Aktuelle Ausgabe Diese Ausgabe Suchen Abonnieren Leserforum

Artikel als
=eMail=
weiterleiten

Aus der Neuen Solidarität Nr. 33/2002

Jetzt
Archiv-CD
bestellen!

Produktive Jobs durch den Transrapid

Wenn man bedenkt, daß die enorme Unterbeschäftigung in Deutschland einen gesamtwirtschaftlichen Schaden von rund 260 Mrd. Euro im Jahr verursacht, kommen die neuen Vorschläge der Hartz-Kommission wenige Wochen vor dem Wahltermin reichlich spät - mindestens vier Jahre zu spät! Die BüSo legte jedenfalls schon im letzten Bundestagswahlkampf ein detailliertes Konzept für die Rückkehr zur Vollbeschäftigung vor.

Peter Hartz schlägt vor, daß die staatseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau in den kommenden drei Jahren staatlich garantierte, festverzinsliche und steuerbegünstigte Sonderanleihen ("Job-Floater") im Umfang von 150 Mrd. Euro auflegen soll. Mittelstandsfirmen, die neue Arbeitskräfte einstellen, sollen aus diesem Fonds Kredite erhalten. Auch öffentliche Aufträge könnten damit finanziert werden. Aber welche?

Ein Arbeitsbeschaffungsprogramm dieser Größenordnung soll ja nicht bloß vorübergehend die Zahl der Arbeitslosen senken, sondern auf Dauer die produktive Wirtschaft wieder in Schwung bringen. Das geht nur mit Infrastrukturprojekten, vor allem in den Bereichen Verkehr, Energie- und Wasserversorgung. Wie das geht, hat die BüSo vor Jahren schon am Beispiel eines Transrapid-Netzes durchgerechnet.

Anfang der 80er Jahre, als der Wahnsinn von "New Economy" und Finanzspekulation die Köpfe noch nicht vernebelt hatte, erstellte die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DVFLR) ein Konzept für ein 5300 km langes europäisches Transrapid-Netz, das die Verbindung von 26 Großstädten und Regionen in acht Ländern vorsah, in dessen Einzugsbereich etwa 230 Mio. Menschen lebten. Nach der "Wende" griff 1991 das Berliner Institut für Bahntechnik (IFB) diese Idee auf und errechnete, daß der Bau einer 450 km langen Transrapid-Strecke von Hamburg über Berlin nach Dresden bei einer Bauzeit von fünf Jahren rund 250000 Arbeitsplätze in verschiedenen Wirtschaftszweigen schaffen würde.

Schaffung von Arbeitsplätzen durch den Bau der
Transrapidstrecke Hamburg-Berlin-Dresden (450 km)
WirtschaftsbereichArbeitsplätze
Maschinenbau, Automobil, Stahlbau53.000
Bau53.000
Elektrotechnik39.000
Leichtindustrie19.000
Dienstleistungen18.000
Verkehr, Nachrichtenwesen18.000
Baustoffe17.000
Metallverarbeitung10.000
Chemie6.000
andere17.000
gesamt250.000
Quelle: IFB, EIR

Überträgt man diese IFB-Kalkulation auf ein gesamtdeutsches Transrapid-Netz von 3000 km Länge, das Hamburg, Berlin, Dresden, München, Stuttgart, Frankfurt, Köln/Ruhrgebiet (und Hamburg) "kreisförmig" miteinander verbindet und zwei zusätzliche Direktverbindungen in Ost-West und Nord-Süd-Richtung (Dresden-Köln, Hamburg-München) enthält, entstünden bei diesem Infrastrukturgroßprojekt unter Verwendung der modernsten Verkehrstechnologie hier bei uns rund 1 Mio. produktive Arbeitsplätze.

Der Transrapid ist nur ein Beispiel. In allen Infrastrukturbereichen ist der Nachholbedarf riesengroß. Der Rückstand allein an nicht erfolgten, aber dringend erforderlichen Bauinvestitionen (Wasserleitungen, Kläranlagen, Brücken, Straßen usw. wird von der Bauindustrie auf 400 Mrd. Euro geschätzt.

Dabei ist zu bedenken: Für jeden Arbeitslosen, der wieder Arbeit findet, fließen im Schnitt 10000 Euro pro Jahr an Steuern und Sozialabgaben in die öffentlichen Kassen zurück, und weitere 10000 Euro werden beim Arbeitslosengeld eingespart.

 

Aktuelle Ausgabe Diese Ausgabe Suchen Abonnieren Leserforum