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Aus der Neuen Solidarität Nr. 51/2002 |
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Der ehemalige russische Ministerpräsident Jewgenij Primakow hatte im Dezember 1998 als erster die Politik der strategischen Dreieckskooperation zwischen Rußland, China und Indien öffentlich vorgeschlagen. Damals war die Reaktion aus Neu-Delhi und Beijing zurückhaltend.
Am 7.Dezember wurde Primakow im russischen Fernsehen gefragt, ob diese Politik mit Putins jüngster Reise Fortschritte gemacht habe. Er bejahte dies ganz nachdrücklich. Das Dreieck sei kein militärischer oder politischer Block, betonte er. Es sei vielmehr "eine geometrische Figur, deren Verbindungen zwischen den Polen verstärkt werden sollten". Westliche Geopolitiker haben Primakows Vorschlag des "strategischen Dreiecks" als amerikafeindlich hingestellt, aber das ist er nie gewesen. Seit dem Beginn der Verbesserung der russisch-chinesischen Beziehungen Anfang der 90er Jahre haben beide Länder immer wieder erklärt, diese verbesserten Beziehungen seien nicht gegen andere Nationen gerichtet.
Primakow sagte, die von Putin in China und Indien unterzeichneten politischen Erklärungen seien ein Ausdruck davon, wie ähnlich die Sichtweise der drei Länder in internationalen Fragen sei - etwa was Terrorismus, den Irak, Westasien, die Vereinten Nationen, die Nichtweiterverbreitung von ABC-Waffen oder die Sicherheit der Region angehe.
Die drei Länder hätten ein gemeinsames Interesse an Sicherheit und Stabilität in Zentralasien und Afghanistan. Die chaotische Lage in Afghanistan, mit Bürgerkrieg und umfangreicher Opiumproduktion, wirke sich auf alle eurasischen Nationen negativ aus und mache dieses Dreieck Moskau-Beijing-Delhi um so notwendiger. Wenn sich die Dreieckspolitik in der Region konsolidiere, werde sich das Dreieck zweifellos als stabilisierender Faktor auswirken, sagte Primakow.
Die führende brasilianische Tageszeitung Folha de Sao Paulo würdigte am 8. Dezember ausführlich die Reise des russischen Präsidenten nach China und Indien. Der Autor Gilson Schwartz sieht in der Zusammenarbeit der drei großen asiatischen Mächte ein Gegengewicht gegen amerikanische Pläne für eine "unipolare" Welt.
US-Präsident Bush habe vor einem Jahr die Welt aufgeteilt in jene, die "für uns" sind und jene, die "gegen uns" sind, schreibt Schwartz. Putins Reise mit dem Ziel der Beförderung einer "an den drei großen Regionalmächten ausgerichteten asiatischen Achse" sei aber ein Beispiel dafür, wie sehr Bush in den vergangenen Monaten in der realen Welt an Unterstützung für seine Linie verloren habe.
Besonders interessant ist, was Folha de Sao Paulo über den wirtschaftlichen Aspekt schreibt: "Rußland, China und Indien, als Nuklearmächte und praktisch als die einzigen Länder, die mit einem Minimum an Abhängigkeit von ausländischen Geldern Projekte zur beschleunigten Industrialisierung durchführen können, brauchen sehr viel Energie (Öl und Gas) für ihr Wachstum." Ohne dieses Wachstum werde die Armut hunderter Millionen Menschen den Nährboden für Fundamentalismus bilden. Deshalb sprachen die drei Länder neben Rüstungsvorhaben auch über "neuartige Zusammenarbeit im Energie- und Kernenergiebereich".
"Der zunehmend prekäre Zustand der US-Ökonomie macht die Entwicklung eines asiatischen Pakts für die drei Regionalmächte um so dringlicher", heißt es in Folha weiter. "Ohne das schnelle Geld, das die [westlichen Industrie-] Nationen den ,aufstrebenden Märkten' früher bereitstellten, wird die Suche nach einer geopolitischen Alternative zu einer Überlebensfrage."
Am 12.Dezember hat in der Entmilitarisierten Zone das Verlegen der Schienen auf der Kyongui-Bahn - die Ostküstenstrecke Seoul-Pyongyang-Shinuiju - begonnen. Das südkoreanische Verkehrsministerium gab bekannt, das Gebiet sei von Minen geräumt und der Schienenweg vorbereitet. In Seoul heißt es schon, der erste Zug zwischen Süd- nach Nordkorea könne vielleicht noch in diesem Jahr fahren.
Derweil meldete das nordkoreanische Fernsehen in Pjöngjang, 35 russische Eisenbahnexperten inspizierten zusammen mit einheimischen Experten in Nordkorea den Zustand der Hauptstrecke an der Westküste, die modernisiert werden soll. Der russische stellv. Eisenbahnminister Wladimir Sasonow kündigte am 10.Dezember in Seoul an, es solle ein internationales Konsortium gebildet werden, das die Transsibirische Eisenbahn mit der Transkoreanischen Bahn verbinden solle. Durch das Eisenbahn-Kooperationsprogramm könne Nordkorea stärker in die internationale Gemeinschaft eingegliedert werden, sagte Sasonow.
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