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Aus der Neuen Solidarität Nr. 50/2002 |
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Täglich gehen riesige Summen durch die Bücher der Reeder und der Gesundheitskassen. Von den Investitionen ganz zu schweigen. Und das ist dann auch der wunde Punkt: Man verschweigt die Investitionen nicht nur - man unterläßt sie.
In Menschen und Umwelt verachtender Weise wird der Gewinn zum alleinigen Maß der Dinge erhoben. Unter den sogenannten Wirtschaftswissenschaftlern finden sich genügend, die dieser Denkweise huldigen. Unter wortgewaltigen Hymnen an den "freien Markt" werden die wahren Folgen verschleiert. Kommt es dann zur Katastrophe, haben natürlich die Regierungen versagt. Daß diese sich von denselben Experten hatten beraten lassen, wird nicht erwähnt. Dann heißt es, letztlich sei "sowieso die Überregulierung an allem Schuld". Beispiel gefällig?
Hätte sich die Staatengemeinschaft schon vor Jahren darauf festgelegt, ab sofort keine Einhüllentanker auf den Weltmeeren fahren zu lassen, wäre ein Sturm der Entrüstung losgebrochen: "Weil doch die Ölpreise... und der Wirtschaftsstandort... und überhaupt...." Also mußte eine Übergangsregelung her. Die hat jetzt versagt. Aber das ist natürlich nicht die Schuld der Experten. Wer konnte schon voraussehen, daß ein Reeder ein so altes Schiff immer wieder einsetzt. Wer konnte ahnen, daß es Wind und Wellen auf dem Meer gibt? Der Reeder? Der hat sich einfach nur an die Regeln seiner Wirtschaftsexperten gehalten und ordentlich Gewinne eingefahren. Der Wind kann außerdem per Definition nicht schlecht sein, denn er ist regenerative Energie. Also ist vermutlich der Verbraucher schuld, der es versäumte, sich rechtzeitig für Zweihüllentankeröl zu entscheiden. Dann hätte nämlich der Markt alles ganz allein geregelt. Und wenn nicht ganz allein, dann mit 50 Pfennig Tankerzweithüllenabgabe pro Liter Benzin...
Ich hatte schon begonnen, ähnlich ironisch über das Gesundheitswesen und seine Ministerin herzuziehen (siehe Überschrift). Aber dabei fiel mir auf, wie ernst das Thema ist. Vor allem für chronisch kranke Menschen gibt es hier in Deutschland nur wenig Verständnis von seiten der Politik.
Diese Ignoranz gibt es nicht nur in Fragen der medizinischen Versorgung und nicht nur in der Politik. Zum Beispiel sind im Zeitalter des 300-km/h-Autos die öffentlichen Verkehrsmittel noch lange nicht überall für Behinderte und Alte geeignet. Klar würde Herr Mehdorn gern alle Bahnhöfe entsprechend ausrüsten. Aber das Geld! Und so beugen wir bei jedem Ein- und Aussteigen geduldig das Knie vor dem Sparkurs der Regierung. Auch wenn es schmerzt.
Noch einmal zurück zu Tankern und Gesundheit: Vielleicht können wir uns nicht auf jede mögliche Katastrophe vorbereiten. Wir sollten es aber im Rahmen unserer Möglichkeiten tun. Diesen Rahmen können wir ständig erweitern, wenn wir uns nicht selbst behindern. Daß der Reeder der "Prestige" seiner Verantwortung als Unternehmer nicht gerecht geworden ist, als er sich wegen seines Profits über alle Bedenken hinwegsetzte, kann leider nicht als tragischer Einzelfall gelten. Frau Schmidt als Gesundheitsministerin hat ihre eigenen Ziele aufgegeben und damit als Politikerin versagt. Aber mit dem Finger auf andere zeigen, hilft hier nicht weiter. Jedem einzelnen kommt in seinem Bereich Verantwortung zu. Und in einer Demokratie haben auch die Wähler Verantwortung.
Warum ich auf diese Weise "geschickt" auf die Landtagswahlen 2003 in Niedersachsen hinweise? Weil ich meinen Teil der Verantwortung durch meine Kandidatur im Wahlkreis 37 - Hannover Süd-West übernehmen möchte.
Gleichzeitig öffnet sich dadurch das Thema dem ganzen Spektrum, das die Freunde der BüSo und die Leser der Neuen Solidarität gewohnt sind. Wohl noch weit darüber hinaus. Aber wie bei einem Parabolspiegel triff sich endlich alles im Brennpunkt Mensch.
Steffen Brosig
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