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Bei Stichwörterm wie embryonale Stammzellen, Klonen, Eingriff in die menschliche Keimbahn oder Präimplantationsdiagnostik ist angesichts der verwirrenden Debatte um das, was ethisch vertretbar und was die Würde des Menschen verletzt, größte Klarheit erforderlich. Der folgende Aufsatz faßt einige der Kernpunkte der aktuellen Auseinandersetzung zusammen.
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Diese Feststellung sollte man im Kopf behalten, wenn wir uns nun den jüngsten Prädikaten dieser Debatte zuwenden. Wie bereits berichtet, hatte sich die Enquetekommission Recht und Ethik in der modernen Medizin, die durch einen Beschluß des deutschen Bundestages im März des Jahres 2000 eingesetzt wurde, jüngst mehrheitlich gegen die Herstellung und Verwendung von Embryonen zu Forschungszwecken ausgesprochen. Gleichzeitig empfahl sie der Regierung, auch den Import von im Ausland hergestellten embryonalen Stammzellen zu untersagen. Leider gab die Enquetekommission dem Bundestag für die weitere Debatte keine eindeutige Empfehlung. Mehrheits- wie Minderheitenposition wurden gleichberechtigt nebeneinander publiziert und den Abgeordneten für die Ende Januar anstehende Bundestagsabstimmung über den Import embryonaler Stammzellen eine Gewissensentscheidung empfohlen.
Der vom Kanzler (als ausdrücklicher Befürworter embryonaler Stammzellforschung) persönlich nominierte und entsprechend parteiisch besetzte "Nationale Ethikrat" votierte wenige Wochen später erwartungsgemäß anders. Hier sprach sich eine Mehrheit für eine vorläufig befristete und an Bedingungen gebundene Befürwortung des Imports embryonaler Stammzellen aus. Nur eine Minderheit votierte für ein vorläufige Ablehnung (Moratorium) bis Ende 2003, bis der Bundestag hierzu eine gesetzliche Regelung auf den Weg gebracht hätte. In der Zwischenzeit müßten eine Reihe von Punkten geklärt werden. Von diesen Ratsmitgliedern war es wiederum nur eine Handvoll, die gleichzeitig ihre prinzipielle Ablehnung der Verarbeitung embryonaler Stammzellen bekundeten.
Der Eiertanz, der zu dem Thema "Import embryonaler Stammzellen" aufgeführt wird, ist dadurch zu erklären, daß das deutsche Embryonenschutzgesetz die Herstellung von Embryonen zu Forschungszwecken verbietet. Befürworter argumentieren spitzfindig, daß dies nicht für den Import im Ausland hergestellter Stammzellinien gelte. Wohlweislich wird dabei verschwiegen oder übersehen, daß zum Zeitpunkt der Verfassung des Embryonenschutzgesetzes diese Möglichkeit noch gar nicht angedacht war und daher auch nicht ausdrücklich verboten werden konnte. Klar ist aber in jedem Fall, daß der Geist dieses Gesetzes auf dem grundgesetzlichen Lebensschutzgebot basiert und verbotene Praktiken nicht deshalb rechtens genannt werden können, weil der "Rohstoff" aus dem Ausland kommt. In welchem Land der Erde auch immer, jede einzelne Stammzellinie entstand dort auf die bei uns verbotene Weise, indem ein menschliches Wesen zu Forschungszwecken getötet wurde. (Aus ähnlich grundsätzlichen Erwägungen ist übrigens in Deutschland auch nicht nur der Organhandel verboten, auch alle aus diesem Handel stammenden ausländischen Organe dürfen in Deutschland nicht verpflanzt werden.)
Um die besondere Brisanz der Thematik besser zu verstehen, ist hier ein Wort über die Besonderheit von Stammzellen und die Unterscheidung zwischen adulten und embryonalen Stammzellen angebracht, die Dr. Lillge in seinem Artikel "Sind adulte Stammzellen den embryonalen überlegen?" (Neue Solidarität Nr. 32 vom 8. Aug. 2001) folgendermaßen beschrieb:
"Ganz allgemein zeichnet sich eine Stammzelle dadurch aus, daß sie sich durch Teilung und Mehrung selbst erneuern und zu verschiedenen Zelltypen ausreifen kann. Die Stammzelle mit dem größten Vermögen (totipotent) ist die befruchtete Eizelle, die einen kompletten Organismus aufbauen kann. Nach heutigem Wissen besitzt die befruchtete Eizelle noch bis zum 8-Zellen-Stadium Totipotenz, in den späteren Stadien verfügen die Zellen nur noch über ,Pluripotenz', d.h. sie können zwar noch viele verschiedene Gewebetypen bilden, aber keinen ganzen Organismus mehr. Embryonale Stammzellen, womit jene etwa 50 Zellen bezeichnet werden, die im Inneren der Keimblase (Blastozyste) zum eigentlichen Embryo heranreifen, haben eine solche Pluripotenz. In der weiteren Spezialisierung bilden sich dann auch die einzelnen gewebetypischen Stammzellen heraus, wie jene im Knochenmark, aus denen sämtliche anderen Blutzellen entstehen."
Bei der Gewinnung embryonaler Stammzellen als typisches Produkt der sogenannten "verbrauchenden Embryonenforschung" werden die embryonalen Stammzellen entnommen und damit der menschliche Embryo zerstört.
Um zu erklären, welche Bedeutung dieser Art "Forschungsrichtung" inzwischen zugemessen wird und mit welcher Verbitterung und Begehrlichkeit um den Import embryonaler Stammzellen gestritten wird, muß man etwas tiefer auf die Problematik eingehen. Man muß beispielsweise wissen, daß die in diesem Zusammenhang oft ins Spiel gebrachten Heilungsversprechen, die von der Bekämpfung schlimmer Krankheiten bis hin zur Züchtung neuer Organe reichen, letztendlich Techniken implizieren, die die meisten Menschen immer noch instinktiv ablehnen. Denn die in Deutschland erlaubte konservative Gewinnung embryonaler Stammzellen (etwa aus Fehlgeburten oder aus Abtreibungen) ist viel zu mühselig und zu begrenzt, um mit ihnen im erwünschten großen Maßstab forschen zu können. Und aus der Fortpflanzungsmedizin ist hierzulande bislang ebenfalls keine Hilfe zu erwarten, denn alle in vitro befruchteten Eizellen müssen der Frau prinzipiell auch wieder eingepflanzt werden.
Obwohl diese Praxis in anderen Ländern weitaus liberaler gehandhabt wird, gibt es weltweit bis heute nur knapp 60 menschliche ES-Forschungslinien. Die Forschung mit embryonalen Stammzellen wäre daher nur dann tragfähig und ausbaubar, wenn zusätzliche menschliche Embryonen durch Klonierung erzeugt werden. Im Prinzip wird bei dieser ungeschlechtlichen Art der Fortpflanzung einer menschlichen Eizelle das Erbmaterial entnommen und statt dessen der Kern einer Körperzelle eingefügt. Durch einen kurzen elektrischen Impuls wird die Eizelle stimuliert, sich zu teilen. Das Besondere an den auf diese Weise gewonnen ES-Stammzellen ist, daß diese mit dem Spender des Körperzellkerns identisch sind - ein Vorteil, der besonders mit Blick auf die Vermeidung von Abstoßungsreaktionen schon heute favorisiert diskutiert und in verschiedenen Einrichtungen in den USA und Großbritannien unter dem Begriff "therapeutisches Klonen" auch bereits praktiziert zu werden droht.
Tatsächlich wartete das US-amerikanische Biotech-Unternehmen "Advanced Cell Technology" Ende November vergangenen Jahres als erstes öffentlich mit der Nachricht auf, es habe den weltweit ersten Embryo "zum Zwecke der Gewinnung embryonaler Stammzellen" geklont. Ob es sich dabei tatsächlich um "wahre Klone" handelt, wie, wie Ian Wilmut, Schöpfer des Klonschafs Dolly gegenüber BBC bezweifelte, ist dabei zweitrangig und sei vorläufig einmal dahingestellt. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, daß vielerorts entschlossen und offenbar unbeirrt an der Perfektionierung dieser Klontechnik gearbeitet wird, obwohl alle diesbezüglichen Ergebnisse auf gravierende Entwicklungsschädigungen hindeuten.1
Andere Forscher versuchen den "Engpaß" menschlicher Eizellen dadurch zu umgehen, daß sie für ihre Klonexperimente entkernte Eizellen von Tieren benutzen - ein Unterfangen, das durch die Verwischung der biologischen Mensch/Tier-Grenze noch ganz andere Risiken heraufbeschwört.2
Natürlich ließe sich auf diese Art und Weise theoretisch ein ganzer Organismus herstellen - eine exakte Kopie des Spenders. Durch diese "reproduktives Klonen" genannte Technik ist das erste Klonschaf Dolly entstanden - und auf eben dieser Idee basieren Pläne ausländischer Fortpflanzungsmediziner, reproduktiv klonen zu wollen.
Doch sollte man nicht meinen, der Disput bei uns drehe sich - gemessen an dem, was anderenorts bereits geschieht - nur um Vorläufigkeiten. Daß auch in Deutschland irgendwann gemacht werden soll, was schon jetzt in Amerika und anderenorts geschieht, ist klar, doch spricht es kaum jemand deutlich aus. Unisono behaupten Kanzler, Forschungsministerin und Deutsche Forschungsgemeinschaft, Klontechniken sollen verboten bleiben. Dabei wissen sie, daß die praktische Anwendung der embryonalen Stammzellforschung zunächst einmal im "therapeutischen Klonen" liegt. Und ebensogut wissen sie, daß es nicht die "Ethik des Heilens" ist, welche diese Forschung vorantreibt, sondern der Wettlauf um Patentrechte und das erhoffte ganz große Geld.
Der Wunsch, möglichst viele "überzählige Embryonen" zu gewinnen, bedeutet keineswegs, daß mit der die PID nicht nach wie vor krankes Leben frühestmöglich aussortiert werden soll. Doch beschränkte sich eugenisches Gedankengut nie auf das bloße Selektieren von Menschen; dies war sozusagen immer nur die "zweitbeste Möglichkeit". Was dagegen im Vordergrund stand, war die Vorstellung, Menschen von Anfang an genetisch in einer Weise zu verändern, daß das "Endprodukt" den Vorstellungen der Eugeniker entsprach. Idealerweise sollten diese Veränderungen aber nicht mühselig in jedem einzelnen Menschen immer wieder aufs neue hergestellt werden müssen, sondern sich von selber vervielfältigen und auf die Nachkommen übertragen lassen. Das Klonen von Menschen kann dabei zwar als Vervielfältigungstechnik dienen, aber zuvor muß der gewünschte Typ Mensch erst einmal hergestellt werden.
Und tatsächlich sehen sich viele Eugeniker durch Forschungsergebnisse von amerikanischen Veterinärmedizinern an der Universität von Pennsylvania ihrem Traumziel nun wieder ein Stück näher gekommen. Erstmals wurde dort kürzlich über einen erfolgreichen Eingriff in die männliche Keimbahn von Mäusen berichtet. Es gelang, ein fremdes Gen in die sogenannten spermatogenen Stammzellen im Hoden von Mäusen einzupflanzen. Diese Stammzellen sind die Bildungsstätten der Spermien, ihr Erbgut wird also komplett an die Nachkommen weitergegeben. "Unsere Ergebnisse zeigen, daß einer genetischen Veränderung der spermatogenen Zellen mit Retroviren keine grundsätzlichen Hindernisse entgegenstehen und daß die fremden Gene nicht nur von Generation zu Generation weitergegeben, sondern auch aktiviert werden", faßte Ralph Brinster, der für die Leitung der Versuche verantwortlich ist, die Versuchsergebnisse zusammen.
Zur Erzeugung transgener Individuen - Tiere mit verändertem Erbgut - waren die Forscher bisher auf (die zahlenmäßig sehr begrenzten) weiblichen Geschlechtszellen gewiesen. Befruchtete und unbefruchtete Eizellen und sehr junge Embryonen wurden benutzt, um mit Hilfe von Retroviren fremdes Erbgut in die Zellen einzuschleusen. Diese Methode funktionierte bei männlichen Hoden- und Spermienzellen bislang jedoch nicht, obwohl die Arbeiten in der männlichen Linie wichtige Vorteile bieten. So erzeugt jedes Gramm Hodenmasse quer durchs Tierreich bis zum Menschen pro Tag rund zehn Millionen Spermien. Außerdem erneuern sich die spermatogenen Stammzellen ständig, und sie lassen sich tiefgefroren für längere Zeit aufbewahren. All das macht sie zu idealen Versuchsobjekten, zumal man mit ihren nahezu unbegrenzte Mengen von manipulierten Nachkommen erzeugen kann.
Es war jedoch trotz jahrelanger Anstrengungen bisher nicht gelungen, diese Zellen in der gewünschten Art und Weise zu beeinflussen. Man hielt sie deshalb vielfach für nicht manipulierbar, eine Meinung, die jetzt offenbar widerlegt wurde. Konkret entnahmen Brinster und seine Mannschaft jungen, wenige Tage alten und ausgewachsenen Mäusemännchen Hodenzellen und schleusten mit Hilfe eines Virus das Gen LacZ in sie ein. (LacZ ist ein harmloses sogenanntes Reporter-Gen, das bei derartigen Experimenten häufig eingesetzt wird, weil sich seine Vererbung und Aktivität durch eine einfache Farbreaktion nachweisen lassen.) Die manipulierten Zellen wurden unfruchtbaren Mäusemännchen eingepflanzt, die dann mit Weibchen fruchtbare Nachkommen zeugten. Das transplantierte Gen war über drei Generationen bis zu den Urenkeln der behandelten Mäusemännchen nachweisbar, und es war aktiv. Es wurde insgesamt an 4,5 Prozent aller Nachkommen weitergegeben; ein für derartige Versuche bislang sehr hohe Erfolgsquote.
Die Tiermediziner beschränkten sich darauf zu betonen, welchen Fortschritt ihre Arbeit für die genetische Grundlagenforschung bedeutet. Doch der nun gelungene Eingriff in die männliche Keimbahn enthält potentiell noch mehr Brisanz als das Klonen selbst, das mit der Geburt des ersten Klonschafs ebenfalls als "revolutionäre" Grundlagenforschungsarbeit angepriesen wurde. Zwar sind die neuen Experimente bislang relativ primitiv und die Einschleusung eines Reporter-Genes noch weit von einer Manipulation in Hinsicht auf die gezielte Herstellung erwünschter Eigenschaften entfernt. Doch wird man es natürlich nicht bei diesem Versuch belassen. Will man der Bevölkerung eine neue Technik aus dem Füllhorn der Gentechnik schmackhaft machen, wird nach dem altbewährten Muster verfahren: die Behauptung, dies diene "therapeutischen Zwecken" wird in einer Art und Weise verbreitet, die jeden Widerspruch oder bloßes Hinterfragen ob der Seriosität der Aussagen bereits im Keim erstickt.
Im Bereich der heute in Tieren praktizierten Medikamentenproduktion mag vielleicht tatsächlich ein sinnvolles Anwendungsgebiet liegen. Doch schon die ebenfalls diskutierte massenhafte Züchtung von "Super-Tierrassen" sollte unter den Erkenntnissen der Viehzucht ernsthafter diskutiert werden, als dies momentan der Fall ist. Bei dem leider vorherrschenden weitgehenden Unverständnis von Leben und lebenden Prozessen und der Unumkehrbarkeit solcher Versuche sind solche Experimente mit größter Vorsicht zu behandeln.
Was im Tierreich vielleicht sinnvoll, jedenfalls ethisch nicht per se unerlaubt ist, stellt sich bei Interventionen in die menschliche Keimbahn jedoch ganz anders dar. Schon jetzt beflügelt dieses Experiment die Phantasie derer, denen die Keimbahn des Menschen schon immer der Ausgangspunkt schlechthin war, Menschen genetisch von Anfang an manipulieren zu können. Einmal abgesehen davon, daß solche Arten der Manipulation selbst im Falle eines Funktionierens immer begrenzt sein werden, da der Mensch in seiner Entwicklung keineswegs durch die Summe seiner Gene bestimmt wird, sind solche Versuche aus einem einfachen Grunde schlicht verboten. Es gibt keine Keimbahninterventionen beim Menschen, ohne daß dies mit der ethisch a priori unerlaubten verbrauchenden Embryonenforschung und -nutzung einherginge, denn schließlich soll das Ergebnis ja begutachtet und bei Mißfallen wieder verworfen werden können.
Und auch hier - und insbesondere hier - ist wiederum nachdrücklich darauf zu verweisen, daß das vorherrschende reduktionistische Unverständnis von Leben und lebenden Prozessen solche Versuche als geradezu kriminell erscheinen läßt. Schon die bisherigen Experimente, Körperzellen genetisch zu verändern, haben zum allergrößten Teil zu Mißerfolgen und sogar Todesfällen geführt.
Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: wir sind nicht wissenschaftsfeindlich - im Gegenteil. Es gibt genügend Betätigungsfelder, in der Wissenschaftler schon heute heil- und segensbringend wirken können, ohne Dämme unwiederbringlich einzureißen.
Jutta Dinkermann
1. Geklonte Lebewesen zeigen häufig derart große Entwicklungssschäden, daß sie meist über ein Frühstadium nicht hinauskommen. US-Forscher beklagten Ende letzten Jahres auf einer Konferenz in Washington, daß offenbar bereits das Ersetzen des Zellkerns bei der sogenannten Kern-Transfer-Technik die mütterliche Eizelle so stark schädige, daß die Chromosomen bei der Zellteilung "aus dem Tritt kommen". Seit Jahren versuchen verschiedene Forschergruppen, Affen zu klonen. Die Embryos wirken von außen zwar normal, entwickeln sich jedoch nicht weiter. Tanja Dominko von der Firma "Advanced Cell Technology" untersuchte die Entwicklung geklonter Affen-Embryos, als sie noch am Oregon Regional Primate Research Center arbeitete. Gemeinsam mit dem Reproduktionsbiologen Gerald Schatten beobachtete Dominko 265 Embryos von Rhesus-Äffchen, die per Zellkern-Transfer geklont worden waren. Sie verfolgten die Entwicklung über mehrere Schritte der Zellteilung, bis hin zum 32-Zellen-Stadium. Die normal wirkenden Zellen entpuppten sich bei genauerer Untersuchung als "Horrorkabinett", so Dominko. Die Kerne der meisten Zellen enthielten keinen vollständigen Chromosomensatz, statt dessen waren die Chromosomen ungleichmäßig über die Zellen verteilt. Einige Embryos entwickelten sich zwar über das 32-Zellen-Stadium hinaus, doch am sechsten oder siebten Tag wirkten sie abnormal. Die menschlichen Embryos, die ACT kürzlich geklont hatte, sollen maximal das Sechs-Zellen-Stadium erreicht haben. Dominko vermutet, daß die Entwicklungsstörungen bei dieser Klontechnik auf eine Störung der Eizelle zurückzuführen sind. Bei Eizellen, denen der Kern entfernt und dann wieder zurückgegeben wurde, beobachteten die Wissenschaftler die gleichen Defekte. Außerdem zeigten sie Anzeichen von programmiertem Zelltod, ein Mechanismus, mit dem die Natur defekte Zellen an der Vermehrung hindert. Auch beim Klonen von Mäusen oder Kühen sind die Erfolgsraten nicht besonders hoch, berichtete Dolly-Schöpfer Ian Wilmut auf derselben Konferenz. Nur sehr wenige geklonte Tiere wie Schafe oder Kühe haben bisher die Geburt erlebt und überstanden. Bei ihnen treten dann aber nach der Geburt häufig genetische Fehler zutage. Viele sterben früh oder entwickeln sich nicht normal. Klonschaf "Dolly" muß wegen einer angeborenen Neigung zu Übergewicht strenge Diät halten. Neueste Meldungen sprechen von einer hinzugekommenen Arthritis, was auf einen vorzeitigen Alterungsprozeß hindeutet.
2. Chinesische Gentechniker von der Universität Zhongshan in Kanton haben Ende September letzten Jahres offiziell bestätigt, Erbgut eines Menschen in zuvor entkernte Eizellen von Kaninchen eingepflanzt zu haben. Für das auch als "Kerntransfer" bekannte Experiment setzten die Forscher die Kerne von Hautzellen eines Jungen in die Eizellen von Kaninchen ein und brachten die Zelle dazu, sich zu teilen. Seit Januar sei dieses Verfahren mehr als 100mal erfolgreich wiederholt worden. Danach hätten sich einige der geklonten Zellen in das sogenannte Morula-Stadium weiterentwickelt, wozu mindesten 16 Zellteilungen nötig sind. Die Übereinstimmung mit den Erbanlagen des Jungen betrage 99,999 Prozent. Aus den geklonten Zellen sollen menschliche Embryo-Stammzellen gewonnen werden. Professor Chen Xigu arbeitet seit drei Jahren an der Kreuzung von menschlichem und tierischem Genmaterial. Die Eizelle eines Kaninchens wurde verwendet, weil sie für das Experiment groß genug sei.
Es ist nicht das erste Mal, daß ein menschlicher Zellkern in eine tierische Eizelle verpflanzt wurde. Bereits 1998 hatten Forscher der amerikanischen Firma "Advanced Cell Technology" in Boston ein derartiges Experiment mit Kuheizellen durchgeführt. Australische Forscher sollen das gleiche mit Eizellen von Schweinen unternommen haben. Neu ist lediglich die offizielle Bestätigung solcher Experimente. Ein Sprecher der Pekinger Akademie der Wissenschaften nannte die Versuche, die die biologischen Grenzen zwischen Mensch und Tier durchbrechen, "schockierend." Eine Verwendung der gemischten Zellen sei "wissenschaftlich gefährlich" und ethisch bedenklich.
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