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Aus der Neuen Solidarität Nr. 14/2003 |
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Italien. Ende März führte eine weitere Vortragsreise die große alte Dame der amerikanischen Bürgerechtsbewegung Amelia Boynton Robinson nach Italien.
"Dieser Krieg verstößt gegen die amerikanische Verfassung und gegen das Völkerrecht. Europa und die Welt sagen ein klares Nein zu diesem Krieg. Präsident Bush wird nachgeben müssen." Dies war die Botschaft der großen alten Dame der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, Amelia Boynton Robinson, in Italien. Frau Robinson, ehemals enge Mitstreiterin Martin Luther Kings im Kampf um die Bürgerrechte in Alabama, ist heute stellv. Vorsitzende des amerikanischen Schiller-Instituts und Mitstreiterin des US-Präsidentschaftskandidaten Lyndon H. LaRouche.
Zum dritten Male innerhalb eines Jahres in Italien, sprach sie diesmal auf öffentlichen Veranstaltungen in Tramutola, Rom, Florenz, San Marino und Cuneo. Ihre Vortragsreise war von der italienischen Solidaritätsbewegung Movimento Solidarietà organisiert worden. Überall ehrte man sie für ihren lebenslangen Kampf für die Bürgerrechte und für Gewaltlosigkeit, und überall gab sie Interviews - u.a. im nationalen Fernsehen (Rai Tre), in Radio Popolare, Radio 24 und im englischsprachigen Programm von Radio Vatikan. Auch etliche Zeitungen brachten Interviews. In Rom gab es ihr zu Ehren einen öffentlichen Empfang mit Bürgermeister Veltroni auf dem Campidoglio.
Die Reise begann am 8.März - dem "Tag der Frau" - in Tramutola (Potenza). In dieser kleinen süditalienischen Stadt wollte man mit diesem Tag die Rolle der Frau in der Politik würdigen - am Beispiel Amelia Boynton Robinsons, dieser "Frau und ihrer Geschichte". So war es auf dem offiziellen Einladungsplakat der Stadt mit dem Bild der Bürgerrechtlerin zu lesen. Bei der Feier saß sie auf dem Podium zusammen mit dem Bürgermeister von Tramutola, Franco Simone, dem Präsidenten der Region Basilicata, Bubbico, dem Präsidenten der Movimento Solidarietà, Paolo Raimondi, und drei Frauen aus der Politik, darunter die Richterin Giovanna Lerosi.
Nachdem Amelia Boynton Robinson über ihr Leben im Kampf für die Bürgerrechte, für Gerechtigkeit und Frieden und ihre Zusammenarbeit mit Martin Luther King gesprochen hatte, ging sie auf einen für Italien wichtigen Punkt ein: die Sklavenmentalität, gegen die sie ihr Leben lang kämpfte und die viele Afro-Amerikaner, die von ihren Herren wie Sklaven behandelt wurden, davon abhielt, für ihre Rechte zu kämpfen, weil sie glaubten, sie seien ihren Herren etwas "schuldig".
Genauso glaubten viele Länder - auch Italien - heute, sie seien Amerika etwas schuldig, da es ihnen beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg geholfen habe. Kein Land sei jedoch verpflichtet, Unrecht zu unterstützen. Und die beste Art, Amerika zu unterstützen, sei es nicht, wie die Regierung Berlusconi für einen Krieg einzutreten, sondern das wirkliche Amerika zu unterstützen, das gegen diesen Krieg ist. Zu diesem Amerika gehöre sie selbst sowie auch Lyndon LaRouche und die LaRouche-Jugend, die aktiv gegen den Krieg mobilisiere.
Das wurde auch von Raimondi unterstrichen: "Für uns in Italien ist es wichtig zu wissen, daß es in den Vereinigten Staaten eine Bewegung gibt, die eine Alternative zu diesem Krieg hat, eine Alternative, die darin besteht, die Wirtschaft zu entwickeln und eines neues Wirtschafts- und Finanzsystem aufzubauen. Wir fordern die politischen Institutionen Italiens dazu auf, diese Alternative zu unterstützen."
In Rom, wo vor ein paar Wochen drei Millionen Menschen für den Frieden demonstrierten, wurde Amelia Boynton Robinson vom Bürgermeister Veltroni auf dem Campidoglio empfangen. Er überreichte ihr ein Geschenk der Stadt zur Erinnerung an ihre Reise und unterstrich die Bedeutung ihres Kampfes für den Frieden. Martin Luther King sei noch immer ein wichtiger Bezugspunkt für diejenigen, die heute für den Frieden und die Bürgerrechte kämpfen, sagte er und versicherte ihr, daß es noch viel mehr Demonstrationen für Frieden, wirtschaftliche Entwicklung (vor allem in Afrika) und für einen Dialog der Kulturen geben werde.
Nach einem Treffen bei der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der UNO (FAO) mit Sitz in Rom, wurde Frau Robinson von Radio Vatikan interviewt. Dabei hatte sie Gelegenheit, die wichtige Rolle von Papst Johannes Paul II. im Kampf gegen diesen Krieg hervorzuheben. Am nächsten Tag sprach sie vor über 100 Menschen in einer öffentlichen Versammlung der Adventsgemeinde, der wichtigsten Baptistenkirche in Rom. Die gesamte Veranstaltung wurde vom nationalen Radiosender der Kirche übertragen. Auch dort wurde sie mit einem Geschenk geehrt.
In Florenz hielt sie am 15.März eine Ansprache beim Jugendtreffen im Buddhistenzentrum Soka Gakkai, wo sie schon einmal anläßlich der Ausstellung "Drei Männer des Friedens" (Gandhi, Martin Luther King und der Leiter des Buddhistenzentrums) eingeladen war. Die Veranstaltung wurde von 200 Jugendlichen besucht, und man ehrte sie mit Gedichten und Chorgesang. Der 19jährige Chorleiter entschloß sich, nachdem er sie sprechen gehört hatte, an der bevorstehenden internationalen Konferenz des Schiller-Instituts in Bad Schwalbach teilzunehmen (was er auch tat).
In Ravenna wurde sie vom Wochenmagazin Qui interviewt, und im Stadtstaat San Marino sprach sie vor 150 Zuhörern auf einer öffentlichen Gewerkschaftskonferenz. Die Gewerkschaften sind in San Marino wie in Italien sehr aktiv und organisieren Demonstrationen und Streiks gegen Bushs imperialen Krieg. Über die Gewerkschaftskonferenz berichtete das Fernsehen von San Marino abends zur Hauptsendezeit. Zuvor war ihre Ansprache mit einem Flugblatt an alle 12000 Haushalte des Stadtstaates angekündigt worden.
Schon vor einigen Monaten war Frau Robinson, und kurze Zeit später auch Lyndon LaRouche, offiziell von den beiden Capitani Reggenti (den Regierungschefs) San Marinos im Regierungspalast empfangen worden, die dann in ihrer traditionellen Silvesteransprache LaRouche und seinen Vorschlag für ein neues Wirtschafts- und Finanzsystem erwähnten.
In Cuneo wurde sie vom Vizepräsidenten der Provinz Cuneo und zwei Stadträten begrüßt, die ihr insbesondere dafür dankten, daß sie versucht habe, etwas Vernunft in die US-Regierung zu bringen. Anschließend ging es weiter zur Stadthalle. Dort folgte eine Ansprache, die an die Regierung der Stadt und den Bürgermeister gerichtet war, ein kurzes Interview mit dem örtlichen Fernsehsender sowie ein weiterer Vortrag vor der Stadtratsversammlung mit Vertretern aller Parteien, auch der Partei des italienischen Regierungschefs Berlusconi.
Hier wandte sich Frau Robinson mit den folgenden Worten - die vor allem auch auf Berlusconi gemünzt waren, der mit seiner indifferenten Haltung diesen Krieg mit ermöglichte - an die Politiker: "Heute ist es der Irak, morgen werden es der Iran, Syrien und Nordkorea sein. Aber wer sagt Ihnen denn, daß Bush, wenn er nicht gestoppt wird, nach einem Angriff auf die schwachen Staaten nicht auch Frankreich, Deutschland und Ihr eigenes Land angreifen wird?" Darauf reagierte ein Parteifreund Berlusconis mit Buhrufen, ein anderer verließ unter Protest den Saal. Alle anderen applaudierten, während Amelia Boynton Robinson an die Politiker appellierte, alles zu tun, um diesen Krieg gewaltlos auf der Grundlage der Verfassung zu stoppen, so, wie es die Bevölkerung in den USA auch versuche.
Am 19.März, nur wenige Stunden vor Ausbruch des Krieges endete ihre Reise in Mailand, wo sie im Namen des Präsidenten der Lombardei, Roberto Formigoni, vom Abgeordneten Raimondi empfangen wurde.
Während die Leiterin des Empfangs sie in das Regionalparlament führte, wurden gerade die ersten Falschinformationen der Presseagenturen verbreitet, der irakische stellv. Ministerpräsident Tarik Aziz sei möglicherweise ermordet worden.
Dies löste große Bestürzung aus, da Formigoni mit Tarik Aziz in engem Kontakt stand - er war wiederholt in den Irak gereist und versuchte zu vermitteln, damit das Embargo aufgehoben wird. Er war auch der erste, der mit Aziz zusammentraf, als dieser zu einem Empfang beim Papst in Rom eintraf. "Tarik Aziz ist der Gemäßigte in diesem Regime, er ist Katholik, und wenn man ihn getötet hat, dann weiß nur Gott, was als nächstes passieren wird", sagte Formigoni.
Liliana Gorini
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