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Aus der Neuen Solidarität Nr. 34/2002

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Neues aus aller Welt

Ein Bericht der Behörde für Internationale Entwicklung der US-Regierung (USAID) zeigt das Ausmaß der humanitären Katastrophe in den Palästinensergebieten seit September 2000. In dem Bericht heißt es: "Das Westjordanland und besonders der Gazastreifen befinden sich in einem eindeutigen humanitären Notstand akuter mittelschwerer und schwerer Unterernährung." Die von Israel verhängten Ausgangssperren, Truppeneinsätze, Grenzschließungen und Kontrollposten hätten die Nahrungsmittelversorgung unterbrochen. Wie die Washington Post berichtete, widerspreche die israelische Regierung den USAID-Ergebnissen nicht, sondern behaupte, die palästinensische Seite "lehne sämtliche Hilfsangebote ab".

Der Studie zufolge leiden 54% der palästinensischen Kinder zwischen sechs Monaten und fünf Jahren unter akuter oder chronischer Unterernährung - mit steigender Tendenz. 9,3% leiden unter "akuter Unterernährung oder Auszehrung" infolge kurzfristiger Mangelernährung, 13,2% sind infolge lang anhaltender Mangelernährung chronisch unterernährt. Außerdem litten "ein Fünftel der palästinensischen Kinder unter einer mäßigen oder schweren Anämie (Blutarmut)," einer Folgeerscheinung von Unterernährung. Auch bei Frauen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren wurde Anämie festgestellt.

USAID stellte fest, daß wichtige Nahrungsmittel kaum verfügbar seien. Milchprodukte, vor allem Milchpulver für Säuglinge und Kleinkinder, fehlten in der Hälfte der Läden. Im Gazastreifen ist die Mangelsituation besonders gravierend. Im Juni 2002 habe das Vorgehen der israelischen Streitkräfte die Lieferungen an viele Groß- und Einzelhändler unterbrochen. In dem achtwöchigen Zeitraum, in dem die Daten erfaßt wurden, blieben die Preise für Nahrungsmittel zwar unverändert, dennoch mußten sich 53% der Haushalte Geld leihen, um Nahrungsmittel kaufen zu können. 17% sahen sich sogar genötigt, Besitz zu verkaufen, um Lebensmittel kaufen zu können.

Die hysterischen Äußerungen gegen Saudi-Arabien, die der zwielichtige "Rand-Corporation-Analyst" Laurent Murawiec am 10. Juli vor dem "Defense Policy Board" des Pentagon in Washington vorgetragen hat, finden offenbar die Zustimmung einflußreicher neokonservativer Institutionen, hinter denen wichtige Leute aus der Regierung Bush stehen.

Im Mittelpunkt dieser Kreise steht das Washingtoner Büro des Hudson Institute, einer vom "Futuristen" Herman Kahn gegründeten Denkfabrik, die sich früher einen Namen damit machte, in strategischen Szenarien die denkbaren Opferzahlen eines globalen Atomkriegs zu berechnen. Heute spielt das Hudson Institute eine führende Rolle in der angekündigten Präsidentschaftskampagne des Senators John McCain, dessen Wahlkampfleiter Marshall Whitman für das Institut arbeitet.

Am 9. Mai 2002 rief der Hudson-Mitarbeiter Max Singer in der Jerusalem Post zur "Befreiung der Ostprovinz Saudi-Arabiens" auf. In geradezu hysterischer Form wandte er sich gegen den Nahost-Friedensplan des saudischen Kronprinzen Abdullah und forderte einen amerikanischen Militärschlag gegen den Teil Saudi-Arabiens am Arabischen Golf, "wo sämtliche saudiarabischen Ölfelder liegen". Am 18. Juni veranstaltete das Hudson-Institut dann ein Forum über "Saudi-Arabien und der Terrorismus", auf dem Saudi-Arabien als "Schurkenstaat" hingestellt wurde. Mitveranstalter des Forums war das "Aspen Institute Berlin", dessen Chef Jeffrey Gedmin zuvor die "New Atlantic Initiative" leitete, ein Sprachrohr der extremsten angloamerikanischen Imperialismusfraktion im Umkreis des American Enterprise Institute. Gedmin entfaltet derzeit in Berlin hektische Aktivitäten, so daß ihn Beobachter bereits als "einflußreicher als den US-Botschafter" einschätzen.

Der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und den USA war Gegenstand einer Sendung im öffentlichen US-Fernsehsender PBS vom 14. August. In der Diskussionsveranstaltung wurde Youssef Ibrahim, "senior fellow" des Council on Foreign Relations, gefragt, ob er angesichts der Auseinandersetzung auch nur von einer "Zweckehe" zwischen Amerika und Saudi-Arabien sprechen würde. Youssef kritisierte in seiner Antwort die ständigen "Lecks im Verteidigungsministerium sowie Äußerungen unbekannter Analysten und der Gruppe um Rumsfeld, Wolfowitz und Perle". Und weiter: "Niemand auf der ganzen Welt stimmt... mit dieser Kabale im Verteidigungsministerium unter Rumsfeld und Perle überein, die den Irak angreifen will... Wenn die Saudis sagen, sie fühlen sich vom Irak nicht bedroht, und wenn die Kuwaitis sagen, sie fühlen sich vom Irak nicht bedroht, warum begeben wir uns dann auf Kriegskurs, ohne zumindest vorher einen Dialog geführt zu haben?"

Der frühere US-Sicherheitsberater und heutige Leiter des außenpolitischen Beraterstabes des Präsidenten, Brent Scowcroft, warnt in einem Kommentar des Wall Street Journal vom 15. August: "Ein Angriff auf den Irak zu diesem Zeitpunkt würde die weltweite Antiterrorkampagne ernsthaft gefährden, wenn nicht sogar zerstören." Unter der Überschrift "Saddam nicht angreifen" schreibt Scowcroft weiter: "Entscheidend ist, daß uns jedes Vorgehen gegen den Irak mit welcher Strategie, welchen Kosten und Risiken auch immer für unabsehbare Zeit von unserem Krieg gegen den Terrorismus ablenken wird", zumal es auch nur "ungenügende Beweise" für Saddams Verbindung zu terroristischen Organisationen gebe. Die schwersten Folgen eines Angriffs auf den Irak würden den Nahen Osten und den israelisch-palästinensischen Konflikt betreffen. "Wenn man sieht, daß wir uns von diesem erbitterten Konflikt abwenden,... um gegen den Irak vorzugehen, käme es zu einer Explosion des Hasses gegen uns."

 

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