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Aus der Neuen Solidarität Nr. 42/2002

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Für ein menschenwürdiges Leben aller Menschen auf diesem Planeten!

Von Helga Zepp-LaRouche


Der Schwindel von den "Grenzen des Wachstums"
Die unveräußerlichen Rechte aller Menschen

Der Club of Life wird in der kommenden Woche 20 Jahre alt. Zwischen dem 20. und 22. Oktober 1982 fanden in Rom, Wiesbaden, Paris, New York, Philadelphia, Los Angeles, Mexiko-City, Guadalajara, Bogota, Medellin, Caracas und Buenos Aires parallel die Gründungskonferenzen statt. Eine neue Institution war entstanden, deren Mitglieder dem wirtschaftlichen und moralischen Zerfall unserer Zivilisation nicht tatenlos zusehen wollten. Für sie war das Recht auf Leben und das Recht auf Technologie und industrielle Entwicklung untrennbar miteinander verbunden. Auf den folgenden Seiten würdigen wir die Arbeit des Club of Life, dessen Ziele heute noch aktueller geworden sind. In der nächsten Ausgabe wollen wir die Retrospektive mit Berichten über die Arbeit des Club of Life auf dem amerikanischen Kontinent fortsetzen.

Zwanzig Jahre sind schon ein kleiner Geschichtsabschnitt, und selbst der relativ geringe Abstand von nur zwei Jahrzehnten gestattet aufschlußreiche historische Beurteilungen. Wenn man heute die Tendenzen betrachtet, gegen die ich damals den Club of Life als bewußte Gegenbewegung gegen den Club of Rome initiiert habe, dann sieht man deutlich, wie dringend notwendig es damals war, sich dem abzeichnenden Paradigmawandel entgegenzustellen. Denn heute sieht man die volle Dimension dessen in der Realität, was sich damals noch vorwiegend auf der propagandistischen Ebene bewegte. Wenn heute die "Falken"-Fraktion in den USA offen dabei ist, ein amerikanisches Imperium oligarchisch-faschistischer Prägung durchzusetzen, dann handelt es sich dabei gewissermaßen nur um die Realisierungsphase des Weltmodells, für das der Club of Rome ehedem nur das Propagandasprachrohr war.

Heute gebärden sich die USA offen als Imperium, das Anspruch auf alle Ressourcen der Welt erhebt, im Pentagon werden Pläne vorgetragen, nach denen die USA selbst die Ölfelder im Persischen Golf besetzen und die Grenzen in der gesamten Region in einer Neuauflage des Sykes-Picot-Vertrages neu gezogen werden. Der praktizierte amerikanische Unilateralismus soll das Prinzip der nationalen Souveränität und des Völkerrechts, so wie es sich seit dem Westfälischen Frieden entwickelt hat, dauerhaft ausschalten.

Der Schwindel von den "Grenzen des Wachstums"

Als ich im Januar 1982 zur Gründung eines Club of Life aufrief, der die Unantastbarkeit des Rechts auf Leben und die Würde des Lebens aller Menschen verteidigen sollte, waren die von der Brzezinski-Carter-Administration ausgearbeiteten Berichte Global 2000 und Global Futures eine Art Bibel der internationalen Ökologiebewegung. Auf den Begriff gebracht lautete die Botschaft dieser Dokumente: Die Ressourcen der Welt sind begrenzt; die Menschheit wächst; je mehr Menschen es gibt, desto mehr Ressourcen werden verbraucht und desto mehr wird die Umwelt verschmutzt; deshalb muß die Entwicklung der Dritten Welt unterbleiben und die Bevölkerung muß reduziert werden.

Daß es sich hierbei nur um die Neuauflage der Thesen des damals zehn Jahre alten Club of Rome von den "Grenzen des Wachstums" handelte und diese Thesen längst als wissenschaftlich unhaltbar und oligarchische Zwecklüge entlarvt waren, sollte durch einen mit vielen Millionen Dollar finanzierten Propagandaaufwand vergessen gemacht werden.

Erinnern wir uns: Bis ungefähr Ende der 60er Jahre sprach man z.B. in den Vereinten Nationen von "Entwicklungsdekaden" für die Länder der Dritten Welt, damit diese ihre Unterentwicklung allmählich überwinden sollten. Die 1967 von Papst Paul VI. veröffentlichte Enzyklika Populorum progressio war ein dringender Appell für "den Fortschritt aller Völker". Gegen dieses moralische Axiom, daß die Unterentwicklung des größeren Teils der menschlichen Gattung eine himmelschreiende Ungerechtigkeit ist, richtete sich die Propaganda des Club of Rome.

Das in millionenfacher Auflage in 29 Sprachen auf den Markt geworfene Buch von Meadows und Forrester Die Grenzen des Wachstums war eines der vielen Propagandamittel, mit denen dieses moralische Grundempfinden abgetötet und durch einen primitiven Überlebensinstinkt ersetzt werden sollte. Meadows und Forrester gaben später den Schwindel zu: Sie hätten die dem Buch zugrundeliegende Computerstudie an dem gewünschten Ergebnis ausgerichtet und bewußt außer Acht gelassen, daß der technische Fortschritt die Ressourcen ständig neu definiert. Dennoch wurde so die Ökologiebewegung in Gang gebracht.

Was wirklich dahinter steckte, sollte erst restlos deutlich werden, als einige Jahre später das bis 1990 geheime Memorandum NSSM 200 aus dem Jahre 1974 veröffentlicht wurde, das Henry Kissingers Unterschrift trägt, der damals Nationaler Sicherheitsberater Präsident Nixons war. Darin wurde in diplomatischer Sprache, aber doch unverhohlen dargelegt, warum alle Rohstoffe weltweit letztlich dem Interesse der USA dienen müßten und es deshalb angebracht sei, vor allem die bevölkerungsreichen Staaten mit wichtigen Rohstoffen dazu zu bringen, ihre Bevölkerung zu reduzieren - notfalls auch mit der Nahrungsmittelwaffe.

Aber 1974 war der Paradigmawandel noch keineswegs so weit fortgeschritten, daß man es sich hätte erlauben können, diese Ungeheuerlichkeit zu veröffentlichen. Erst mußten noch weitere Propagandaoffensiven unternommen werden. Ein ganz entscheidender Wandel in der öffentlichen Meinung sollte durch die UN-Bevölkerungskonferenz in Bukarest 1974 erreicht werden, wo neben der Regierungskonferenz auch eine Konferenz der NGOs und eine weitere der Journalisten stattfand, und an denen ich persönlich teilnahm. Als John D. Rockefeller III. dort auf der NGO-Konferenz seine Thesen zur angeblichen Notwendigkeit der drastischen Bevölkerungsreduktion vortrug, wurden seine Vorschläge mit der Politik Hitlers verglichen. Unter allen NGOs ging damals das Wort herum: "Die Bevölkerungsbombe ist ein Rockefeller-Baby!" Damals waren die geopolitischen Interessen bestimmter oligarchischer Interessen in den USA eben noch nicht zur allgemeinen grünen Ideologie verschmolzen.

Aber genau das geschah in den folgenden Jahren. Als der stellvertretende Außenminister unter Präsident Carter, der ehemalige Senator Edmund Muskie, auf einer Pressekonferenz den Bericht Global 2000 mit dem Kommentar vorstellte, diese Politik solle zu einer Bevölkerungsreduktion um zwei Milliarden Menschen führen, erhob sich keineswegs mehr ein Sturm der Entrüstung, wie noch in Bukarest acht Jahre vorher. Der Paradigmawandel war schon weit fortgeschritten.

Die unveräußerlichen Rechte aller Menschen

Aber für Alexander King, dem Mitbegründer und späteren Präsidenten des Club of Rome, ging noch weiter. Er kritisierte Global 2000 mit dem Argument, daß die alarmierendste Zukunftsaussicht in den nächsten Jahrzehnten "der Hegemonieverlust der weißen Rasse gegenüber den farbigen Völkern" sei, und zwar wegen der "Bevölkerungsexplosion" in den nicht-weißen Teilen der Welt - und da es sich bei diesen Leuten um "billiges Gesindel", um cheap trash handele, sei eine Bevölkerungskontrolle nötig, die aber nur durchgesetzt werden könne, wenn die Souveränität der Nationalstaaten abgeschafft werde. Hier war sie laut und deutlich, die rassistisch-imperialistische Absicht des Club of Rome.

Im Jahre 1982 war die menschenverachtende Ideologie der verschiedenen Propagandaorganisationen der internationalen Oligarchie so im Vormarsch, daß die Gründung einer Organisation, die sich der Verteidigung der Unantastbarkeit des Rechts auf Leben für alle Völker auf diesem Planeten zur Aufgabe machte, zur dringenden Notwendigkeit wurde. Der Club of Life forderte deshalb von Anfang an eine gerechte neue Weltwirtschaftsordnung, denn nicht Überbevölkerung war das Problem, sondern der immer schlimmer werdende Mangel an Entwicklung.

Die unveräußerlichen Rechte aller Menschen wurden aber nicht nur als Recht auf Leben, Nahrung, Wohnung, und Gesundheitsversorgung aufgefaßt, sondern auch als das Recht auf die Entwicklung des kognitiven Potentials des Menschen, wie es dem christlichen Menschenbild als Ebenbild Gottes impliziert ist. Ich betonte in meiner Rede auf der Gründungskonferenz vom 20.-22. Oktober 1982, daß dieses Prinzip des Rechts auf Leben als Vervollkommnungsprozeß auch in anderen Kulturen dieser Welt angelegt sei, also etwa im Hinduismus, im Judaismus in der Tradition des Philon von Alexandria, im Islam Ibn Sinas usw. und daß es eine der vornehmsten Aufgaben des Club of Life sein werde, diesen Ansatzpunkt in allen Zivilisationen dieser Welt aufzuspüren, bewußt zu machen und so eine vollständige Universalgeschichte zu schreiben. Der Club of Life sollte sich für einen weltweiten Humanismus einsetzen, der auch die Sinnfrage des Lebens neu und positiv beantworten sollte.

Ab 1984 gab es dann eine Arbeitsteilung zwischen dem damals von mir initiierten Schiller-Institut, das sich von da ab vor allem um die Fragen einer gerechten neuen Weltwirtschaftsordnung und einer damit verbundenen kulturellen Renaissance beschäftigte, und dem Club of Life, der sich vor allem den immer stärker zunehmenden Angriffen auf die Unantastbarkeit des Lebens im Gesundheitsbereich entgegenstellte. Jutta Dinkermann wurde die Seele dieser Organisation, sie war es primär, die mit einem untrüglichen Sinn für die Absicht hinter den verschiedenen Debatten das Prinzip des Lebens verteidigte. Frau Dinkermanns zahlreiche Artikel zu den wichtigsten gesundheitspolitischen Themen der letzten 20 Jahre finden an Kompetenz und Menschlichkeit nicht ihresgleichen in Deutschland.

Wenn ich über die zwei Jahrzehnte der Existenz des Club of Life nachdenke und über die faschistisch-oligarchischen Tendenzen, die er in dieser Zeit bekämpfte, dann kommt mir die absurde Behauptung Hegels in den Sinn, der Zweck des Weltgeistes decke sich erst am Ende einer Epoche auf. Zu einem solchen absichtlichen Obskurantismus konnte Hegel nur kommen, weil er sich zum Apologeten des reaktionären Staates machte. Geschichte wird weder vom Weltgeist noch vom Diamat oder Histomat gemacht, sondern von Ideen, und zwar im guten wie im bösen Sinne. Die bösen Ideen von Organisationen wie dem Club of Rome oder dem Bericht Global 2000 frühzeitig erkannt und aufgedeckt zu haben, dessen können sich alle rühmen, die in den vergangenen zwanzig Jahren beim Club of Life mitgearbeitet haben.

 

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