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Aus der Neuen Solidarität Nr. 51/2002

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Neues aus der Medizin


Brustkrebs: Neuer Weg der Strahlentherapie
Vulkanische Mineralien stillen massive Blutungen

Heilung der Zöliakie in Aussicht

Verbesserte Strahlentherapie bei Krebs

Hyperthermie verstärkt Chemotherapie

Brustkrebs: Neuer Weg der Strahlentherapie

Ein neues Verfahren zur Behandlung des Brustkrebses wird jetzt im Klinikum Mannheim praktiziert: Bei Frauen über 35, bei denen der nachweislich bösartige Tumor nicht größer als 2 cm im Durchmesser mißt, wird nach dessen operativer Entfernung das Wundbett mit einem speziell hierfür entwickelten Röntgengerät hochdosiert bestrahlt. Es handelt sich dabei um einen kaum 2 kg schweren sog. Linearbeschleuniger, in jedem OP einsetzbar, der mit seinem Bestrahlungskopf direkt in die Wundhöhle eingebracht wird.

Der leitende Gedanke ist der, daß verbliebene bösartige Zellen in nächster Nähe des Tumors von den Strahlen besser erfaßt und abgetötet werden als mit einer herkömmlichen, geringer dosierten Bestrahlung von außen durch Haut, Fett- und Bindegewebe. Außerdem entstehen Tumorrezidive zu 90% in unmittelbarer Umgebung des alten Tumorherdes, wie Prof. Frank Melchert vom Klinikum Mannheim erklärte. Das bedeutet eine wesentlich schonendere und zeitlich verkürzte Nachbehandlung, wovon der Großteil der Betroffenen, bei denen der Tumor in der Frühphase entdeckt wird, profitieren kann.

Vulkanische Mineralien stillen massive Blutungen

Durch Zufall machte der amerikanische Wissenschaftler Frank Hursey die Entdeckung, daß vulkanisches Mineral starke Blutungen zum Stehen bringen kann. Er hatte sich beim Rasieren geschnitten, und da er gerade etwas von diesem Mineral zur Hand hatte, weil er es auf seine Absorptionsfähigkeit untersuchte, drückte er es auf die Wunde. Die Blutung sistierte sofort. Daraufhin intensivierte er seine Forschungen in diese Richtung; auch Universitäten, Kliniken sowie militärische Einrichtungen beteiligten sich an der Weiterentwicklung. Schließlich konnte die Firma Z-Medica das Präparat QuickClot auf den Markt bringen. Das Präparat, in blutende Wunden gestreut, bindet sofort Flüssigkeit, so daß die korpuskulären Anteile der Blutung besser verklumpen und ein Blutungsstopp eintritt. Allergien und andere Unverträglichkeiten treten nicht auf.

Heilung der Zöliakie in Aussicht

Die Zöliakie (Sprue) ist eine Stoffwechselstörung, bei der Gluten, ein Eiweißkörper aus dem Getreide, nicht verwertet werden kann. Amerikanische und norwegische Forscher konnten jetzt aus dem Gluten eine Untereinheit, ein aus 33 Aminosäuren bestehendes Gliadin, isolieren, das sich durch die Verdauungsfermente nicht aufspalten läßt. Das Gliadin wird vom Immunsystem als "Feind" erkannt und mittels eines speziellen Gens angegriffen, das bei Zöliakiepatienten in 90% der Fälle nachweisbar ist. Hierauf kommt es zu Schädigungen der Dünndarmzotten. Wegen der stark verkleinerten Resorptionsfläche im Dünndarm kommt es langfristig zu erheblichen Störungen bei der Aufnahme von Nähr- und Hilfsstoffen. Die Folgen sind Abmagerung, Muskelschwund, Gedeihstörungen und bei Kindern typisch ein aufgeblähter Bauch. Die Forschergruppe um Prof. Khosla von der Stanford-Universität hat nun ein bakterielles Verdauungsenzym, die Prolyl-Endopeptidase, gefunden, das das Gliadinmolekül aufspalten und die Krankheitsursache der Zöliakie beheben kann. Diese Substanz dürfte in einigen Jahren medikamentös zubereitet zur Verfügung stehen und oral eingenommen die Erkrankung Zöliakie behandelbar machen.

Verbesserte Strahlentherapie bei Krebs

Bei der Bestrahlungstherapie von Krebskranken hat es in den letzten Jahren ständige Fortschritte gegeben. Eine dieser "Schonbestrahlungsarten" ist die sog. Brachytherapie. Hierzu ist ein computergesteuertes Navigations- und Bestrahlungsgerät erforderlich. Nach einer genauen Differenzierung des Tumors durch Computertomographie und Kernspintomographie kann die nachfolgende Bestrahlung mittels einer speziellen Software dreidimensional geplant und festgelegt werden. "Die Positionierung der Strahlenquelle ist von entscheidender Bedeutung, um die Strahlendosis im Tumor zu konzentrieren und das gesunde Gewebe zu schonen", erklärte Prof. Nikolaos Zamboglou, Direktor der Strahlenklinik am Klinikum Offenbach.

Auch die sog. Intensitätsmudulierte Strahlentherapie (IMRT) hat die minimale Schädigung des gesunden Tumorumfeldes zum Ziel: Das IMRT-Gerät trägt in seinem Bestrahlungskopf feine Bleilamellen, die sich vor- und rückbewegen und damit die Bestrahlungsfelder unterschiedlicher Bestrahlungsdosis aussetzen. Naheliegende wichtige Organe können so geschont werden. In vielen Fällen erübrigt sich sogar eine Operation. An der Universität Dresden und der Charité in Berlin wird die IMRT bereits routinemäßig eingesetzt.

Hyperthermie verstärkt Chemotherapie

An der Universitätsklinik Kiel sind 25 Patienten mit Lungenfellkrebs, einem durch Asbest hervorgerufenen Mesotheliom, mit einer neu kombinierten Methode aus Chemotherapie und gleichzeitiger Hyperthermie (Überwärmung) behandelt worden. Dabei wurden die Kranken auf eine Körpertemperatur von 41,8°C gebracht und gleichzeitig mit drei Zytostatika behandelt, die ihrerseits eine vier- bis fünfmal stärkere Wirkung zeigten als bei "kalter Behandlung". Die Studienleiterin Afsaneh Bakkhshandeh-Bath erläuterte, es sei bei der sehr schlechten Prognose des Pleuramesothelioms besonders erfreulich, daß die Überlebenszeit seit Diagnosestellung auf durchschnittlich zwanzig Monate verlängert und der Schmerzmittelbedarf erheblich abgesenkt werden konnte.

Dr. med. Joachim Roeder

 

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