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Aus der Neuen Solidarität Nr. 19/2002

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Gegen den "permanenten Krieg"

In seinem jüngsten Internetforum erklärte Lyndon LaRouche die Hintergründe der akuten Kriegsgefahr im Nahen und Mittleren Osten und nannte Lösungsmöglichkeiten.


Die Vorgeschichte: britische Geopolitik

Lyndon LaRouche, der sich in der Demokratischen Partei der USA für die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten 2004 bewirbt, sprach am 1. Mai in Washington über die verheerende Lage im Nahen und Mittleren Osten. Im Saal der Live-Veranstaltung waren etwa 200 Zuhörer zusammengekommen. Über Internet-Videoverbindung waren weitere 50 Teilnehmer in New York und viele hunderte andere in aller Welt zugeschaltet. Persönlich anwesend waren Diplomaten der Botschaften in der Hauptstadt und der UN in New York, in- und ausländische Medien, politische Aktivisten und Lokalpolitiker. An LaRouches Vortrag schloß sich eine mehrstündige Debatte an, über die wir später berichten werden.

LaRouche führte aus, wie in den USA nach dem Tode Präsident Franklin Roosevelts die Vertreter der "utopischen Militärdoktrin" um Kissinger, Brzezinski oder Huntington immer mehr Einfluß und Macht aufgebaut haben. Das Ziel dieser Gruppe sei der "permanente Krieg" und ein anglo-amerikanisches Weltreich nach dem Vorbild des Römischen Reiches, in dem für souveräne Nationalstaaten kein Platz mehr ist.

Diese imperial-utopische Fraktion sei der Todfeind der "amerikanischen intellektuellen Tradition", die LaRouche selbst verkörpert und deren Ziel das Gemeinwohl in der eigenen Nation und die am Gemeinwohl orientierte Entwicklung aller Nationen sei. Leider habe seit 1965 - mit Ausnahme von Präsident Reagans SDI-Initiative - kein amerikanischer Präsident dieses eigentliche Selbstinteresse der Verinigten Staaten ernsthaft vertreten.

Dagegen habe Präsident Eisenhower die amerikanische Militärtradition noch gut genug verstanden, um während der Suez-Krise 1956 Israel, Großbritannien und Frankreich in die Schranken zu weisen. LaRouche verglich Eisenhower mit dem derzeitigen Mann im Weißen Haus und kam zu der Schlußfolgerung: "Wir haben keinen Präsidenten der Vereinigten Staaten." Bush sei zwar formell in dieses Amt eingeführt, aber völlig unqualifiziert dafür.

LaRouche schilderte dann als Ursache der heutigen Weltkrise die Weltwirtschafts- und Weltfinanzkrise, wobei er seine bekannte Kollaps-Graphik verwendete. Amerika habe sich von einer produzierenden Industriewirtschaft in eine parasitäre "Konsumgesellschaft" verwandelt. Ein anderes Anzeichen für moralischen Niedergang seien die massenhafte Verbreitung von "Killer-Videospielen", die nicht nur junge Menschen in potentielle Massenmörder in Straßen und Schulen verwandeln, sondern die zugleich das Rekrutenmaterial für die neuzeitlichen "Legionen" des "permanenten Krieges" bilden.

LaRouche erwähnte dann, daß die israelische Armee für ihr Vorgehen gegen die Palästinenser den "Stroop-Bericht" über das Vorgehen der Nazis bei der Zerstörung des Warschauer Gettos 1943 studierte. Er zeigte Bilder des Warschauer Gettos von 1943 und des Flüchtlingslagers Dschenin heute. Daß die Vereinigten Staaten Scharons Kriegsverbrechen tolerierten, sei nicht auf den Einfluß der "zionistischen Lobby" in Amerika zurückzuführen, wie viele fälschlich glaubten, sondern liege daran, daß die anglo-amerikanische Gruppe, die hinter der imperial-utopischen Politik vom "Zusammenprall der Zivilisationen" steht, die Scharon-Gruppe in Israel kontrolliere.

Die Schrecken im Nahen Osten seien eine Fortsetzung der Politik des "permanenten Krieges", den die imperial-utopische Fraktion auch gegen den Irak anstrebe. LaRouche nannte als Beispiel für die Strategie des "permanenten Krieges" den Korea-Krieg, der bis heute noch nicht beendet sei. Dem folgte der Krieg in Indochina und 1991 der Krieg gegen den Irak, der nicht nur nicht beendet ist, sondern jetzt in eine neue Phase tritt und auf die ganze Region des westlichen Asien ausgeweitet werden soll.

Die Vorgeschichte: britische Geopolitik

LaRouche verfolgte die Geschichte der britischen geopolitischen Intervention in dieser Region zurück bis ins späte 19. Jahrhundert, als Großbritannien beschloß, die am Golf und im Nahen Osten entdeckten Ölreserven als Treibstoff für seine Marine und seine Industrie unter seine Kontrolle zu nehmen. "Die ölreiche Region des Nahen Ostens sollte die Grundlage der britischen Kontrolle über die Petroleum- und Energieversorgung der ganzen Welt werden." Um diese Kontrolle ausüben zu können, hätten die Briten die politische Landkarte am Golf und im Nahen Osten neu gezeichnet.

Der arabisch-israelische Konflikt, fuhr LaRouche fort, wurde von diesen geopolitischen Interessen Großbritanniens bewußt geschaffen. Die frühen jüdischen Siedlungen in Palästina waren begrenzt und lösten keine größeren Feindseligkeiten aus. Dann aber sei von den Briten in Palästina die Teile-und-Herrsche-Politik aktiviert worden und der Konflikt zwischen Arabern und Juden systematisch geschürt worden. Das Ziel der Anglo-Amerikaner war die Schaffung "eines Faktors permanenter Destabilisierung im Nahen Osten, dem strategischen Knotenpunkt, der Afrika mit Eurasien und das Mittelmeer mit dem Indischen Ozean verbindet". In Israel, meinte LaRouche, habe ab Ende der 70er Jahre eine Gruppierung, die durch die faschistische Ideologie Wladimir Jabotinskys geprägt ist, immer mehr an Macht gewonnen.

Der von den Anglo-Amerikanern ausgelöste permanente Krieg in der Region sei inzwischen so weit eskaliert, daß er "keine israelische Frage mehr ist und keine arabische Frage". Es ist eine global-strategische Frage, die die Menschheit im Weltmaßstab bedroht.

Aber Frieden ist möglich, schloß LaRouche. Der Schlüssel dazu sei die gemeinsame wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Region des Nahen und Mittleren Ostens, für die er seit 25 Jahren mit seinem "Oasen-Plan" eintritt. Das sei die einzig mögliche Lösung, die im Interesse der Region, der USA, Europas und der ganzen Welt liege.

Der amerikanische Präsident verstehe dieses Selbstinteresse der USA (noch) nicht: "Wenn der Präsident der Vereinigten Staaten den Mumm und die Weisheit fände, im Nahen Osten zu intervenieren, dann hätte dieser Zirkus sofort ein Ende. Nicht so sehr weil die USA die physische Macht besäßen, zu unterbinden, was Scharon tut, sondern weil sich in dem Fall die Nationen Europas und andere Teile der Welt den USA anschließen und mit ihnen zusammenarbeiten würden. Fast die ganze Welt stünde wie ein Mann zusammen, um Frieden zu schaffen."

Die politische Aufgabe sei nun, eine Lage zu schaffen, in der der Präsident der USA dies tut. LaRouche schloß mit den Worten:

"Der Mann, der Präsident der Vereinigten Staaten ist, gibt nicht viel her, aber er ist der Präsident. Deshalb sollten wir daran arbeiten, um ihn herum eine Umgebung zu schaffen, wo ihm deutlich wird, daß die Vereinigten Staaten ein bestimmtes nationales Interesse haben. Er wird es vielleicht nicht ganz verstehen, aber man muß ihm deutlich machen, was dieses Interesse ist und daß etwas geschehen muß, weil es im Interesse der USA liegt. Sagen wir ihm, er brauche keine Angst vor der sogenannten zionistischen Lobby in den USA haben. Wir werden ihm dabei helfen.

Dann braucht er ein paar gute Berater. Wie motiviert man einen Kerl wie George Bush? Es gibt nur ein Mittel, jemanden mit seinen Beschränkungen zu erreichen. Man muß ihm sagen: ,Du hast hier eine Aufgabe - eine wichtige Aufgabe.' Er sagt: ,Ja, es ist eine wichtige Aufgabe.' ,Und willst Du darin erfolgreich sein?' ,Ja.' ,Willst Du zukünftigen Generationen als ein großer Präsident in Erinnerung bleiben?' ,Ja.' ,Gut. Wir machen einen aus Dir.' Das müssen wir schaffen."

Muriel Mirak-Weißbach

 

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