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Aus der Neuen Solidarität Nr. 51/2002

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Kommentar

Club of Life:
Weniger Menschen gleich weniger Armut?

Der Weltbevölkerungsbericht der Vereinten Nationen (UNFPA) ist Jahr für Jahr ein Ärgernis nach dem einfachen Strickmuster: "Bekämpfung der Armut erfordert mehr Investitionen in Familienplanung" - im Klartext: weniger Menschen gleich weniger Arme. Dabei hätte UNFPA allen Grund zum Frohlocken, denn seit 1970 geht eigenen Angaben zufolge in vielen Entwicklungsländern die Kinderzahl pro Frau zurück. Dennoch bewertet der UNFPA-Bericht die beiden vergangenen Jahrzehnte als "verpaßte Chance". Wäre die Fertilität (reden wir hier eigentlich über Viehzucht?) in den 80er Jahren in allen Ländern um etwa 0,5% zurückgegangen, wie es in vielen asiatischen Nationen der Fall gewesen sei, dann wäre nach UNFPA-Schätzungen die weltweite Armut bereits um ein Drittel gesunken.

Ein Kind, das in die Armut hineingeboren wird und schon als Säugling zu sterben droht, ist sicher eine traurige Angelegenheit, an der es nichts zu verherrlichen gilt. Aber sind wir denn schon so wirr im Kopf, daß uns zu dem Begriff Armut nichts weiter einfällt als "Begrenzung der Kinderzahl", bei schwerkranken Menschen "würdiges Sterben", bei Weltwirtschaftskrise und sozialem Chaos "Augen zu und durch" oder "Der Stärkere überlebt". Wir sind keine Kinder mehr, die sich die Augen zuhalten können und auf diese Art und Weise meinen, nicht mehr gesehen zu werden. Das Weltgewissen und die Weltgeschichte vergessen nicht. Eines Tages wird in den Geschichtsbüchern stehen, daß es solche Menschen gab, die Verhinderung und Zerstörung von Leben als vermeintlich wichtigstes Ziel betrieben. Und andere, die nicht nachdenken wollten und alles einfach nachbeteten. Eine traurige, eine erbärmliche Vorstellung.

J.D.

 

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