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Aus der Neuen Solidarität Nr. 47/2002 |
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Die in Krankenhäusern, besonders in OP-Sälen, gefürchteten Staphylokokken könnten möglicherweise durch neue Antibiotika aus Meerestieren abgetötet werden. Wie Prof. Olaf Tyrvold von der Universität Tromsö berichtet, ist man bei der Untersuchung von Seespinnen, Königskrabben, Einsiedlerkrebsen und nördlichen Tiefseegarnelen auf antibakteriell wirksame Peptide gestoßen, die gegen Staphylokokken und Colibakterien wirksam sind. Zur weiteren wissenschaftlichen Erforschung müßten aber größere Mengen der Peptide zur Verfügung stehen; auch das Wirksamkeitsspektrum sowie mögliche Nebenwirkungen müssen noch genauer bestimmt werden.
An der Duke University in Durham und der Universität von Michigan haben Forscher einen neuen Wirkstoff gefunden, mit dem periphere Durchblutungsstörungen merklich verbessert werden können. In einer Studie mit 190 Patienten konnte nachgewiesen werden, daß der Wachstumsfaktor FGF-2 Blutgefäße in arteriell verengten Bezirken neu sprießen läßt und damit zur Verbesserung der zuvor stark herabgesetzten Sauerstoffversorgung führt. Die arterielle Verschlußkrankheit (AVK) äußert sich in Schmerzen in den Beinen bei Belastung. In der Studie wurde die Hälfte der Probanden mit dem Wachstumsfaktor, die andere mit einem Placebo behandelt. Kontrolluntersuchungen fanden nach drei und sechs Monaten statt und ergaben für die Wachstumsfaktorgruppe eine Verbesserung um 34%. Die Gruppe der Placebo-Probanden konnte sich nur um 14% verbessern.
Ein Nachweis, daß sich die Besserungen durch Wachstum neuer Gefäße in dem erkrankten Bereich erklären, muß noch geführt werden. Des weiteren bedarf noch der Klärung, warum bei einigen Patienten anläßlich einer Wiederholungsbehandlung die Untersuchungsbefunde sich wieder verschlechtert haben.
Zwei Babys, die an der angeborenen schweren Immunschwäche SCID (Severe Combined Immunodeficiency Disorder) leiden, konnten nach einer speziellen Behandlung aus der sterilen Isolation unter einem Plastikzelt entlassen werden. Die Ursache von SCID ist ein Mangel an dem Enzym ADA, das zur Bildung von Immunzellen benötigt wird. Shimon Slavin von der Hebräischen Hadassah-Universität in Jerusalem und Alessandro Aiutin vom San Raffaele Telethon-Institut für Gentherapie in Mailand benutzten für die Therapie ein übliches Virus als "Gen-Taxi". Dieses Gen wurde mit einem gesunden ADA-Gen bestückt, in Blutstammzellen aus dem Knochenmark des jeweiligen Säuglings eingebracht und danach reinfundiert. Diese Methode war bereits zuvor jedoch mit nur mäßigem Erfolg praktiziert worden. Erst ein Kunstgriff konnte bei beiden Kindern den Erfolg sichern: Die Babys wurden vor der Behandlung mit einem niedrigdosierten Hemmstoff behandelt, der die aggressiven Zellen ohne ADA-Gen im Rückenmark in Schach hielt. Die Ansiedlung der reinfundierten ADA-haltigen Blutzellen wurde auf diese Weise geschützt und ihre knochenmarkbildende Fähigkeit gefördert. Beide Kinder können jetzt zu Hause bei ihren Familien leben.
Um eine Herzmuskelschwäche festzustellen, benötigt man derzeit noch eine aufwendige, apparative Diagnostik: Elektrokardiogramm, Röntgenuntersuchung des Herzens mit zusätzlichen Aufnahmen des Hinterherzraumes, Lungenfunktionstest, Beurteilung der Gehstrecke. Durch einen neuen Bluttest läßt sich jetzt relativ einfach und schnell feststellen, ob ein Herz leistungsgeschwächt ist. Prof. Christian W. Hamm aus Bad Nauheim berichtete, daß man ein Peptid gefunden habe, das fast ausschließlich im Herzmuskel gebildet wird. Läßt sich eine Erhöhung dieses Peptids im Blut nachweisen, so könne man mit Sicherheit auf eine Herzmuskelschwäche schließen. Andererseits schließe ein Normalwert oder eine Erniedrigung eine Schwächung des Herzmuskels aus. Nach Ansicht von Prof. Christian Hall aus Oslo eröffnen sich mit dem neuen Herzmarker Möglichkeiten zu einem sog. Screening bzw. einer Frühdiagnose der Herzinsuffizienz.
Durchgeführte Studien belegen bereits die Treffsicherheit des neuen Markers. Nach Prof. Hugo A. Katus aus Heidelberg kann die Höhe des NT-pro-BNT-Spiegels Hinweise auf das Sterberisiko und die Notwendigkeit einer Krankenhausbehandlung geben.
Das Ergebnis der sog. Hydra-Studie wurde kürzlich in München von Prof. Hans-Ulrich Wittchen aus Dresden vorgestellt. Die Ergebnisse betrafen ca. 45000 Patienten, die von den Mitarbeitern Wittchens in 1912 deutschen Arztpraxen befragt und untersucht worden waren. So war bei 27% ein erhöhter Blutdruck noch gar nicht erkannt worden. Da die anfängliche Erhöhung des Blutdrucks nicht unbedingt von merklichen Symptomen begleitet sei, blieben diese Erkrankungen dem Patienten nicht selten bis zur Ausbildung schwerer Krankheitssymptome verborgen. Grund hierfür sei u.a. die mangelnde zeitliche Zuwendung, die Hausärzte ihren Patienten bieten könnten; das Abrechnungssystem trage der Notwendigkeit von intensiveren Gesprächen nicht in vollem Umfang Rechnung.
Dr. med. Joachim Roeder
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