|
|
|
|
| Suchen | Abonnieren | Leserforum |
|
Aus der Neuen Solidarität Nr. 46/2002 |
|
Das Nachrichtenmagazin "EIR" stellte im Mai 2000 internationale Infrastrukturprojekte für das Mekongtal vor. Die "Großregion Mekong" (GMS) ist eine der produktivsten Agrarregionen der Welt. Es folgen Auszüge aus der Studie.
Der Mekong in Südostasien ist mit 4500 km Länge (mehr als Donau und Rhein zusammen) der zehntgrößte Strom der Welt. Er bildet eine natürliche Verbindung zwischen sechs Staaten der Region, die 1992 mit Unterstützung der Asiatischen Entwicklungsbank ein Programm zur subregionalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit starteten. Auf den Höhen Tibets entspringend, durchfließt der Mekong die chinesische Provinz Yunnan, Myanmar, die Demokratische Volksrepublik Laos, Thailand und Kambodscha, bevor er sich im Mekongdelta im Süden Vietnams in das Südchinesische Meer ergießt.Diese "Großregion Mekong" (GMS) ist eine der produktivsten Agrarregionen der Welt, mit Thailand und Vietnam gehören ihr zwei der wichtigsten Reisexporteure der Welt an. Die Gesamtbevölkerung der sechs GMS-Nationen liegt bei 240,4 Millionen auf einer Fläche von rund 2,3 Millionen Quadratkilometern. 1997 betrug ihr Bruttoinlandsprodukt (BIP) 11,8 Mrd. Dollar. Das jährliche BIP pro Kopf ist dabei allerdings sehr unterschiedlich, es schwankt zwischen 280 Dollar und 3100 Dollar.
Pläne für die Entwicklung des Mekongtals gibt es seit Ende der 50er Jahre, aber wegen der politischen Konflikte, die seit dem Zweiten Weltkrieg große Teile der Region im ständigen Kriegszustand hielten, begann die eigentliche Erschließung des Potentials erst in den letzten Jahren. Die Konflikte und Kriege sind auch schuld daran, daß alle beteiligten Staaten mit Ausnahme Thailands zu den ärmsten Nationen der Welt zählen.
Die GMS, ein informeller Zusammenschluß der Anrainerstaaten des Mekong, entstand zunächst, um die wirtschaftliche Zusammenarbeit insbesondere in den Bereichen Infrastruktur und Energie zu fördern. Es fanden mehrere Konferenzen auf Ministerebene statt, auf denen Kriterien für die Auswahl bevorzugter Projekte und die Errichtung institutioneller Strukturen zur Entwicklung der Region vereinbart wurden. Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) wirkte dabei als Vermittler; sie leistete technische Hilfe, förderte den Konsultationsprozeß und weckte das Interesse von Geberländern und Investoren.
1996 veröffentlichte die ADB einen Überblick über die wichtigsten Infrastrukturprojekte, auf die sich die GMS geeinigt hat. Sie betreffen acht Bereiche: Verkehr (Straßen, Eisenbahnen, Luftfahrt, Wasser), Energie, Telekommunikation, Umwelt, Entwicklung der Humanressourcen, Tourismus, Erleichterung des Handels und Investitionen.
Leider bilden diese Vorhaben gegenüber den Plänen früherer Jahrzehnte einen beträchtlichen Rückschritt. So gibt es beispielsweise kein einziges Projekt zum Hochwasserschutz, um die massiven Schäden durch die häufigen Überflutungen zu mindern. Die Nutzung der Kernkraft ist ausgeschlossen, und die Planungsintention ist ganz allgemein schon dadurch eingeschränkt, daß die Projekte zur Hälfte von privaten Investoren finanziert werden sollen, was eine wirklich umfassende Modernisierung erfahrungsgemäß unwahrscheinlich macht. Dennoch gibt der vorliegende Plan eine bedeutende Perspektive.
Im Verkehrssektor führt die ADB-Studie für die Region 34 Projekte auf. Davon betreffen neun den Bau von Straßen, acht den Bau von Bahnlinien, zehn den Schiffsverkehr, sechs den Luftverkehr und eines die institutionelle Entwicklung. Im Energiesektor erhielten zwölf Projekte Priorität, davon acht zur Erzeugung und Übertragung von Strom, zwei widmen sich der Entwicklung der Petrochemie und zwei der Entwicklung der Institutionen; 13 Projekte betreffen den Telekommunikationsbereich. Bei fünf weiteren Projekten handelt es sich um Machbarkeitsstudien, Studien zur politischen Entwicklung und ähnliches, denen die sechs Nationen der GMS hohe Priorität zugewiesen haben.
Die ADB schätzt, daß sich die Kosten dieser Prioritätsvorhaben in den nächsten 25 Jahren auf 40 Mrd. Dollar belaufen werden. Sie sollen zur Hälfte von der ADB und zur Hälfte von privaten Investoren aufgebracht werden.
Auch wenn diese GMS-Projekte nur eine erste Annäherung an das sind, was in der Region eigentlich erforderlich wäre, zeigt ein Blick auf die Landkarte, daß die Projekte für die betroffenen Staaten schon eine Revolution bedeuten und daß sie für eine Bevölkerung, die für solche Chancen lange und hart gekämpft hat, eine Vielzahl neuer Möglichkeiten schaffen.
Gail Billington
|
|
| Suchen | Abonnieren | Leserforum |