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Aus der Neuen Solidarität Nr. 30/2002
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"Bei uns kommen die Menschen zuerst!"
Ein Interview mit Ralf Geisendörfer, Diplom-Ingenieur, nach der Wende mehrere Jahre selbständiger Heizungsbauunternehmer, Landesvorsitzender der BüSo Sachsen. Er führt die sächsische Landesliste an und kandidiert als Direktkandidat im Wahlkreis Zwickau.
Wie lange kennst Du die BüSo und was hat Dich bewegt, der Partei beizutreten ?
Geisendörfer: 1990 wurden an einem Büchertisch in Zwickau Unterschriften gegen den Golfkrieg gesammelt, was ich natürlich gern unterstützte - gegen Krieg, immer. Bis 1992 las ich nur gelegentlich die Neue Solidarität und im Urlaub dann das Buch "Mit der Ölwaffe zur Weltmacht". Plötzlich begann ich die Politik zu verstehen, ich hatte den roten Faden gefunden. Nach dem Urlaub rief ich sofort bei der BüSo an und wurde echter Bürgerrechtler. 1994 hatten wir genügend Mitglieder in Sachsen organisiert, um einen eigenen Landesverband zu gründen, welcher mich im selben Jahr zum Landesvorsitzenden wählte und zum ersten Mal als Direktkandidat für die Bundestagswahl aufstellte.
Welche Hoffnungen hattest Du bei der Wende von 1989?
Geisendörfer: Abgesehen von einigen Vorzeigemodellen herrschte in der DDR in vielen Bereichen eine sehr primitive Art zu produzieren. Ideen, dies zu verbessern, blieben meist im Schlamm undurchsichtiger Kompetenzen stecken. Es war ähnlich wie heute: Wenn einer einen Schritt in die richtige Richtung versuchte, riefen gleich zehn Leute "Halt!" So geriet z.B. das "Gesetz über die neue wirtschaftliche Rechnungsführung" von 1982 umgehend wieder in Vergessenheit. Blinder Aktionismus hatte zu oft Priorität vor ernsthafter Grundlagenarbeit - da hätte man ja manche unsinnigen Tabus brechen müssen. Statt neue Kernkraftwerke zu bauen, machte man lieber Kampagnen zur Stromeinsparung. Die "Berlin-Initiative" polierte zwar die Hauptstadt auf, um international zu glänzen, verdammte aber den Rest des Landes zur Provinz.
Mit der Wende kam die Hoffnung auf moderne Maschinen und Werkzeuge, auf Hochtechnologie und "Know-how". Damals wußten die Menschen noch, daß der Wohlstand einer Nation davon abhängt, was, wieviel und wie produziert wird, und nicht davon, wieviel der Händler aufschlägt. Was heute übrig bleibt, sind industrieller Kahlschlag, Massenarbeitslosigkeit und grüne Lügenmärchen, aber vor allem eine wahnsinnige Angst vor der Zukunft.
Wie beurteilst Du die Wirtschaftslage in Sachsen?
Geisendörfer: Thüringen und Sachsen waren vor dem Zweiten Weltkrieg einmal das Maschinenbauzentrum Deutschlands. In Zwickau hat man die besonderen Eigenschaften der Steinkohle entdeckt, in Freiberg die erste Bergakademie gegründet. Die erste Ferneisenbahn wurde zwischen Leipzig und Dresden gebaut, und noch heute kann man die größte Ziegelbrücke der Welt über dem Göltzschtal im Vogtland bewundern. Das Erzgebirge war einst reich, und nicht nur durch den Bergbau. Bis heute begrüßen sich die verbliebenen Arbeiter mit "Glück Auf!", nur das "Glück" tut sich heute unsagbar schwer. Die einzige politische Kraft hier, die nicht bloß mitjammert, ist die BüSo. Nur bei uns werden Inhalt angeboten und nicht nur mit der Verpackung gespielt.
Der Spekulationswahn und die nachindustrielle Utopie brechen jetzt überall zusammen. Was muß getan werden ?
Geisendörfer: Die Lösung ist einfach. Wir müssen aus der Geschichte lernen, was richtig und was falsch war. Warum muß sich der Staat bei Privatbanken Geld mit Wucherzinsen borgen, obwohl er das Recht hat, das Geld seines Landes als Organisationsmittel des Wohlstandes selbst zu verwalten? Dort fangen wir an! Wir müssen das Finanzsystem wieder so organisieren, daß es allen Bürgern nützt und nicht schadet. Vorbilder gibt es genug - z.B. die Idee des Finanzsystems von Bretton Woods und den Marshall-Plan. 1931-32 hätte der "Lautenbach-Plan" zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit durch produktive Kreditschöpfung (und sein gewerkschaftliches Gegenstück, der "Woytinsky-Tarnow-Baade-Plan") Hitler verhindern können, wenn die SPD als wichtigste Oppositionspartei den Gewerkschaftsbund darin unterstützt hätte.
Mit diesem souveränen Geld muß man unsere heutige Windmühlen- und Froschzäunewirtschaft reorganisieren, um damit große Entwicklungsprojekte in Gang zu setzen, wie z.B. die Eurasische Landbrücke. Dazu braucht man die Magnetbahn genauso wie die modernsten Kernkraftwerke. "Geht nicht" gibt's nicht!
Wir müssen endlich mit diesen verrückten Experimenten aufhören. Wer die Freunde der Hartz-Kommission wählen will - bitte sehr, aber er soll sich nicht beschweren, wenn er dann vom Eigenheimbesitzer zum Obdachlosen mutiert. Der Staat hat eine Verantwortung für das Gemeinwohl und damit auch für das Sozialsystem. Eine Regierung, die das nicht erkennt, ist für mich a-sozial. Bei der BüSo kommen die Menschen zuerst. Wer setzt sich außer uns noch für das Gemeinwohl ein? Ich appelliere an alle wahlberechtigten Bürger: Helfen Sie uns, eine wirklich machtvolle Bürgerrechtsbewegung aufzubauen und geben Sie uns - für den Anfang - Ihre Stimme!