|
|
| Suchen | Abonnieren | Leserforum |
|
Aus der Neuen Solidarität Nr. 34/2002 |
|
Die Stuttgarter Zeitung machte am 6. August in einem Artikel auf die Rolle der Friedrichshafener Dornier System Consulting (Doco) bei Planungen für den Ausbau der eurasischen Landbrücke aufmerksam. Doco, eine aus dem Konzern Daimler-Chrysler ausgegliederte Tochterfirma, ist bereits seit Jahren bei Teilprojekten des 1993 gestarteten EU-Programms Traceca (Transport Corridor Europe Caucasus Asia) in insgesamt zwölf Ländern tätig und unterhält auch in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku eine regionale Zweigstelle.
Das Traceca-Programm sieht den Ausbau der zentralasiatischen und kaukasischen Straßen- und Schienenwege zwischen China und Europa sowie der Fährverbindungen über das Kaspische und Schwarze Meer vor. Nach Fertigstellung der projektierten Routen wird der Gütertransport, der jetzt auf dem Wasserweg von Japan erst nach 40 Tagen Europas Häfen erreicht, nur noch zwölf Tage auf dem Landwege benötigen. Konkret errichtet Doco zur Zeit ein Logistikzentrum in der usbekischen Hauptstadt Taschkent.
Mit einer Ausstellung in Pjöngjang macht Nordkorea derzeit auf heimische Beiträge zur Satellitentechnik aufmerksam. Unter anderem wird ein Nachbau jener Rakete vom Typ Kwangmyongson Nr. 1 gezeigt, die im August 1998 gestartet wurde und in westlichen geopolitischen Kreisen für Hysterie sorgte, weil sie dokumentierte, daß Nordkorea damit die technische Fähigkeit zum Bau von Interkontinentalraketen besaß. Der Start der Rakete diente jedoch nicht dem Test eines Abschusses auf Kalifornien, sondern vielmehr dazu, einen Satelliten ins All zu bringen - das mußte selbst das amerikanische Verteidigungsministerium späterhin eingestehen. Die dritte Stufe der Rakete setzte aber aus, und das Experiment brachte damals nicht den erwarteten Erfolg.
Die Arbeiten am Raumtechnikprojekt wurden jedoch trotz der sich zuspitzenden wirtschaftlichen Notlage in Nordkorea fortgesetzt. Nordkoreanische Techniker entwickeln gegenwärtig einen neuen Satellitentyp, wie in der Ausstellung zu erfahren ist. Dort wird übrigens anhand von Modellen auch die Rotation der Erde und die Sicht aus einem Satelliten auf die Oberfläche der Erde veranschaulicht.
Was den von amerikanischer Seite aus geopolitischen Erwägungen hintertriebenen Annäherungsprozeß beider koreanischer Staaten betrifft, so waren beiderseitige Regierungsverhandlungen in der vergangenen Woche erfolgreich: Nord und Süd einigten sich auf weitere Gespräche in naher Zukunft, bei denen militärische Fragen erörtert werden sollen, die für Arbeiten in der Grenzzone zu Wiederherstellung und Ausbau der seit 52 Jahren unterbrochenen Eisenbahnverbindungen wichtig sind.
Zu Beginn der vergangenen Woche traf nach siebenwöchigem Seetransport der erste Transrapidzug in Shanghai ein. Der in Kassel gefertigte Zug besteht aus drei jeweils 25 Meter langen Segmenten und wird nun im Laufe der kommenden fünf Wochen zusammenmontiert und betriebsfertig gemacht. Nach dem ersten "Anschweben" werden 150 deutsche Ingenieure und über tausend chinesische Techniker die erforderlichen Probefahrten durchführen, so daß der Transrapid wie geplant am 31. Dezember reibungslos seine erste Fahrt von Shanghai-Stadt bis Pudong-Flughafen mit geladenen Gästen aus Politik und Wirtschaft Chinas machen kann. Fahrweg und Bahnhöfe sind weitgehend fertiggestellt, und die 31,5 Kilometer lange Strecke ist auch schon an die Stromversorgung angeschlossen.
Während sich im laufenden Wahlkampf die CDU-Chefin Angela Merkel für Transrapid-Verbindungen zwischen Deutschland und den Niederlanden einsetzt, propagieren die Christdemokraten im östlichen Sachsen den Bau von grenzübergreifenden Trassen nach Polen und Tschechien. Am vorletzten Samstag verabschiedete der Parteitag der CDU des Niederschlesischen Oberlausitzkreises eine Resolution an die Fraktion im Bundestag, weitergehende Projekte als die bisher geplanten Kurzstrecken Metrorapid und München in die Debatte zu bringen. Oberlausitzer Christdemokraten halten mehr von einer Langtrasse München-Wroclaw, die über Nürnberg, Chemnitz, Dresden und Görlitz führen und der wirtschaftlichen Entwicklung der deutsch-polnischen Grenzregionen im schlesischen Bereich einen Anschub geben könnte.
Ein Projekt modernster Transporttechnik im Osten hätte besondere Signalwirkung für die Erweiterung der EU nach Polen, betonen die Niederlausitzer. In der sächsischen CDU diskutiert man unter dem gleichen Gesichtspunkt auch über eine Transrapid-Verbindung von Dresden nach Prag, die nach Berlin einerseits und Budapest andererseits verlängert werden könnte.
Am 2. September wird der fertiggestellte Neubauabschnitt des Canal du Centre zwischen Brüssel und Ronquieres offiziell eingeweiht. Das Projekt enthält das größte Schiffshebewerk der Welt, bei dem 90 Meter Höhenunterschied zwischen den Flußbecken der Schelde und der Maas überwunden werden. Dies geschieht über drei Schleusen und vier hydraulisch betriebene Hebewerke. Die Kapazität des belgischen Kanalnetzes wird damit erheblich gesteigert, es ist nun für 1350-Tonnen-Europaschiffe auf der ganzen Länge ohne die bisherigen Umwege zugänglich. Statt vier Stunden durchschnittlicher Fahrtzeit benötigen Binnenschiffe auf dem neuen Kanalabschnitt künftig nur 40 Minuten.
|
|
| Suchen | Abonnieren | Leserforum |