|
|
|
|
| Suchen | Abonnieren | Leserforum |
|
Aus der Neuen Solidarität Nr. 48/2002 |
|
Die geplante Nullrunde in deutschen Krankenhäusern hat schon jetzt katastrophale Folgen. Als Reaktion auf den Sparkurs der Bundesregierung hat jetzt das Universitätsklinikum in Greifswald als erstes deutsches Krankenhaus den verzweifelten Schritt getan, die reguläre Patientenversorgung vorübergehend einzustellen. Vom 15.Dezember an werden nur noch Notfälle behandelt. Die Krankenkassen hätten nach Bekanntgabe der neuen Finanzierungsrichtlinien durch das Bundesgesundheitsministerium alle Finanzierungszusagen für nichtig erklärt, erklärte die Greifswalder Klinikleitung. In dem Klinikzentrum werden jährlich rund 35000 Patienten stationär, weitere 60000 Menschen ambulant versorgt. Da die Krankenkassen diese Fallzahlen jedoch nicht akzeptierten und das Budget um etwa 1000 Versorgungsfälle niedriger ansetzten, waren die verfügbaren Mittel bereits seit Jahren im November aufgebraucht. Trotz rund 20000 unbezahlter Überstunden der 400 Ärzte kann das Klinikum die restlichen Kosten nun nicht mehr allein tragen.
Das Sparkonzept der Regierung bedeutet nicht nur, daß Ärzte und Pfleger auch weiterhin über die Grenze der Belastbarkeit arbeiten müssen, weil keine neuen Kräfte eingestellt werden. In einer amerikanischen Studie wurde zudem jetzt erstmals in bezug auf chirurgische Stationen nachgewiesen, daß eine Überlastung des Pflege(Ärztepersonals) auch die Sterblichkeit der Patienten erhöht (JAMA, 2002; 288: 1987-93). Danach gelang der wissenschaftliche Nachweis, daß allein die Überlastung des Pflegepersonals lebensgefährliche Folgen für die Patienten haben kann. Nach Berücksichtigung von Patienten und Klinikbesonderheiten nahm die 30-Tages-Sterblichkeit pro zusätzlichem Patient um 7% zu. Der Unterschied im Personalschlüssel von 4 auf 6 bzw. von 4 auf 8 Patienten pro Pflegekraft führte zu einem Anstieg der Sterblichkeit um 14% bzw. 31%.
Hintergrund der Studie: Auch in den USA gibt es zuwenig Pflegepersonal, zudem wird auch dort nach dem jetzt auch in Deutschland geplanten Fallpauschalenprinzip gearbeitet, bei dem hauptsächlich finanzielle Erwägungen die Patientenversorgung diktieren. Eine von fünf Krankenschwestern gab an, daß sie sich nach einer neuen Arbeit umsehe - in Deutschland gibt es ähnliche Zahlen.
Jutta Dinkermann
|
|
| Suchen | Abonnieren | Leserforum |