, daß die Leute, die so lange gehirngewaschen wurden, mehr als nur ein bißchen überschnappten. Seien Sie vorsichtig! Der Typ mit dem seltsamen Blick könnte im nächsten Moment die Scheinwerfer Ihres geparkten Wagens zertrümmern.

 

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