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Aus der Neuen Solidarität Nr. 36/2002

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Flugblatt der Woche

Nach der "Jahrhundertflut" fordert die BüSo: Wiederaufbau statt Reparatur!


Wer soll das bezahlen?

Wenn sich auch das Ausmaß der Schäden, die von der verheerenden "Jahrhundertflut" in Deutschland und bei unseren östlichen Nachbarn in den letzten Wochen angerichtet wurden, immer noch nicht abschätzen läßt, so kann man eines schon mit Sicherheit sagen: Eine bloße Reparatur der zerstörten Infrastruktur und unzähligen Wohngebäude reicht nicht; statt dessen brauchen wir ein umfassendes nationales Wiederaufbauprogramm. Denn sonst werden die vielen Millionen Betroffenen und Helfer um den verdienten Lohn ihrer bewunderungswürdigen Arbeit gebracht, die sie jetzt unter schwierigsten Bedingungen vor Ort leisten.

Müssen wir tatsächlich noch daran erinnern, daß Deutschland das vielzitierte "Wirtschaftswunder" in den Aufbaujahren nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur der Entschlossenheit und Tatkraft seiner Bewohner verdankte, sondern vor allem der klugen Art und Weise, wie die Gelder des "Marshallplans" eingesetzt wurden? Das war - anders als Anfang der 90er Jahre in den neuen Bundesländern - eine echte "Anschubfinanzierung": Gezielt flossen die Milliarden in den Aufbau der Realwirtschaft und in die Entwicklung der Infrastruktur; damit trugen sie zur schnellstmöglichen Erhöhung der Produktivität der Gesamtwirtschaft bei und steigerten das Gemeinwohl.

Als einziger etablierter Politiker in Deutschland hat bisher der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt genügend Weitsicht bewiesen und eine parteiübergreifende Notstandseinrichtung gefordert, um den "gewaltigen qualitativen Sprung" zu tun, "der den Osten über den Zustand vor der Flut hinaus nach vorn bringt". Die BüSo-Bundesvorsitzende Helga Zepp-LaRouche, die bereits am 15. August ein "nationales Wiederaufbauprogramm im Rahmen der Eurasischen Landbrücke" gefordert hatte, begrüßte diese Forderung des Altbundeskanzlers ausdrücklich, da sie qualitativ dem von ihr geforderten "kühnen Wurf" entspricht, der angesichts der ungeheuren Zerstörungen die einzig angemessene Maßnahme ist.

Wer soll das bezahlen?

Natürlich sind die Kosten eines solchen "kühnen Wurfs", der wie erwähnt in eine gesamteuropäische bzw. -eurasische Dimension des Wiederaufbaus eingebettet werden muß, weit höher als alle bisher genannten Zahlen. Da es dazu aber keine Alternative gibt - es sei denn, wir finden uns kleinmütig mit provisorischen "Reparaturmaßnahmen" ab - , müssen die Kosten seriös erwirtschaftet werden. Die üblichen Finanztricks wie Steuererhöhungen, Einsatz der Bundesbankgewinne, Umschichtungen etc., und erst recht das vielzitierte "Sparen", greifen viel zu kurz. Was wir brauchen, ist eine solide, langfristige Finanzierungsmethode: staatliche produktive Kreditschöpfung. Diese von Friedrich List, dem Vater des deutschen Eisenbahnsystems, entwickelte Methode der "Anschubfinanzierung", die der deutsche Ökonom Wilhelm Lautenbach 1931 vorschlug, um die damalige Depression wirksam zu bekämpfen und in Deutschland 6 Mio. Arbeitslose von den Straßen zu holen - und die Nazis von der Macht fernzuhalten - , hat sich gerade in großen Krisenzeiten hervorragend bewährt.

Über staatlich garantierte "Infrastrukturanleihen", die z.B. wie seinerzeit die Marshallplan-Gelder von der Kreditanstalt für Wiederaufbau aufgelegt werden, können problem- (und inflations)los projektgebundene, zinsgünstige und langfristige Kredite in unbegrenzter Milliardenhöhe für die oben genannten Wiederaufbauleistungen bereitgestellt werden. Damit machen wir weder Schulden noch belasten wir zukünftige Generationen. Ganz im Gegenteil: Wir betreiben "echte Kapitalbildung" (Lautenbach), schaffen bleibende Werte und erhöhen das Gemeinwohl - für uns und unsere Kinder.

Selbstverständlich funktioniert das nicht im Rahmen des "Maastrichter Vertrages". Unter Berufung auf dessen Katastrophenklausel - und wer wollte bestreiten, daß die Jahrhundertflut tatsächlich eine Katastrophe ist - müssen wir diese Zwangsjacke endlich abstreifen. Wir müssen aber noch mehr tun: Zusammen mit anderen Staaten dafür sorgen, daß das hoffnungslos bankrotte Weltfinanzsystem umgehend durch ein Neues Bretton Woods ersetzt wird, welches nicht nur uns, sondern auch den Menschen in den vielen anderen Katastrophengebieten der Welt die Chance gibt, sich aus der Krise "herauszuproduzieren"!

 

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