Aktuelle Ausgabe Diese Ausgabe Suchen Abonnieren Leserforum

Artikel als
=eMail=
weiterleiten

Aus der Neuen Solidarität Nr. 43/2002

Jetzt
Archiv-CD
bestellen!

Veränderung erfordert Taten!

Ein Grußwort zum 20. Jahrestag der COL-Gründung von Jutta Dinkermann, stellvertretende Vorsitzende des Club of Life.

20 Jahre Club of Life sind ein Grund zur Nachdenklichkeit. Wir konnten viel Gutes erreichen und in einer für Deutschland kritischen Zeit wesentliche Entwicklungen und Entscheidungen beeinflussen. Wir sind zu einer Institution avanciert, deren Analysen genauestens gelesen und benutzt werden.

Dies liegt daran, daß wir uns niemals verbiegen ließen und es uns zum Grundsatz machten, das Recht auf Leben und Entwicklung eines jeden Menschen auf diesem Planeten unter allen Umständen zu verteidigen. Da gab es keine "Ja-aber"-Spagate, kein Einlassen auf Spitzfindigkeiten, sogenannte "kleinere Übel" oder bioethische Denkprodukte.

Doch was ist mit unserem nach wie vor größtem Problem, daß nämlich viele Menschen nach wie vor Schwierigkeiten damit haben, in sich selbst den "göttlichen Funken" wahrzunehmen, geschweige denn ihn überspringen zu lassen oder in anderen zu orten? Doch wer sich selbst und sein eigenes Leben nicht liebt oder achtet, wer nie Achtung seiner Person erfahren hat, wird auch Schwierigkeiten damit haben, andere Personen zu lieben und zu achten, geschweige denn um deren Lebensmöglichkeiten und -chancen zu kämpfen.

Nur Menschen, die sich, andere Menschen und das Weltgeschehen mit kundigen, aber vor allem liebevollen Augen ansehen, können Auswege und Lösungen erkennen. So wie ein Familienvater alles daransetzen wird, sein in Gefahr geratenes Kind zu retten, entstehen auch dann plötzlich findige Ideen und Alternativen, die anderen gar nicht erst in den Sinn gekommen wären.

In der Erfahrung, Menschen sozusagen bei ihrer ureigensten und heiligsten Handlung zu beobachten - dem Dienst am Nächsten und damit am Weltgeschehen - , ist die Menschheitsliebe als das Naturell des Menschseins und wahrer Motor der Menschheitsgeschichte (wieder neu) erkennbar, wird diese als Licht-, Kraft- und Wachstumsquelle wahrgenommen und schließlich selbst (wieder) angestrebt.

Und so ist aus meiner kurzen Grußbotschaft nur die eine wirkliche Bitte an die Leserschaft und die COL-Mitglieder entstanden: Bemühen Sie sich, ganz Mensch zu sein, indem Sie diese Kraft immer wieder neu in sich entdecken und in anderen fördern. Nichts ist "unnormal" oder anstößig daran, sein Menschsein ganz zu verwirklichen, auch wenn es in dieser Gesellschaft zum Teil schon als auffällig und oder gar störend gilt. Unser wirkliches Problem besteht aber gerade darin, daß die Welt an zu vielen Halbmenschen und oft gutmeinenden "Kleineren-Übeln-Menschen" krankt, die aus Furcht, Bequemlichkeit oder Gewohnheit in der Mittelmäßigkeit erstarrt sind - und damit aber in einer Art und Weise leben, die niemandem Vorbild und Hoffnung sein kann, der Umgebung die Luft und jegliche Kreativität abschnürt und letztendlich einen unhaltbaren "Status quo" zementiert.

Dagegen ist die Grundemotion der Liebe von Attributen gekennzeichnet, die allesamt etwas mit Aktivität und Bewegung zu tun haben: das Interesse am Nächsten, die ausgestreckte hilfreiche Hand, die wache Beobachtung, die Intervention. Hier ist kein Platz für Paralyse und Angst, nur hier wächst Mut, entstehen die nötigen Ideen, die Möglichkeit zur Veränderung.

Die Idee der Menschenliebe, die so eng mit der Gottesliebe verknüpft ist und die seit Menschengedenken "einfache Menschen" wie auch Philosophen antrieb bzw. beschäftigte, ist abstrakt verstehbar, aber nur in der Praxis lebbar, erfahrbar und wirkungsvoll.

Der Club of Life ist angetreten, die Welt nicht nur ein wenig hier und da zu verbessern, sondern grundlegend zu verändern. Und dafür braucht es keine "Halbmenschen", keine Menschen, die im Denken von "kleineren Übeln" gefangen sind, sondern viele Menschen, die sich ihrer ganzen Bedeutung, ihrer Vernunft und Kraft bewußt sind und sich dieser auch erfreuen können - und bei denen Vernunft und Liebe zur wunderbarsten Triebfeder verschmolzen sind, um nicht nur "Gutes", sondern Unglaubliches und wahrlich Revolutionäres zu bewirken.

Wer den Club of Life, dessen Aufgaben- und Einsatzgebiet und die Weltlage kennt, wird verstehen, weshalb es so wichtig ist, daß sich genügend Personen mit Menschheitsliebe, unbedingtem Einsatzwillen, mit kühlem Kopf und brennendem Herzen finden, die bereit sind, ihr Leben, ihre Kreativität, ihre Kraft komplett beizusteuern.

Dagegen hat sich unsere Personallage angesichts des immens angewachsenen Aufgabenbereiches weiter zugespitzt; hätte es nicht "Soforthilfen" insbesondere von seiten des Fusions-Energie-Forums oder der Chefredakteurin dieser Zeitung gegeben, wären wir bereits vor zwei Jahren in ernsthafte Bedrängnis geraten. Hier werden auf der nächsten Mitgliederkonferenz wichtige Entscheidungen zu fällen sein.

Überlegen Sie deshalb sehr genau, was Ihnen ein voll funktionierender Club of Life wert ist. Niemand scheue sich vor dem Mitmachen. Wissen, auch Fachwissen ist wichtig, doch schon der Korintherbrief weiß darum, daß alles Wissen der Welt niemandem nützt, der "nicht die Liebe hat". Liebe aber ist vor allem und immer Tat. Von schönen und klugen Worten allein wird niemand satt; kein Krieg wird verhindert, kein Mensch zum Besseren bekehrt, keine Träne gestillt.

Es braucht immer Vorbilder, die andere durch ihr Tun mitreißen, Menschen, die genau wissen, daß die Not der Welt keine abstrakte Not, sondern die Not und die Tränen Hunderttausender Individuen ist. Wer diesen Blicken standhalten will, wer sein Menschsein und die damit verbundene Verantwortung ernst nimmt - was sollte so ein Mensch anderes tun, als dafür zu arbeiten, daß die Erde so schnell wie möglich aufhört, für den überwiegenden Teil der Weltbevölkerung Vorhof zur Hölle zu sein?

Ihre Jutta Dinkermann

 

Aktuelle Ausgabe Diese Ausgabe Suchen Abonnieren Leserforum