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Aus der Neuen Solidarität Nr. 28/2002 |
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Witzbolde sehen schon kommen, daß US-Präsident George W. Bush bald eine neue Rede im Rosengarten des Weißen Hauses über den Zusammenbruch der Weltwirtschaft halten wird, um die Öffentlichkeit von den verheerenden Folgen seiner Nahostpolitik abzulenken.
Besonders seit Bushs tragischer Nahostrede vom 24. Juni äußern viele Amerikaner - Demokraten wie Republikaner - den Verdacht, der Präsident sei nur eine willenlose Kugel in einem alptraumhaften Flipperspiel, in dem die Spieler auf der einen Seite seine eigenen spinnerten Berater und auf der anderen seine noch verrückteren Widersacher im Umkreis der Senatoren McCain und Lieberman sind.
Gerry Rose hat die weiteren Perspektiven nach Bushs Rede, wie sie Lyndon LaRouche analysierte, am 26. Juni in einem internen Nachrichtenüberblick zusammengefaßt:
"Wenn Präsident Bush nicht bereit war, Scharon zu drängen, seine Angriffe sofort einzustellen, wäre es besser gewesen, das Weiße Haus hätte gar nichts getan, denn Bushs Rede im Rosengarten entfesselte ein Szenario, das Bush nicht kontrollieren kann...
Die Leute um Scharon werden es als grünes Licht auffassen, Palästinenserpräsident Arafat zu töten, während sie vorgeben, mit Bushs Rede ,zufrieden' zu sein... Jetzt müssen die israelischen Fanatiker nur noch einen furchtbaren Terroranschlag inszenieren, der den Palästinensern angelastet wird, und die ganze vermeintlich ,positive Wirkung' der Rosengartenrede geht den Orkus hinab.
Die Regierung Bush hat panische Angst vor dem Wirtschafts- und Finanzkrach, und sie hat einen schweren Fehler begangen, der einen großen Krieg nach sich ziehen könnte, in dem Israel sogar seine Atom-U-Boote gegen den Iran oder den Irak einsetzen könnte. Die Israelis wollen Arafat loswerden und die Hamas ans Ruder bringen - und dann wird der Krieg losgehen. LaRouche ist entschlossen, es nicht dazu kommen zu lassen.
Bushs Versagen ist vor dem Hintergrund zu sehen, daß seine Regierung unter der gleichen Dummheit leidet wie alle anderen Kleingeister, die rund um die Welt Regierungsämter bekleiden. Die Angst dieser Regierungen vor dem voranschreitenden Finanz- und Währungszusammenbruch und die unsägliche Beschränktheit der führenden Politiker der Welt bestimmen daher den zeitlichen Rahmen für einen Krieg mit unkalkulierbaren Konsequenzen im Spätsommer. Wenn US-Finanzminister Paul O'Neill jetzt Herbert Hoovers Wiederwahlpropaganda vom Aufschwung just around the corner aufwärmt, dann zeigt das, warum die Regierung Bush außer Rand und Band gerät. Und es überrascht keineswegs, daß Bush mit dieser Rede die denkbar schlechteste Richtung eingeschlagen hat, da sie die Kriegsgefahr noch erhöht."
Zwei Tage nach Bushs Rede erklärten zwei israelische Weltraumwissenschaftler in der Zeitung Ha'aretz vom 26. Juni, Israel sei nunmehr in der Lage, Raketen auf Ziele überall auf der Welt abzuschießen. Gleichzeitig wurde berichtet, der Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad habe dem Nordatlantikrat der NATO erklärt: "Israel kann nichts unversucht lassen, um die Beschaffung von Massenvernichtungswaffen durch Länder wie Iran, Irak, Syrien und Libyen zu durchkreuzen, zu verhindern oder zu verzögern."
Rose schloß: "Manchmal besteht die Nachricht darin, daß die eigenen Vorhersagen sich immer weiter bewahrheiten."
Solche Auftritte wie die theatralisch inszenierte Rosengartenrede des Präsidenten geben Anlaß zu Sticheleien wie: "Ist der Teleprompter des Präsidenten ein Bauchredner?" Die Gehässigkeit, womit er den Text ablas, war unverkennbar und ließ Böses ahnen; aber hat der Präsident auch nur annähernd verstanden, welche praktischen Implikationen die von ihm abgelesenen Worte nach sich ziehen? Hat man den Präsidenten schon in eine programmierte Drone verwandelt, die im Weißen Haus Sandkasten spielen darf, oder in eine Art Vogelscheuche? Für den Kenner klassischer Tragödien ist die Sachlage klar und die Folgen allesamt häßlich.
Man betrachte einige interessante finanzielle Fakten. In der Zeit, seit der Kollaps des Finanzsystems im Frühjahr 2000 außer Kontrolle geriet, haben die vermögendsten Geldleute "alter Schule" überall ihren Besitz im Schnitt erheblich vergrößert. Gleichzeitig machten in den letzten zwei Jahren nicht nur die "New Economy", sondern auch immer mehr einst solide Großunternehmen samt ihren Anlegern und Rentenplänen pleite. Die offensichtliche Schlußfolgerung ist, daß die Schlauesten unter den Reichen der Welt offenbar mit LaRouches Wirtschaftsprognose übereinstimmen, während die starrköpfigen Dummköpfe, die LaRouches Warnungen und Führung ablehnten, finanziell vor die Hunde gehen.
Wie ist es dazu gekommen?
In den letzten vier Jahrzehnten haben immer mehr Menschen in Europa und Nordamerika - und nicht nur dort - neue Spielregeln für das angeblich richtige Verhalten aufgestellt oder sich einfach mit ihnen abgefunden. Diese Regeln sind andere als die, nach denen die Amerikaner und andere zu Zeiten der Präsidenten Roosevelt, Eisenhower und Kennedy spielten. Spätestens als Präsident Carter Paul Volcker zum Notenbankchef und praktisch zum Kontrolleur des Präsidenten der USA machte, waren diese neuen Spielregeln des Währungs- und Finanzspiels aufgestellt.
Als in den 90er Jahren die sog. "goldene Generation" (die in den 60er Jahren studierten) in die Führungspositionen von Regierung und Unternehmen vorrückte, hatten Regierung, Unternehmen und Bevölkerung die Spielregeln des Volcker-Greenspanschen Systems akzeptiert.
Die gerade zu Ende gegangene Fußballweltmeisterschaft, aufgezogen wie ein Gladiatorenkampf in der Weltarena, beleuchtet diese neue Mentalität sehr gut: Wer das Spiel gewinnt, der gewinnt die Welt. Wer auf dem Spielfeld gewinnt, der gewinnt eine Nacht mit seiner Traumfrau. Was beherrscht das Fernsehprogramm? Zuschauersport, Zuschauersex, Zuschauergewalt, Zuschauerroulette - auch "Börsenbericht" genannt. Wo ist die Realität geblieben?
Man erinnere sich, wie die sogenannten "Bürger" des alten imperialen Rom zu Zeiten Neros und seiner Nachfolger sich auf dem Weg in das selbstverschuldete finstere Zeitalter Westeuropas durch "Brot und Spiele" kontrollieren ließen. Der Untergang Roms war bereits zur Zeit Kaiser Neros besiegelt - es sei denn, jemand hätte die Spielregeln, die Regeln der imperialen Herrschaft verändert. Jahrhunderte später ereilte dieser Untergang Rom und seine Bürger, weil sie an den Spielregeln, die zum Untergang führen mußten, festhielten.
Heute dreht sich das Rad der Geschichte schneller als zu Neros Zeiten. Jeder, der genügend Wissen und Intelligenz besaß, wußte schon um die Zeit der Ermordung Kennedys, daß es mit den Vereinigten Staaten bergab ginge, wenn das Land nicht sofort aufhörte, nach jenen neuen Spielregeln zu spielen, die dann unter Nixon und Carter in "politischen Beton" gegossen wurden. Fast drei Jahrzehnte nach Präsident Kennedys Tod ist das Spiel nahezu ausgespielt. Die Sünden der Väter treffen die Söhne und Enkel. So ist die Geschichte.
Präsident Bush sitzt gefangen im Spiel - "Spiel" wie in "Glücksspiel", wie in "Spieltheorie", wie in Alan Greenspans Finanzblase, wie in den abartigen Spielen von Sandkastenstrategen wie Wolfowitz, Perle, McCain, Lieberman und wie in den Computer-Killerspielen.
Menschen, die ein Spiel ernster nehmen als die Wirklichkeit, nennen wir verrückt. Wenn in einem Land Spiele die Wirklichkeit ersetzen, dann ist dieses Land verrückt, in dem Sinne, daß es sich auf die Selbstzerstörung zubewegt. Unter bestimmten Krisenbedingungen, wenn ein Überleben nur möglich ist, wenn man unumstößliche Spielregeln bricht, werden ganze Nationen und ihre Regierungen kollektiv wahnsinnig, so wie es bei vielen Regierungen auf der Welt heute der Fall ist. Die Ursache dieses Massenwahns ist die Angewohnheit, das Spiel gewinnen zu wollen, statt sich den Herausforderungen des realen Lebens in der realen Welt zu stellen, die jenseits des Spielplatzes liegt, auf dem Kinder, Jugendliche und Erwachsene ihre unbeschreiblichen Phantasien ausleben.
Es ist ein doppeltes Problem: Die Spielregeln sind heller Wahnsinn, aber die Menschen, einschließlich Präsident George W. Bush jun., bestehen darauf, das Spiel weiterzuspielen. Wenn der Präsident hartnäckig an einer Politik (wie etwa dem "Freihandel") festhält, fühlt man sich dabei häufig an das Zeichentrickmännchen erinnert, das über eine Brücke rennen will, die gar nicht da ist. Die Spielregeln, nach denen der Präsident spielt oder gespielt wird, sind die Brücke, die nicht da ist.
Der Präsident ist entschlossen, massiv aufzurüsten und die Rüstungsausgaben massiv zu erhöhen, und seine Liste der geplanten ausländischen Militärabenteuer wächst ständig, aber gleichzeitig zerstört er die wirtschaftlichen Mechanismen, die über Erfolg und Mißerfolg jeder Mobilisierung der Realwirtschaft entscheiden. Man kann sich vorstellen, daß irgendwo im Inneren der Administration ein Roboter sitzt, der zu sich sagt: "Ich muß mich jetzt selbst vernichten", sobald er im Begriff steht, etwas zu tun, das wirklich in seinem Interesse ist, aber in Konflikt mit seinen erklärten Zielen geraten könnte. Man kann sich vorstellen, daß dieser Roboter die Rede diktiert hat, die Präsident Bush am 24. Juni im Rosengarten abgelesen hat.
Es gibt einen Ausweg, einen Weg zurück zur Vernunft. Dieser Weg heißt: "Schluß mit dem Spiel. Zurück zur Realität." Scharons wahnsinnigem Vorstoß in den Nuklearkrieg muß Einhalt geboten werden.
(Aus einem Kommentar der online-Ausgabe von Executive Intelligence Review EIW vom 30. Juni)
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