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Aus der Neuen Solidarität Nr. 43/2002 |
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Von Lyndon LaRouche
Es war einmal ein mächtiges Reich, das sich "Domäne der Kosten- und Finanzbuchhaltung" nannte. Nach langer Herrschaft verschwand es plötzlich von der Bildfläche. Von dem kleinen Häuflein Überlebender dieser Katastrophe wurde es kaum jemals wieder erwähnt. Die Verleugnung ging so weit, daß die Menschen die wenigen Verwegenen, die den Namen des gefallenen Reiches noch in den Mund zu nehmen wagten, so nichtachtend behandelten, als wären sie Luft.Nur ein einziger Überlebender wußte, warum das Reich untergegangen war. Man erwähnte ihn sehr selten, ja man hielt ihn sogar für eine sagenhafte Erfindung, die man bei seltenen Gelegenheiten "Der Prophet" nannte. In der öffentlichen Meinung in dieser Zeit nach dem Untergang war er eine kassandraartige Sagenfigur aus dem früheren Buchhaltungsreich, das wie das sagenhafte Troia "schließlich nie existiert" habe.
Eine Zeitlang diskutierten die mit der Ausgrabung der Scherben und anderen Überreste des Ödlands beschäftigten Archäologen lebhaft über die Frage: "Wie und Warum?" Aber am Ende einigten die Archäologen sich: "Da Geschichte immer von der Meinung der Massen und niemals von einzelnen Ausnahmepersönlichkeiten gemacht wird, kann die öffentliche Meinung die Idee, daß 'der Prophet' wirklich gelebt hat, niemals akzeptieren. Deshalb wird es für uns Akademiker als wahre, treue Anhänger der öffentlichen Meinung niemals eine plausible Erklärung für die Ursachen des Untergangs dieses Reiches geben. Es war das Werk einer unsichtbaren Hand."
Was war nun wirklich geschehen?
Die Magier, die das untergegangene Reich mit ihren zahlentheoretischen Faustregeln regierten, hatten ein wasserdichtes Buchhaltungs-Regelwerk aufgestellt. Damit wollten sie den Kaiser und das Volk überzeugen, daß ihre Politik, die mit hochtrabenden Namen wie "allmächtige Bilanzgottheit" daherkam, über das ganze Universum herrschte. Alles, was die Buchhalter in ihren Rechnungen als "Stimme der Bilanzgottheit" präsentierten, fand den Beifall der öffentlichen Meinung, und der Kaiser, der ohnehin meistens nicht so recht durchblickte, setzte sein zeremonielles Gesicht der Allwissenheit auf, nickte zustimmend und verordnete alles, was die offizielle Stimme der Bilanzgottheit vorschlug, per Gesetz.
Der Haken dabei war, daß die Vorgänge im realen Universum und das, was die Magier in ihrem System als Ursache und Wirkung beschrieben, nicht übereinstimmten. Deshalb lösten sich die Bilanzen irgendwann in Luft auf und mit ihnen das Reich der Finanzbuchhalter.
Hatten die Buchhalter, wie diese Magier genannt wurden, die Zahlen gefälscht? Ja, das hatten sie getan, und zwar mehr und mehr, je weiter sich das Reich seinem unausweichlichen endgültigen Ende näherte; aber dieser Bilanzschwindel war nur ein Faktor von vielen, die auch ohne die Fälschungen zum unvermeidlichen Zusammenbruch geführt hätten. Der Keim des Untergangs steckte darin, wie die Buchhalter Kosten und Ausgaben berechneten und das Endresultat frisierten, um die fiktive "Bilanz" aufzublasen. Sie kürzten die zur Förderung echten Wirtschaftswachstums nötigen Mittel und zerstörten damit im Namen eines ausgeglichenen Haushalts die Grundlage von Wachstum überhaupt, nur um fiktiv der Bilanzgottheit ein besseres Aussehen zu verleihen. Mit jeder weiteren Kürzung zur illusorischen Bilanzbefriedigung zerstörten die Magier die physische Grundlage für die weitere Existenz des Reiches.
Die gleichen Kräfte natürlicher Selektion vernichteten viele private Einzelunternehmen. Früher oder später mußte der Bankrott das ganze Reich ergreifen, und so geschah es.
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