|
|
| Suchen | Abonnieren | Leserforum |
|
Aus der Neuen Solidarität Nr. 30/2002 |
|
Ulrike Lillge, Kandidatin im Bezirk Schöneberg-Tempelhof (WK 82), 52 Jahre, verheiratet, Dipl.-Bibliothekarin und Verlagsangestellte.
Nicht nur Berlin ist bankrott - die Weltwirtschaft ist es. Noch nie seit Ende des Zweiten Weltkrieges war die Lage so ernst wie heute. Schlüssel für die Krise ist der Zusammenbruch des internationalen Finanzsystems. Dieses Kartenhaus ist unrettbar verloren. Die verzweifelte Lage der USA mit ihrer Gesamtverschuldung von 33 Billionen Dollar, die Krise Japans, Osteuropas, der Flächenbrand in Iberoamerika, das alles hat auch seine Auswirkungen auf Deutschland.
Wem dies zu weit hergeholt ist, sei ein kurzer Blick auf die Situation Berlins empfohlen. Schon jetzt ist die Pro-Kopf-Verschuldung Berlins dreimal so hoch wie die Argentiniens. Offiziell wurde bestätigt, Berlin kann sich aus eigener Kraft nicht mehr aus der Schuldenfalle befreien, in welche die Stadt hineinmanövriert wurde. Der Berliner Doppelhaushalt 2002/2003 ist verfassungswidrig, die Bezirke sind gemäß ihres Verfassungsauftrags nicht mehr handlungsfähig. Die Schuldenquote Berlins beträgt gegenwärtig 50%, bis 2009 wird ein Ansteigen der Gesamtverschuldung am BIP auf 80% erwartet. Im Jahr 2001 standen Berlins jährlichen Einnahmen von 16,8 Mrd. Euro Ausgaben von 22,8 Mrd. Euro gegenüber.
Jeden Tag erreichen uns neue Hiobsmeldungen von Pleitenrekorden in Handwerk, Mittelstand und Industrie: Seit 1991 hat Berlin die Hälfte seiner Industriearbeitsplätze verloren. Die Arbeitslosigkeit befindet sich auf dem Höchststand, die Zahlen überschuldeter Privathaushalte und die damit einhergehende steigende Armut sind schockierend.
Entsprechend dieser Entwicklung hat sich auch das Stadtbild Berlins verändert. Städtebauer und Architekten wie Gilly, Langhans und Schinkel oder Bildhauer wie Schadow und Rauch orientierten sich an der Ordnung und Idee der Schönheit in der Klassik Griechenlands und Italiens, sie bauten ein "Spree-Athen" und hatten das Wohl und den Fortschritt derjenigen im Auge, für die sie bauten, nämlich der Menschen. Heute jedoch erleben wir die konsumorientierte Architektur der New Economy und der Dienstleistungsgesellschaft. Der Immobilienmarkt ist längst zum verlängerten Arm der spekulativen Börsengeschafte geworden; der häßliche Preis dafür ist, daß ganze Viertel vor allem im Ostteil der Stadt zu Slums verkommen.
Alle diese Symptome machen die Krise aus, ihre Zeichen sind im Mikrokosmos Berlins genauso deutlich sichtbar wie in der Welt insgesamt. Den Weg weiter so gehen wie bisher, verschlimmert die Situation. Kein Problem verschwindet von alleine, das sagt uns schon der gesunde Menschenverstand. Wie bei einer lebensbedrohlichen Krankheit brauchen wir ein wirksames Gegenmittel, das das Übel an der Wurzel packt.
Die Lösungsvorschläge der BüSo konzentrieren sich auf ein globales realwirtschaftliches Aufbauprogramm im eurasischen Maßstab, wofür u.a. die Aufbaupolitik der unmittelbaren Nachkriegszeit Deutschlands und Europas, einschließlich einer finanzpolitischen Neuorientierung in Richtung Bretton Woods, Vorbild ist.
Die Infrastrukturentwicklung hat auch in der Geschichte Berlins und seiner Bezirke eine große Bedeutung.
Das Dorf Schöneberg entstand an einer Handelsstraße, die Sachsen mit der Ostsee verbindet (heutige B1). Deren Verbindung Berlins mit Potsdam wurde 1791-93 von Carl Gotthard Langhans, dem Erbauer des Brandenburger Tores, im Auftrag Wilhelm II. als erste "Kunststraße" Preußens angelegt. Für die Randbezirke Tempelhof (das übrigens auf eine Gründung der Tempelritter zurückgeht) und Schöneberg war die weitere Verkehrsanbindung für den Wirtschaftsaufschwung entscheidend. Die Anbindung entstand 1838 nach Süden durch die Breite Chaussee (die heutige B 96) nach Dresden sowie durch die Eisenbahnlinie nach Potsdam. Mit dem Bau der Ringbahn 1872 wurde Tempelhof mit dem Berliner Zentrum verbunden, 1875 mit der Eisenbahn ebenfalls mit Dresden.
Dazu kam ein weiteres wichtiges Großprojekt, dessen Planungen bis ins Jahr 1861 zurückreichen: der Bau des Teltowkanals, der die Havel mit der Spree verband und Tempelhof einen Hafen verschaffte. Auf dringenden Wunsch der Bevölkerung, die nicht nur den Vorteil des neuen Transportweges, sondern auch seine Funktion als "Vorfluter" für die hohen Grundwasserstände erkannte, setzte sich der Landrat Ernst von Stubenrauch für seine Realisierung ein. Das ca. 38 km lange Kanalprojekt umfaßte 46 Straßen- und Wegebrücken und 9 Eisenbahnbrücken, 2500 Arbeiter bewegten 12,6 Mio. Kubikmeter Boden. Nach sechsjähriger Bauzeit wurde der Teltowkanal am 2. Juni 1906 eingeweiht.
Friedrich Wilhelm I. ließ im Norden Tempelhofs seit 1722 seine Soldaten exerzieren, und auf dem Tempelhofer Feld nahm später die Flugentwicklung und Luftfahrtindustrie ihren Anfang.
Alle diese Entwicklungen haben wir Frauen und Männern zu verdanken, die Visionen hatten und Pioniergeist besaßen. Mit Mut und mit ihrem Leben setzten sie sich für große Ideen ein, bekämpften den Kleinmut ihrer Zeitgenossen und gestalteten die Zukunft. Mit der gleichen Entschlossenheit werden wir auch die heutigen Probleme lösen können.
Die BüSo ist entschlossen, die Politik zu verändern. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung.
Wählen Sie am 22. September BüSo!
|
|
| Suchen | Abonnieren | Leserforum |