|
|
|
|
| Suchen | Abonnieren | Leserforum |
|
Aus der Neuen Solidarität Nr. 38/2002 |
|
Berlin. Die BüSo hat zwei Themen ins Zentrum des Wahlkampfs gestellt, die andere Politiker im Wahlkampf nicht diskutieren wollten: die Kriegsgefahr und den Finanzkrach.
"Wenn du auf die Zeitgenossen zu wirken hast, denke sie dir, wie sie sein sollten - wenn du aber für sie zu handeln hast, denke sie dir so, wie sie sind." - Diese Worte stammen von dem "idealistischen Realisten" Friedrich Schiller und wurden u.a. auf der letzten BüSo-Veranstaltung von Roland Pagel zitiert, der auf der Landesliste Berlin kandidiert. Prompt wurde Schiller wieder mißverstanden, indem sich mancher nur den letzten Halbsatz gemerkt hatte, und damit Schiller zum Anwalt für Populismus machen wollte. Was meinte aber Schiller wirklich? Aus der Perspektive des Wahlkämpfers muß man vor allem auf die Menschen wirken, also ihre festgefügten "Meinungen" und Vorurteile aufbrechen. Das geht nur, wenn wir in den Menschen ihr jeweils "besseres, edleres Selbst" ansprechen - und nicht die äußere Angst, Irrationalität, Verzagtheit und manchmal auch Dummheit für den Menschen selbst halten. Deswegen müssen Ideen auf höchstem Niveau präsentiert werden, auch wenn manchmal die Leute nicht "mitkommen". Das bedeutet noch längst nicht, die kleinen und großen Fehler der Menschen zu übersehen.
Beim Wahlkampf in Berlin zeigt sich dieses Prinzip sehr klar: Die BüSo hat quasi alle Regeln des politischen "business as usual" gebrochen, indem sie die zwei Themen ins Zentrum gestellt hat, die die politische Führung nicht im Wahlkampf diskutieren wollte: die Kriegsgefahr und den Finanzkrach! Daß unser heutiges Finanzsystem kollabiert, leugnen unter den politisch denkenden Menschen nur noch wenige. So kommt es, daß die BüSo-Wahlkämpfer vor allem sehr ernsthaft nach den Lösungsvorschlägen - "neues Bretton-Woods-System" und Lautenbach-Plan - gefragt werden. Die Menschen verstehen zunehmend, daß es eine Frage des Überlebens in der Krise wird, wer die Hoheit über das Kreditwesen hat.
Die Kriegsgefahr ist natürlich - nicht zuletzt durch die offensive Kampagne der BüSo - seit Anfang August Thema im Wahlkampf. Wir stehen offenbar jetzt an der Schwelle, wo zunehmend Angst die Menschen entweder lähmt oder mobilisiert. Beispielhaft dafür war eine Veranstaltung zum Gedenken an den 11.September im Rathaus Schöneberg. Das Podium war mit Vertretern der Juden, Muslime und Christen sowie Schülern und Lehrern besetzt. Die Kriegsangst war allenthalben spürbar - von Bedrohungen der Moslems war die Rede, die Notwendigkeit breiter Demonstrationen gegen den Krieg wurde diskutiert. Aber irgend etwas fehlte. Die Stimmung änderte sich, als Ulrike Lillge, BüSo-Direktkandidatin für den Bezirk Tempelhof-Schöneberg, in die Diskussion eingriff. Sie nannte die Dinge beim Namen: daß der Irak-Krieg von Richard Perle bereits seit 1996 vorbereitet wird, daß die Achse des Bösen herhalten soll, um Huntingtons "Krieg der Zivilisationen" vom Zaun zu brechen - daß aber all dies nur wirklich im Kontext der globalen Finanzkrise verstanden werden kann. Deswegen sei die Lösung eine neue, gerechte Weltwirtschaftsordnung, um dann auf dieser Basis einen Dialog der Kulturen zu führen. Es gab für diesen Beitrag von den 150 Teilnehmern großen Applaus.
Gleich danach sprach eine Kollegin der amerikanischen LaRouche-Bewegung und machte zweierlei deutlich: Seit dem 11.9.2001 befinden sich die USA scheinbar unaufhaltsam auf dem Weg in den Polizeistaat, gleichzeitig aber existiert mit LaRouche und seiner Bewegung auch noch das andere Amerika, das auf Franklin, Lincoln und Martin Luther King zurückgeht, und mit diesem Amerika sei es möglich, den Kriegstreibern das Handwerk zu legen. Nochmals gab es Applaus, und viele Teilnehmer, auch vom Podium wollten hinterher mit beiden Damen weiterdiskutieren. Dies wirft ein Schlaglicht auf die Stimmung im Lande.
Szenenwechsel: Samstag morgen: Demo vor dem Tagesspiegel, ein einstmals seriöses Blatt, das inzwischen auf ein sehr plattes Niveau absinkt. Wie wir in der letzten Ausgabe berichtet hatten, hatte der Tagesspiegel auf seiner Lokalseite mehrfach die BüSo übel verleumdet. Spontan kamen am Samstagmorgen 25 Leute zusammen, um gegen die unfaire Berichterstattung des Tagesspiegel zu demonstrieren. Mindestens die Hälfte der Anwesenden hatte sich bisher noch nie auf der Straße für eine Idee eingesetzt! Es tut sich also etwas im Lande. Ein Kandidat der BüSo stimmte spontan das Lied der Bürgerrechtsbewegung in den USA an: "We shall overcome..." Mit Bannern wurde vor dem Tagesspiegel und auf einem kleinen Marsch rundherum für eine seriöse Berichterstattung demonstriert: "BüSo warnt den Tagesspiegel: Verleumdungen gegen LaRouche helfen den Kriegstreibern" war u.a. darauf zu lesen.
Nochmaliger Szenenwechsel: Wie schon erwähnt, hatten sich am Montag vergangener Woche fünf BüSo-Kandidaten mit verschiedenen Themen der Öffentlichkeit im Literaturhaus Berlin vorgestellt. Auch dies war eine Überraschung: Keiner der 15-20minütigen Beiträge war banal und nichtssagend, wie man es von sonstigen Veranstaltungen im Wahlkampf gewohnt ist. Kurzzeitig sorgte dies sogar für Irritationen bei manchem Zuhörer, denn es war eben nicht "Wahlkampf-like"...
Die Landesvorsitzende Monika Hahn eröffnete die Veranstaltung mit einem Bericht zur internationalen Lage, in dem sie LaRouches Analyse zur Vorbereitung des Irak-Krieges in den Mittelpunkt stellte. Ulrike Lillge entwickelte am Beispiel eines historischen Projekts - dem Bau des Teltowkanals zwischen 1900 und 1906 - , welche Pionierrolle Berlin einst für Infrastrukturgroßprojekte gespielt habe, und daß man jetzt an diese Tradition anknüpfen müsse. Der stellvertretende Landesvorsitzende Heiko Ziemann aus Marzahn widmete sich am Beispiel des Transrapid und der Weltraumfahrt dem Thema Wissenschaft und Technologie. Ganz deutlich arbeitete er die arbeitsmarktpolitischen Effekte von Pioniertechnologien heraus. Der selbstständige Werkzeugbauer H.W. Köster, Kandidat in Charlottenburg-Wilmersdorf, brach eine Lanze für das Prinzip des Gemeinwohls, ohne das weder der Mittelstand noch irgendeine andere Bevölkerungsgruppe die jetzige Krise überleben könne. Zum Schluß plädierte Roland Pagel für eine humanistische Bildungsreform, die sich an Schillers Ideen zur ästhetischen Erziehung orientieren müsse.
Eines wurde erneut deutlich: Kompetenz ist in der BüSo breitgefächert vorhanden, alle Themen werden dabei von höchster Ebene behandelt - kurzgesagt die BüSo ist nicht nur mehrheitsfähig, sondern die beste Garantie gegen den Verfall der politischen und allgemeinen Kultur. Dies wurde erneut auch vom Publikum im Literaturhaus bestätigt. Dies ist denn auch eine späte Genugtuung für Schiller, daß große Ideen selbst (oder gerade) in rohen Zeiten wirken.
fh
|
|
| Suchen | Abonnieren | Leserforum |