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Aus der Neuen Solidarität Nr. 43/2002

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Ein malthusianisches Gespann:
Club of Rome und AIDS-Pandemie


Bevölkerungsnullwachstum
Die AIDS-Pandemie

Das Äquivalent einer "Massenvernichtungswaffe", der allein im vergangenen Jahr 3 Millionen Menschen zum Opfer fielen, wird von der Weltöffentlichkeit nur am Rande als Problem wahrgenommen: HIV/AIDS.

Mit der Gründung des Club of Life am 22.Oktober 1982 wollte die Initiatorin Helga Zepp-LaRouche einen "bewußten Gegenpol zum Club of Rome" schaffen. In der letzten Ausgabe der Neuen Solidarität hat sie beschrieben, wie der 1972 erschienene erste "Bericht an den Club of Rome" Die Grenzen den Wachstums von Dennis Meadows und Jay Forrester durch eine gigantische Kampagne in 29 Sprachen verbreitet wurde, um auf diese Weise den "Paradigmenwandel" hin zum "Nullwachstum" der Wirtschaft wie der Weltbevölkerung politisch und ideologisch auf der ganzen Welt zu etablieren.

Zwanzig Jahre danach, 1992, veröffentlichte Meadows wieder ein Buch mit dem wenig originellen Titel Die neuen Grenzen des Wachstums. Nullwachstum reiche schon nicht mehr, sagte Meadows dazu in einem Interview mit Die Zeit. Die Umweltkrise sei "so ernst geworden, daß wir jetzt negative Wachstumsraten brauchen... Deshalb muß das Bruttosozialprodukt sinken!" Vielen wird das Groteske dieser Aussage vielleicht erst heute auffallen, wo uns die Weltwirtschaftskrise vor Augen führt, was "negatives Wachstum" bedeutet: Massenarbeitslosigkeit, leere Haushaltskassen und kollabierende Sozialsysteme hier bei uns, Hunger, Elend, ungehinderte Seuchenausbreitung und Massensterben in der Dritten Welt.

Bevölkerungsnullwachstum

Die vom Club of Rome propagierte malthusianische Kampagne, das Wachstum der Weltbevölkerung anzuhalten, wurde vom UN-Bevölkerungsfonds übernommen und seit der Weltbevölkerungskonferenz in Bukarest 1974 zielstrebig in die Tat umgesetzt. Es begann ein globaler Feldzug zur Senkung der Geburtenrate, flankiert von einer gigantischen Propagandakampagne gegen die angebliche "Bevölkerungsexplosion". Auf der Weltbevölkerungskonferenz 1994 in Kairo wurde - gegen heftigen Widerstand - ein "Aktionsplan" verabschiedet, der darauf abzielt, die "niedrige Variante" der UN-Bevölkerungsprognose zu verwirklichen und die Weltgeburtenrate unter das Niveau von 2,1 Kindern pro Frau zu senken. (Im demographischen Durchschnitt sind mindestens 2,1 Kinder pro Frau erforderlich, um die Sterberate auszugleichen.) Bei der "niedrigen Variante" der UN-Bevölkerungsprognose" erreicht die Weltbevölkerung um 2050 ein Maximum von 8 Mrd. Menschen und sinkt danach stetig ab. Bis 2150 soll die Weltbevölkerung auf 2 Mrd., d.h. ein Drittel der heute lebenden Menschen schrumpfen!

Das Argument, es gelte die "Bevölkerungsexplosion" zu bekämpfen, war eine dreiste Lüge. Zwar hat sich in den fünf Jahrhunderten seit der Renaissance dank wissenschaftlich-technischer Fortschritte die Lebenserwartung der Menschen verlängert, so daß die Weltbevölkerung entsprechend zunahm. Aber schon seit 1965 ging die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau zurück, zuerst in den Industriestaaten, dann auch in den weniger entwickelten Ländern. Das heißt, die demographische Wende setzte ein, bevor die Nullwachstumskampagne überhaupt begann.

Mittlerweile hat der Geburtenrückgang bedrohliche Formen angenommen, nicht nur in den Industrieländern, sondern auch in der übrigen Welt. Namhafte Demographen sprechen von einer drohenden "Bevölkerungsimplosion". Und sogar das International Institute of Applied Systems Analysis (IIASA) verkündete im letzten Jahr im Wissenschaftsmagazin Nature das absehbare Ende des Weltbevölkerungswachstums. Schon in wenigen Jahrzehnten werde die Menschheit anfangen zu schrumpfen. Im Jahre 2001 lag die Fruchtbarkeitsrate in 51 Ländern der Welt unter dem "Ersatzniveau" von 2,1 Kindern pro Frau. In 23 dieser Länder, darunter auch Deutschland, liegt sie bei weniger als 1,5 Kindern. Das bedeutet: In 51 Ländern der Welt schrumpft die Bevölkerung bereits.

Das in den Neuen Grenzen des Wachstums angepriesene Szenario einer Nullwachstumsgesellschaft mit gleichbleibender Weltbevölkerung, Industrie- und Nahrungsmittelproduktion entpuppt sich als gefährliches Konstrukt: Das in der Computergrafik vorgetäuschte angebliche "Gleichgewicht" erweist sich in der Wirklichkeit als eine kurze Übergangsphase vor einem katastrophalen Absturz der Bevölkerungskurve! Das wird erst recht deutlich, wenn wir bei der Bevölkerungsentwicklung des letzten Jahrzehnts die Auswirkungen der AIDS-Seuche in die Analyse mit einbeziehen.

Die AIDS-Pandemie

Jonathan Mann, der ehemalige AIDS-Beauftragte der Weltgesundheitsbehörde (WHO), und die von ihm geleitete Forschergruppe an der Harvard School of Public Health machten 1992 die furchtbare Prognose, daß sich die Zahl der HIV-Infizierten weltweit von damals 12,9 Mio. bis zum Jahr 2000 auf bis zu 120 Mio. nahezu verzehnfachen könnte. Wenn man die heute verfügbaren Zahlen von WHO und UNAIDS zugrunde legt, ist es nicht ganz so schlimm gekommen, aber doch schlimm genug: Die WHO meldete Ende 2001 40 Mio. HIV-Infizierte, dazu muß man knapp 20 Mio. Menschen addieren, die bereits an AIDS gestorben sind - 3 Mio. allein im vergangenen Jahr 2001.

Breitete sich HIV/AIDS weiterhin mit der gleichen Geschwindigkeit wie heute aus, wäre rein rechnerisch die gesamte Menschheit im Jahre 2032 mit dem tödlichen Virus infiziert.
Graphik: Neue Solidarität
Ende 2000 lag die Zahl der Infizierten (einschließlich der Verstorbenen) bei 56 Mio. Menschen. Das bedeutet einen Anstieg von 12,9 im Jahre 1992 auf 56 Mio., d.h. um einen Faktor 4,3.

Laut UNAIDS kommen nun jedes Jahr etwa 5,5 Mio. Neuinfizierte hinzu. Das wären bis zum Jahr 2008 8 x 5,5 Mio. = 44 Mio. Nach dieser Rechnung wären 2008 56 + 44 = 100 Mio. Menschen HIV-infiziert. Dieser lineare Anstieg bis 2008 ist allerdings weniger wahrscheinlich als eine erneute Zunahme um den Faktor 4,3 auf 240,8 Mio. Setzt man diese Reihe fort, hätten wir im Jahre 2016 etwa 1,035 Mrd. HIV-Infizierte, im Jahre 2024 schon 4,4 Mrd. und weitere acht Jahre später die absurde Zahl von 18,9 Mrd. - die gesamte Menschheit wäre infiziert. Ausgehend von einer Mortalität von 100% und einer durchschnittlichen Überlebensdauer der Infizierten von zehn Jahren, kann man sich ausrechnen, wann der letzte Mensch stirbt.

Man kann es drehen und wenden, wie man will, auch wenn man andere Ausgangsdaten nähme oder einen anderen Anstiegsfaktor der Neuinfektionen - es käme im Prinzip dasselbe Ergebnis heraus: Die AIDS-Pandemie ist außer Kontrolle. Wenn nicht bald ein Impfstoff bzw. ein Heilmittel gefunden wird, wenn die Infektionsketten nicht unterbrochen, der Lebensstandard der Armen dieser Welt nicht verbessert und die gegenwärtige ungerechte Weltwirtschaftsordnung nicht verändert wird, dann reicht schon das AIDS-Problem für sich genommen - ohne Krieg der Zivilisationen, Atombomben und Weltwirtschaftskollaps - völlig aus, um noch im Laufe des 21. Jahrhunderts die Menschheit zu vernichten.

Dennoch wird es nicht so kommen, wie in der Grafik dargestellt. Die Menschen werden einsehen, daß es nichts nutzt, die Gefahr der AIDS-Pandemie länger zu ignorieren oder gar zu leugnen (wie die Anhänger eines gewissen Dr. Peter Duesberg, Academy of Sciences USA und University of California). Und sie werden von ihren Regierungen Maßnahmen zur Eindämmung der tödlichen Seuche fordern. Ein Weltprogramm gegen AIDS ist nötig, wie es der Club of Life seit langem fordert:

Es gibt zweifellos außer AIDS noch eine Menge weiterer Probleme auf der Welt. Aber ein solches Weltprogramm gegen AIDS würde auch viele andere bedrohliche Mißstände handhabbar machen.

Gabriele Liebig

 

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