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Aus der Neuen Solidarität Nr. 50/2002

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Neues aus der Medizin


Herzinfarktrisiko besser erkennbar
Herzscheidewand bei Baby ersetzt

Nervenzellen aus dem Bein transplantiert

Brustkrebs: Neuer Weg der Strahlentherapie

Vulkanische Mineralien stillen massive Blutungen

Heilung der Zöliakie in Aussicht

Verbesserte Strahlentherapie bei Krebs

Hyperthermie verstärkt Chemotherapie

Herzinfarktrisiko besser erkennbar

An der Mainzer Universitätsklinik lief eine großangelegte Studie unter Leitung von Prof. Hans-Jürgen Rupprecht, um herauszufinden, wie die Früherkennung herzinfarktgefährdeter Menschen verbessert werden kann. Herzpatienten wurden über einen längeren Zeitraum beobachtet, ihre Blutwerte zur später aufgetretenen Herzgefäßerkrankung in Relation gesetzt. Das erstaunliche Resultat: Verschiedene im Blut nachweisbare Eiweißkörper lassen eine gute Vorhersage über eine spätere Herzgefäßerkrankung zu. Die in Frage kommenden Proteine, sog. Inflammationsmarker, zeigen ein entzündliches Geschehen an der Gefäßwand an. Daß Entzündungen der Gefäßwand einem Infarktgeschehen vorausgehen, ist eine neue Erkenntnis; es sind also nicht nur Ablagerungen, die den Gefäßverschluß verursachen. Neben diesen Faktoren waren auch Genmutationen bei diesen Patienten Ziel der Untersuchungen. Es ließen sich Zusammenhänge zwischen Genmutationen von Herzkranzgefäßerkrankten mit den bei ihnen gefundenen Entzündungsparametern aufdecken. Die Beurteilung der Inflammationsmarker mit ihrer Relation zu den Genmutationen ermöglicht so eine Einstufung in der Risikobelastung bei Herzpatienten.

Herzscheidewand bei Baby ersetzt

Am Deutschen Herzzentrum in München ist vor zwei Jahren bei einem Baby, das mit fehlender Herzscheidewand auf die Welt kam, eine plastische Operation gelungen. Die gesamte fehlende Trennwand zwischen linkem und rechtem Herzteil wurde bei dem Baby durch ein Plastikimplantat ersetzt, so daß Lungen- und Körperkreislauf voneinander getrennt werden konnten. Zuvor litt das Kind infolge der fehlenden getrennten Kreisläufe an einer erheblichen Unterversorgung des gesamten Organismus mit Sauerstoff. Dem Kind geht es jetzt gut, und es entwickelt sich völlig normal.

Nervenzellen aus dem Bein transplantiert

Bei einem Querschnittsgelähmten ist in Frankreich vor längerer Zeit die Transplantation von Nervenzellen in das durch einen Unfall geschädigte Rückenmark vorgenommen worden. Die Nervenzellen stammten aus einem Wadenmuskel des Patienten und wurden mittels eines Klebstoffs und feiner Plastikschienen zwischen Nervenzellen des Rückenmarks und der Peripherie befestigt. Der Mann hat heute wieder Gefühl in den Beinen und kann auch seine Muskeln teilweise anspannen. Mit der Veröffentlichung dieses positiven Ergebnisses hat man bewußt gewartet, bis der Erfolg eindeutig war. Allerdings werden die Neurochirurgen des Universitätskrankenhauses in Nantes den Patienten dadurch nicht wieder zum Gehen bringen können. Sie sehen aber für das tägliche Leben des Gelähmten eine erhebliche Erleichterung, weil das "Gehirn wieder mit den Beinen verbunden" sei.

Brustkrebs: Neuer Weg der Strahlentherapie

Ein neues Verfahren zur Behandlung des Brustkrebses der Frau wird jetzt im Klinikum Mannheim praktiziert: Bei Frauen über 35, bei denen der nachweislich bösartige Tumor nicht größer als 2 cm im Durchmesser mißt, wird nach dessen operativer Entfernung das Wundbett mit einem speziell hierfür entwickelten Röntgengerät hochdosiert bestrahlt. Es handelt sich dabei um einen kaum 2 kg schweren sog. Linearbeschleuniger, in jedem OP einsetzbar, der mit seinem Bestrahlungskopf direkt in die Wundhöhle eingebracht wird. Der leitende Gedanke ist der, daß verbliebene bösartige Zellen in nächster Nähe des Tumors von den Strahlen besser erfaßt und abgetötet werden als mit einer herkömmlichen, geringer dosierten Bestrahlung von außen durch Haut, Fett- und Bindegewebe. Außerdem entstehen Tumorrezidive zu 90% in unmittelbarer Umgebung des alten Tumorherdes, wie Prof. Frank Melchert vom Klinikum Mannheim erklärte. Das bedeutet eine wesentlich schonendere und zeitlich verkürzte Nachbehandlung, wovon der Großteil der Betroffenen, bei denen der Tumor in der Frühphase entdeckt wird, profitieren kann.

Vulkanische Mineralien stillen massive Blutungen

Durch Zufall machte der amerikanische Wissenschaftler Frank Hursey die Entdeckung, daß vulkanisches Mineral starke Blutungen zum Stehen bringen kann. Er hatte sich beim Rasieren geschnitten, und da er gerade etwas von diesem Mineral zur Hand hatte, das er gerade auf seine Absorptionsfähigkeit untersuchte, drückte er es auf die Wunde. Die Blutung sistierte sofort. Daraufhin intensivierte er seine Forschungen in diese Richtung; auch Universitäten, Kliniken sowie militärische Einrichtungen beteiligten sich an der Weiterentwicklung. Schließlich konnte die Firma Z-Medica das Präparat QuickClot auf den Markt bringen. Das Präparat, in blutende Wunden gestreut, bindet sofort Flüssigkeit, so daß die korpuskulären Anteile der Blutung besser verklumpen und so ein Blutungsstopp eintritt. Allergien und andere Unverträglichkeiten treten nicht auf.

Heilung der Zöliakie in Aussicht

Die Zöliakie (Sprue) ist eine Stoffwechselstörung, bei der Gluten, ein Eiweißkörper aus dem Getreide, nicht verwertet werden kann. Amerikanische und norwegische Forscher konnten jetzt aus dem Gluten eine Untereinheit, ein aus 33 Aminosäuren bestehendes Gliadin, isolieren, das sich durch die Verdauungsfermente nicht aufspalten läßt. Das Gliadin wird vom Immunsystem als "Feind" erkannt und mittels eines speziellen Gens angegriffen, das bei Zöliakiepatienten in 90% der Fälle nachweisbar ist. Hierauf kommt es zu Schädigungen der Dünndarmzotten. Wegen der so stark verkleinerten Resorptionsfläche im Dünndarm kommt es langfristig zu erheblichen Störungen bei der Aufnahme von Nähr- und Hilfsstoffen. Die Folgen sind Abmagerung, Muskelschwund, Gedeihstörungen und bei Kindern typisch ein aufgeblähter Bauch. Die Forschergruppe um Prof. Khosla von der Stanford-Universität hat nun ein bakterielles Verdauungsenzym, die Prolyl-Endopeptidase, gefunden, das das Gliadinmolekül aufspalten und die Krankheitsursache der Zöliakie beheben kann. Diese Substanz dürfte in einigen Jahren medikamentös zubereitet zur Verfügung stehen und oral eingenommen die Erkrankung Zöliakie behandelbar machen.

Verbesserte Strahlentherapie bei Krebs

Bei der Bestrahlungstherapie von Krebskranken hat es in den letzten Jahren ständige Fortschritte gegeben. Eine dieser "Schonbestrahlungsarten" ist die sog. Brachytherapie. Hierzu ist ein computergesteuertes Navigations- und Bestrahlungsgerät erforderlich. Nach einer genauen Differenzierung des Tumors durch Computertomographie und Kernspintomographie kann die nachfolgende Bestrahlung mittels einer speziellen Software dreidimensional geplant und festgelegt werden. "Die Positionierung der Strahlenquelle ist von entscheidender Bedeutung, um die Strahlendosis im Tumor zu konzentrieren und das gesunde Gewebe zu schonen", erklärte Prof. Nikolaos Zamboglou, Direktor der Strahlenklinik am Klinikum Offenbach.

Auch die sog. Intensitätsmudulierte Strahlentherapie (IMRT) hat die minimale Schädigung des gesunden Tumorumfeldes zum Ziel: Das IMRT-Gerät trägt in seinem Bestrahlungskopf feine Bleilamellen, die sich vor- und rückbewegen und damit die Bestrahlungsfelder unterschiedlicher Bestrahlungsdosis aussetzen. Naheliegende wichtige Organe können so geschont werden. In vielen Fällen erübrigt sich sogar eine Operation. An der Universität Dresden und der Charité in Berlin wird die IMRT bereits routinemäßig eingesetzt.

Hyperthermie verstärkt Chemotherapie

An der Universitätsklinik Kiel sind 25 Patienten mit Lungenfellkrebs, einem durch Asbest hervorgerufenen Mesotheliom, mit einer neu kombinierten Methode aus Chemotherapie und gleichzeitiger Hyperthermie (Überwärmung) behandelt worden. Dabei wurden die Kranken auf eine Körpertemperatur von 41,8°C gebracht und gleichzeitig mit drei Zytostatika behandelt, die ihrerseits eine vier- bis fünfmal stärkere Wirkung zeigten als bei "kalter Behandlung". Die Studienleiterin Afsaneh Bakkhshandeh-Bath erläuterte, es sei bei der sehr schlechten Prognose des Pleuramesothelioms besonders erfreulich, daß die Überlebenszeit seit Diagnosestellung auf durchschnittlich zwanzig Monate verlängert und der Schmerzmittelbedarf erheblich abgesenkt werden konnte.

Dr. med. Joachim Roeder

 

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