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Aus der Neuen Solidarität Nr. 15/2003 |
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Montagsdemonstration. Am 31. März sprachen Amelia Boynton Robinson und Christian Führer, zwei "Veteranen" der Bürgerrechtsbewegung in Amerika und Ostdeutschland, vor rund 50000 Teilnehmern der Leipziger Montagsdemonstration.
Am Montag, dem 31. März, trafen sich Amelia Boynton Robinson, Mitkämpferin Dr. Martin Luther Kings, und Christian Führer, der Pfarrer der Nikolaikirche in Leipzig, dessen Friedensgebete schon die Wende von 1989 begleitet hatten, zu einem Gespräch.Tatsächlich finden diese Friedensgebete schon seit 1982 jeden Montag statt. Sie werden aber "nur" zu sehr historischen Zeiten bemerkt und spektakulär. Angesichts der katastrophalen Weltlage und der ökonomischen Krise im eigenen Land, sind wir, wie die annähernd 50000 Menschen letzten Montag gezeigt haben, wieder an einem solchen Punkt in der Geschichte angelangt.
Pfarrer Führer hatte durch die Bürgerrechtsbewegung Solidarität vom Besuch Amelias in Deutschland gehört und die Gelegenheit genutzt, sie nach Leipzig einzuladen. Er wollte ihr die Möglichkeit geben, möglichst viele Bürger zu erreichen, und so wurde sie beim Friedensgebet als Vertreterin des "anderen Amerika" begrüßt, das die Welt nach wie vor respektiere und achte. Und dann sprach sie auf der großen Kundgebung vor dem Gewandhaus.
Die Friedensgebete waren an diesem Montag der wirtschaftlichen Not und der Arbeitslosigkeit gewidmet, die zu einer nicht mehr zu überwindenden Hoffnungslosigkeit führe.
Es wurde ein Hilferuf eines Landes verlesen, das sich von einer erstickenden Schuldenlast befreien wollte. Im Verlauf der Veranstaltung stellte sich heraus, daß dieses Land Deutschland hieß und dieser Hilferuf an die Welt vor der Londoner Schuldenkonferenz von 1953 verfaßt worden war. Ohne den Schuldenerlaß von 1953 wäre ein Wirtschaftswunder Bundesrepublik Deutschland nicht möglich gewesen. Auf die Frage, was das mit dem Irakkrieg zu tun hätte, kam die Antwort, daß Wirtschaftskrisen und Unterentwicklung immer auch ein Nährboden für Krieg seien.
Krieg und Frieden und gesellschaftspolitische Gerechtigkeit sind also nicht so leicht von den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen zu trennen. Und genau diese Mischung von Ungerechtigkeit und Krieg treibt die Menschen auf die Straße. Die nächsten Wochen werden entscheiden, ob die Dynamik zum Krieg durch die Lösung der Weltwirtschaftskrise gestoppt werden kann, oder ob die Straße letztlich zum Austragungsort des Krieges der Kulturen wird. So wird die Demonstration gegen den Irakkrieg zugleich zur Demonstration für eine Zukunftsperspektive.
Diese Perspektive wurde an diesem Montag von Amelia Boynton Robinson aufgezeigt. Zunächst stellte sie sich als Veteranin der Bürgerrechtsbewegung vor, die auch nach der Ermordung Dr. Martin Luther Kings nie aufgehört hat, gegen Ungerechtigkeit und Krieg zu kämpfen. Nachdem sie aus ihrem Leben berichtet hatte, erklärte sie dem gespannten Publikum, daß Martin Luther King keine unumstrittene Persönlichkeit gewesen sei und immer noch von denselben Leuten, die in den USA für den Irakkrieg verantwortlich sind, verleumdet werde.
Anders als zur Zeit Kings oder auch noch zur Zeit der Wende brauchen Bürger heute keine Angst haben, für Gerechtigkeit auf die Straße zu gehen. Die Demonstrationen gegen den Irakkrieg hatten deshalb auch in den letzten Wochen noch immer Volksfestcharakter. Die durch die tatsächliche Lage hochkommende Angst konnte bisher noch immer mit lauter Rockmusik, Luftballons und Verteilaktionen unterdrückt werden.
Erste Anzeichen eines Stimmungsumschwungs wurden allerdings durch die Trommelwirbel der Leipziger Friedensgruppen hörbar, durch die schwarzen Plakate mit der Aufforderung, den Krieg zu stoppen, sichtbar und durch eine Rednerin der Ostermarsch-Organisatoren spürbar, die versuchte, den Haß der Menschen auf Amerika zu schüren.
Die Stimmung unter den Demonstranten - hilflos-trotzig, wie ein Kind gegen die Befehle der Eltern protestiert - wandelte sich während Amelias historischer Rede in dramatische Zuversicht. Sie berichtet den 50000 Demonstranten, daß der Kampf für die gleichen Ideen, für die Martin Luther King stand und starb, von einem Nachfolger fortgesetzt wird. Dieser Mann sei Wirtschaftswissenschaftler und stehe nicht nur in der Tradition Dr. Kings, sondern auch F.D. Roosevelts, und kandidiere für die amerikanische Präsidentschaft im Jahr 2004. Er heiße Lyndon LaRouche.
Durch das Anstimmen des Spirituals "Oh, freedom", das von der Jugend auf dem Platz begeistert mitgesungen wurde, konnte die gehobene Stimmung noch eine beachtliche Zeit aufrechterhalten werden.
Mit dieser Intervention Amelia Boynton Robinsons, die den sonst weitgehend totgeschwiegenen Oppositionspolitiker und Präsidentschaftskandidaten Lyndon LaRouche in Deutschland präsentierte, stellt sich Leipzig wieder an die Spitze der Bürgerrechtsbewegung, von der vor 14 Jahren der Impuls zur Wiedervereinigung Deutschlands ausging. Denn ohne LaRouches Ideen für ein neues Bretton-Woods-Finanzsystem gegen die weltweite wirtschaftliche Ungerechtigkeit und ohne eine Achse des Friedens entlang der Eurasischen Landbrücke kann der Irakkrieg nicht gestoppt werden.
Birgitta Gründler
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