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Aus der Neuen Solidarität Nr. 48/2002

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"Operation Juarez" noch heute Vorbild

Die führende Tageszeitung Mexikos, Excelsior, druckte am 19. und 21. November ein zweiteiliges Interview mit Lyndon LaRouche unter der Überschrift "LaRouche sagt: Der IWF ist bankrott. Das Weltwährungs- und Finanzsystem liegt in den letzten Zügen". LaRouche hatte während seines Besuchs im nordmexikanischen Saltillo am 6.-7. November schriftlich vorgelegte Fragen des Journalisten Fausto Fernandez Ponte beantwortet. Es folgen Auszüge aus dem Interview und der Einleitung, die auf der Titelseite von Excelsior erschien.

Lyndon LaRouche, ein einflußreicher politischer Denker in den Vereinigten Staaten - der sich selbst als den wichtigsten Ökonomen der Welt in den letzten vier Jahrzehnten und als Erbe des amerikanischen Klassizismus von Hamilton, Clay, Carey und anderen sowie des legendären Franklin D. Roosevelt bezeichnet - erklärte während eines Besuchs in Mexiko, daß sich das Weltwährungs- und Finanzsystem in der Endphase eines allgemeinen Debakels befinde.

Der IWF "ist bankrott." Von seinem eigenen Land sagt er, daß es sich auf die wirtschaftliche Desintegration zubewege. Und zu den bilateralen Beziehungen zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten meint er, NAFTA sei "für alle Beteiligten ein schrecklicher Fehler."

LaRouche, der vor einigen Tagen die Hauptrede auf einer Konferenz der Autonomen Universität von Coahuila in Saltillo hielt, beantwortete schriftlich Fragen zu zahlreichen Themen, die Excelsior formuliert hatte.

In den Antworten reflektieren sich LaRouches Theorien, seine allgemeinen Erklärungen zu wirtschaftlichen und politischen Fragen, die in den Vereinigten Staaten und Europa soviel Kontroversen ausgelöst haben, sowie seine "Nachttisch-Lektüre" - klassische Dramen, Poesie und "klassische Wissenschaft in der Tradition Platons."

Sein Buch Was Sie schon immer über Wirtschaft wissen wollten erschien in mehreren Sprachen - Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch, Deutsch und Italienisch, aber auch auf Ukrainisch, Armenisch und Polnisch.

LaRouche: Ich sehe die heutige Lage als Bestätigung der Ansichten und Vorschläge, die ich im Sommer und Herbst 1982 veröffentlicht habe, unter anderem in meiner Schrift Operation Juarez vom 2. August 1982. Die Lage hat sich seit Oktober und November 1982 stark verschlechtert, und diese Veränderungen müssen heute berücksichtigt werden. Gegenüber der Zeit vor 20 Jahren ist hinzugekommen, daß sich das Weltwährungs- und Finanzsystem inzwischen in der Endphase eines allgemeinen Zusammenbruchs befindet. Vor 20 Jahren schlug ich den nord- und südamerikanischen Staaten in Operation Juarez Maßnahmen vor, die eine neue Welle der Prosperität in allen Teilen der Amerikas ausgelöst hätten. Meine Vorschläge und empfohlenen Ziele sind heute noch dieselben, aber jene Reformen von 1982 müssen nun im Kontext der Ersetzung des jetzigen, faktisch bankrotten IWF-Systems als Erneuerung der Prinzipien des ursprünglichen Bretton-Woods-Systems neu formuliert werden.

LaRouche: Gegenwärtig verschlechtern sich die Beziehungen der Vereinigten Staaten zum Rest der Welt insgesamt. Die US-Regierung weigert sich weiterhin, die Realität des allgemeinen Zusammenbruchs des jetzigen Weltwährungs- und Finanzsystems und des damit einhergehenden Zusammenbruchs der Realwirtschaft in allen Teilen Amerikas, Europas und Afrikas sowie eines großen Teils von Asien anzuerkennen. Diese pathologische Realitätsverweigerung und Washingtons zunehmend hysterisches Festhalten am Dogma des "Präventivkriegs" haben in letzter Zeit zu einer zunehmenden Verschlechterung der amerikanischen Beziehungen zur Welt insgesamt geführt. Praktisch alle übrigen Nationen der Welt betrachten den gegenwärtigen politischen Trend der amerikanischen Politik als eine nicht zu tolerierende Imitation des Stils des Römischen Reichs in den internationalen Beziehungen.

Die gegenwärtige Politik der USA befindet sich selbst in ihrer finalen Krise. Die Vereinigten Staaten stürzen nicht nur in eine einfache Depression; es droht unmittelbar ein allgemeiner Zusammenbruch der Wirtschaft. Wenn die Vereinigten Staaten die kommenden beiden Jahre überleben wollen, müssen sie mehr oder weniger sofort damit beginnen, Reformen für einen wirtschaftlichen Wiederaufbau einzuführen, wie ich sie verlange.

LaRouche: Ich vermute, daß Präsident Fox seine Ansichten aufgrund des schmerzlich enttäuschenden Verhaltens von Präsident Bush inzwischen geändert hat. Der Konflikt besteht eigentlich zwischen der Regierung Bush und dem Rest des Planeten, einschließlich einer frontalen Kollision zwischen dem gegenwärtigen politischen Trend der Regierung und der Mehrheit der amerikanischen Bürger.

LaRouche: Mein Schwerpunkt liegt derzeit auf den Beziehungen zwischen den Bundesländern im Südwesten der Vereinigten Staaten und denen im Norden Mexikos. Die dringende Notwendigkeit eines umfangreichen Ausbaus der grundlegenden wirtschaftlichen Infrastruktur in diesem Teil der USA und ein entsprechender Bedarf an vergleichbaren Investitionen in Mexiko legt einen politisch praktikablen Ansatz zur Lösung dieses Problems nahe. Ich betone: a) den Ausbau der integrierten Stromerzeugung und -verteilung; b) große Projekte zur Wasserregulierung; und c) die kombinierte Entwicklung moderner Eisenbahnennetze in Ost-West- und Nord-Süd-Richtung.

Ein Teil Nordamerikas, der sich von Mexiko aus zwischen den beiden Zweigen der Sierra Madre nach Norden bis zum arktischen Meer erstreckt, hat insbesondere ein gemeinsames Kennzeichen: Dieses Gebiet hat einerseits ein reiches Potential zur Entwicklung, leidet aber andererseits unter großem Wassermangel. Wenn wir einmal von der Meerwasserentsalzung absehen, gibt es vor allem zwei Möglichkeiten, den Wassermangel zu überwinden: Eine davon sind Küstenkanäle, die Wasser aus dem Süden Mexikos nach Norden bringen; die andere ist das sogenannte NAWAPA-Projekt, das von der Firma Parsons und anderen in den Vereinigten Staaten entworfen wurde.

Der Bedarf an Infrastrukturentwicklung der südwestlichen Bundesländer der USA und Nordmexikos ergänzt sich also nicht nur; sie ist integraler Bestandteil einer verbesserten Zusammenarbeit zwischen den USA und Mexiko.

LaRouche: Wenn Brasilien gezwungen wird, sich den gegenwärtig geforderten Konditionen zu unterwerfen, wird der resultierende Kollaps Brasiliens eine sofortige Kettenreaktion auslösen, die nicht nur das amerikanische Bankensystem sprengen wird, sondern das ganze IWF-System. Wenn man Brasilien Konditionen gestattet, unter denen es überleben kann, wird dies ebenfalls das amerikanische Bankensystem sprengen, und somit auch den IWF. Die einzige Lösung ist daher eine generelle Reform in der Art eines Konkursverfahrens für das amerikanischen Notenbanksystem sowie ein Konkursverfahren zur Reorganisation des IWF durch abgestimmte Notmaßnahmen der wichtigsten souveränen Nationalstaaten, die den IWF bilden. Dies bringt Lula in eine interessante Lage - ob er dies will oder nicht.

LaRouche: Ich sehe dort keine führende Gruppe, die Anlaß zur Hoffnung gäbe, Venezuela oder seinen Nachbarn von Nutzen zu sein. Ich hoffe, daß Venezuela die Dummheiten überlebt, die von den beiden wichtigsten Kräften in den gegenwärtigen Entwicklungen begangen werden. Ich sympathisiere mit den generösen und staatsmännischen Mahnungen des neugewählten brasilianischen Präsidenten Lula an den weniger erfahrenen Chavez.

LaRouche: Das ist praktisch eine Kopie von Hitlers Invasion der Tschechoslowakei, ein Bruch der amerikanischen Verfassung, ein Akt militärstrategischen Wahnsinns, den kein höherer Offizier irgendeines Landes einschließlich der Vereinigten Staaten gutheißen würde, und nur ein Vorwand, einen buchstäblich endlosen Krieg des "Konflikts der Zivilisationen" in aller Welt im Stil des Römischen Reichs in Gang zu setzen. Kurz gesagt: es ist eine gräßliche Gewissenlosigkeit.

LaRouche: Ja. Soweit mein Einfluß in Washington reicht, wünschte ich mir eine Vermittlerrolle der mexikanischen Institutionen, die es verstehen, die Beziehungen zu Kuba so zu gestalten, daß entsprechende Änderungen in den Handelsbeziehunegn zustandekommen. Ich hoffe, daß eine Diskussion diesbezüglicher praktischer Schritte schon bald auf der Tagesordnung der Gespräche zwischen den Präsidenten der USA und Mexikos steht.

LaRouche: Meine eurasische Politik beruht auf der Entwicklung eines Systems der eurasischen Zusammenarbeit, in dessen Mittelpunkt die folgenden Punkte stehen: a) die Entwicklungspolitik der "eurasischen Landbrücke", für die sich meine Frau und unsere Mitarbeiter seit 1992 und 1993 aktiv eingesetzt haben; b) die Zusammenarbeit Rußlands, Chinas und Indiens als "strategisches Dreieck", um andere Nationen und Regionen Asiens, wie z.B. die ASEAN-Gruppe, in einem allgemeinen Abkommen über die Sicherheit und innere Entwicklung Asiens sowie die globale Zusammenarbeit mit Westeuropa als langfristig wichtigstem Handelspartner zusammenzuführen; c) Ersatz des gegenwärtigen, hoffnungslos bankrotten Systems der monetären und finanziellen Herrschaft des IWF durch ein neues System, das auf den entwicklungsfreundlichen, protektionistischen Prinzipien des Bretton-Woods-Systems der festen Wechselkurse zwischen 1945 und 1958 beruht; d) die Entschlossenheit, im Rahmen dieser Reformen bestimmte aufgabenorientierte realwirtschaftliche Programme zur Realisierung großer Infrastrukturprojekte und zur Entwicklung und zum Transfer von Technologien zwischen den Nationen zu fördern.

LaRouche: Im Grunde ist die Europäische Union ja bankrott. Das Gerücht, sie drohe in der wirtschaftlichen Entwicklung ein Handelsrivale der Vereinigten Staaten zu werden, ist ein ablenkendes Märchen, das man leichtgläubigen Kindern erzählt. Wir stehen unmittelbar vor dem Zusammenbruch des gegenwärtigen Weltfinanzsystems als Ganzem. Nichts kann dieses System retten; entweder wir ersetzen es, oder ein baldiger, genereller Zusammenbruch der Realwirtschaft in allen Teilen Amerikas und Europas ist unvermeidlich.

LaRouche: Gemessen an meinen bisherigen Leistungen bin ich seit mehr als dreißig Jahren der führende Ökonom der Welt; ein Staatsmann, wie ihn Platon als "Philosophenkönig" beschreibt, und als amerikanische Persönlichkeit, die sich in den Entwicklungen von 1973-2002 als der politische Intellekt erwiesen hat, den die heutigen Tories in Amerika am meisten fürchten.

LaRouche: Sie bewegt sich auf den größten Umschwung - zum Guten oder zum Schlechten - seit Präsident Lincolns Sieg über die verräterische Konföderation [der Südstaaten] zu.

 

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