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Aus der Neuen Solidarität Nr. 27/2002 |
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Auf dem Podium sollten sich Christian Wulff, stellv. CDU-Vorsitzender, Thomas Oppermann, SPD-Landeswissenschaftsminister, die evang. Landesbischöfin Margot Kässmann, die GEW-Vorsitzende Eva Maria Stange und der erste Günther-Jauch-Millionär Prof. Eckard Freise aus Wuppertal den Kopf über die in der PISA-Studie beklagte Bildungsnot zerbrechen. Nachdem Wulff und Oppermann ausführlich ihre jugendlichen Pennäler-"Ehrenrunden" beschrieben hatten - mit Betonung auf: "Schaut mal, aus uns ist doch trotzdem was geworden" - , verlor sich der Abend zunehmend in Nebensächlichkeiten. Bis auf die GEW-Vorsitzende Stange traten alle bestenfalls für mehr Disziplin an den Schulen, mehr Ordnung, Autorität und Verläßlichkeit ein.
Auch wolle man die Eliteförderung an Hochschulen verbessern. Die einzige inhaltliche Begründung hierfür war: Deutschland dürfe schließlich im internationalen Wettbewerb nicht hinterherhinken. Frau Stange favorisierte das finnische bzw. schwedische Modell, wo alles frei und liberal zuginge. Wer inhaltliche Aussagen erwartet hatte, wartete vergebens. Man hätte sich z.B. gewünscht, daß nach dem Massaker von Erfurt Schlüsse gezogen worden wären, wie das Schulsystem und seine Wertevermittlung in unserer Gesellschaft wieder eine größere Rolle spielen könnte.
Schließlich kam ein Vertreter der BüSo zu Wort. Auf die einfache Frage, wie sie denn eine vernünftige Allgemeinbildung wiederherstellen wollten, und zu welchen höheren Zielen und Werten die Kinder ihrer Ansicht nach erzogen werden sollten, reagierte das Podium mit seltsamer Hektik. Nervöses Lachen sollte darüber hinwegtäuschen, daß keiner der anwesenden Diskutanten überhaupt nur die geringste Ahnung von den tieferliegenden Gründen der Bildungsmisere hatte und insofern auch keine eine Antwort geben konnte.
Die Veranstaltung wurde Minuten später beendet und das Publikum nach Hause geschickt. Wenn die Entscheidungsträger schon vor so einfachen Grundfragen davonlaufen, kommt es um so mehr auf den verantwortungsbewußten Bürger an, sich einzumischen - so wie die BüSo.
Roland Pagel
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