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Aus der Neuen Solidarität Nr. 23/2002

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Kulturkrieger präsentieren Arafat-Ersatz

Am 24. Mai präsentierte die "Clash-of-Civilizations"-Clique ihren Wunschkandidaten für die Palästinenserführung. Auf einer Veranstaltung des Hudson Institute im Washingtoner Hotel Mayflower wurde ein gewisser Omar Karsou in großer Aufmachung als Gegenkandidat zu Jassir Arafat vorgestellt. Karsou gab die Gründung der Organisation "Demokratie in Palästina" (DIP) bekannt und erklärte, neuer Palästinenserpräsident werden zu wollen.

Der 53jährige Karsou entstammt einer bekannten palästinensischen Bankiersfamilie, wurde in den USA ausgebildet und arbeitete seither in der international tätigen Familienbank. Sein Auftritt war sterbenslangweilig. Der Höhepunkt seiner bereits zuvor im Wall Street Journal hochgespielten Rede war, daß angeblich folgender Witz unter der "schweigenden Mehrheit" in Palästina umgehe: "Wir lebten unter britischer Besatzung. Wir lebten unter israelischer Besatzung. Und jetzt leben wir unter tunesischer Besatzung" - eine Anspielung auf Arafat und die PLO-Spitze, die Ariel Scharon 1982 auf Betreiben der USA vom Libanon ins Exil nach Tunesien ausreisen ließ, anstatt sie umzubringen. Karsou warf die PLO und Fatah in einen Topf mit extremistischen Gruppen wie Hamas.

Karsou hat bereits die Unterstützung des weit rechts stehenden israelischen stellvertretenden Ministerpräsidenten Natan Scharansky erhalten.

Abgesehen davon fiel bei der PR-Veranstaltung auf, daß niemand anderer als der berüchtigte Pentagon-Berater Richard Perle und der uralte Vorkämpfer des "Kampfes der Kulturen" Bernard Lewis die Werbetrommel für den "armen reichen Palästinenserboy" rührten. Perle, Vorsitzender des Defense Policy Board, betonte, er sei gegen einen "selbstregierten Palästinenserstaat" (sicherlich eine seltsame Art der Wahlkampfhilfe für Karsou). Lewis verstieg sich zu einer Haßtirade gegen das saudi-arabische Regime. Auf die Frage, was mit Saudi-Arabien geschähe, wenn das Öl zu Ende ginge, meinte er: "Das Königreich könnte zerfallen, das wäre aber kein Unglück."