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Aus der Neuen Solidarität Nr. 31/2002 |
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Club of Life. Ein Kindermord in Berlin läßt den Verdacht auf politisch-ideologische Motive aufkommen. Gewissen "Bioethikern" sind Babyklappe und anonyme Geburt ein Dorn im Auge.
So etwas würde nicht einmal dem schlechtesten Krimi-Autor einfallen - und es ist auch kein Krimi: Im Krankenhaus Waldfriede in Berlin-Zehlendorf ertönte kürzlich ein Signal, ausgelöst durch die sogenannte "Babyklappe". In diese Klappe kann ein Neugeborenes anonym hineingelegt werden, um es der Mutter zu ermöglichen, ihr Kind erst einmal versorgt zu wissen, bis sie sich entweder entscheidet, das Kind zurückzuholen, oder es nach einer gewissen Zeit zur Adoption freizugeben.Die verantwortliche Krankenschwester holte das Baby aus der Klappe. Vorerst sah sie nichts Ungewöhnliches: Das Baby war in eine Decke gewickelt und schien zu schlafen. Als Arzt und Krankenschwester das Neugeborene untersuchten, kam der Schock: Das auffallend gut angezogene, gepflegte Kind war mit mehreren Messerstichen brutal ermordet worden! Für die Schwester, die den wenige Tage alten Jungen fand, war der Schock so groß, daß sie derzeit nicht arbeitsfähig ist.
Bis heute ist unklar, wer dies warum getan hat. Die Herrichtung der Leiche läßt es als unwahrscheinlich erscheinen, daß es sich hier um die Tat einer geistig verwirrten Mutter handelt, denn in solchen Fällen wird das tote Kind eher verscharrt oder sonstwie "entsorgt".
Wenn man verfolgt hat, wie erbittert in den letzten Wochen in Politik und Gesellschaft - zum Teil äußerst kleinlich und mit fadenscheinigen Argumenten, aber auch erbittert - um Spätabtreibungen, die Einrichtung und Legitimation von Babyklappen und der "anonymen Geburt" in Krankenhäusern gestritten wurde, kommt einem der schlimme Verdacht, daß hier wohl die "Babyklappe" selbst Angriffsziel war und bestimmte Kreise damit ein brutales Zeichen setzen wollten, daß sie positive Bewußtseinsänderungen in Sachen Lebensrecht nicht kampflos hinnehmen.
In der Debatte über den Schutz des menschlichen Lebens in Deutschland gab es in letzter Zeit kleine, aber ermutigende Zeichen. Sei es eine mögliche ideologische Änderung in der Bundesärztekammer oder recht eindeutige Beschlüsse auf dem letzten Deutschen Ärztetag, sei es der Widerruf der öffentlichen "Geständnisse" prominenter Frauen in den Medien "Ich habe abgetrieben" (die damals wesentlich zur Änderung des Paragraphen 218 beigetragen hatten). Ein Nachdenken über das Leben - so limitiert es auch sein mag, hat hier und da eingesetzt.
Ganz deutlich wurde dies in der Debatte um den Import embryonaler Stammzellen. Hier war plötzlich in der Bevölkerung und bei einigen Bundestagsabgeordneten eine Ernsthaftigkeit sichtbar, die geradezu erstaunte. Während man sonst von Politikern auf Anschreiben kaum eine nichtssagende Standardantwort von einem Bürosekretär erhält, erhielt der Club of Life auf ein Rundschreiben zum Thema Stammzellimport mehrere Dutzend persönlich unterzeichnete Antwortschreiben auch prominenter Abgeordneter aller Parteien. Das Erstaunliche: Viele brachten zum Ausdruck, daß sie sich mit den vorgefertigten Fraktionsargumenten, ja selbst mit den Berichten der diversen Kommissionen "in dieser schwierigen Frage" nicht zufrieden gegeben und deshalb eigene Recherchen und Überlegungen angestellt hätten. Noch erstaunlicher: Ihr oft seitenlanges Bemühen, dem Club of Life ihren persönlichen Entschluß (meist für ein ES-Einfuhrverbot) transparent zu machen. Und selbst bei den Befürwortern schwang zwischen den Zeilen ein nicht zu überhörender Zweifel mit.
Die Abgeordneten sind konfrontiert
Ehrlichen Menschen fällt diese Doppelzüngigkeit auf. Nimmt man dann noch die Fehlentwicklungen im Bereich Sterbehilfe/Euthanasie dazu, wo mit Kosten-Nutzen-Überlegungen kranke "teure" Menschen "aussortiert" werden sollen, dann ist dies für eine kleine, aber wachsende Anzahl von Menschen einfach zuviel.
Langsam, viel zu langsam zeichnet sich etwas ab, was ein Wandel werden könnte. Ganz so reibungslos, wie sich bösartige Bioethiker einen Umschwung in Deutschland versprachen, verlief die Entwicklung eben doch nicht, obwohl vieles falsch gelaufen ist und dies noch tut. Aber die Geschichte und das Verhalten eines Volkes ist ein sehr komplexes, ineinander verwobenes Gebilde, das nicht völlig vorhersagbar ist. Noch immer steht in punkto Lebensschutz alles auf der Kippe - doch merkwürdigerweise halten mehr Deutsche als erwartet, auch wenn sie ihr Christsein auch nicht "praktizieren", an ihrem christlichen Menschenbild fest.
Und in diesen Kontext gehört natürlich u.a. die mühevoll erkämpfte Einrichtung der "Babyklappe" in einer Reihe deutscher Krankenhäuser und Sozialeinrichtungen - ebenso wie der Kampf um Lebensrecht und Menschenwürde für hilflose Menschen in anderen gefährdeten Bereichen, die insbesondere die Kreise um den berüchtigten Bioethiker Singer zur erklärten Zielscheibe ihres Denkens und Handelns gemacht haben.
Ob der (oder die) Täter von Zehlendorf diesem Umfeld zuzurechnen ist oder u.U. einer satanischen Gruppe, vielleicht auch einer ideologisch entsprechend beeinflußten politischen Gruppe, ist unklar. Aber die Tat trägt alle Anzeichen einer "psychologischen Kriegführung", die als Gesamtsignal und in ihrer Gesamtwirkung nicht nur die "Betreiber" der Babyklappe einschüchtern und traumatisieren soll, sondern alle Menschen, die derzeit in durchaus unterschiedlichen Bereichen für Lebensrecht und Menschenwürde kämpfen. Was könnte provokanter, zynischer, kaltherziger sein, als ein Baby brutal zu ermorden, es in eine teure Kleidung zu stecken und es an einen Platz zu legen, der ausschließlich der Lebenserhaltung dieser kleinen Menschen dient?
Der kleine Junge ist tot. Ich habe lange überlegt, was ich diesem toten Kind mitgeben möchte, ihm vielleicht auf seinen Grabstein schreiben würde.
Was kann dieses tote Kind noch bewirken, dessen Leben doch gerade begonnen hatte? Kann solch ein Tod überhaupt irgendeinen Sinn haben? Darf man überhaupt in diesem Zusammenhang über "Sinn" sprechen? Bestimmt nicht im herkömmlichen Sinn.
Mir fällt dazu nur ein Wort von Papst Johannes Paul II. ein, das dieser einmal in einer Predigt über Märtyrer anführte: "Unter allen Umständen ist es dem Menschen möglich, zu einem Zeichen der siegreichen Kraft Gottes zu werden."
Man mag dies theologisch begreifen oder einfach als Aufforderung, ein besserer Mensch zu werden. In diesem Sinne kann das tote Kind in uns wirken - und, sind der Schock und die Trauer erst einmal überwunden und verwandeln sich in gerechten Zorn, dann wird die "Rechnung" dieses Verbrechens nicht aufgehen. Die Traumatisierung und der Schock werden weichen. In dieser Zuversicht können wir es begraben, ihm Frieden wünschen und uns mehr denn je unseren Aufgaben zuwenden.
Jutta Dinkermann
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