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Aus der Neuen Solidarität Nr. 16/2003

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Aussonderung von Kindern mit Down-Syndrom?

Am 18. März begann die Allgemeine Krankenhausgesellschaft in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen eine Kampagne für eine makabere Sparmaßnahme: Künftig soll Geld gespart werden, indem man Schwangere daraufhin untersucht, ob der Fötus das Down-Syndrom aufweist. Wenn es gelänge, so die Argumentation, auf diese Weise jährlich zehn der statistisch zu erwartenden zwölf Geburten von Kindern mit dem Down-Syndrom zu "verhindern", spare die Stadt im ersten Jahr zwei Millionen Dänische Kronen und insgesamt etwa 100 Mio. Kronen, denn so viel würden die zehn "nicht geborenen" Kinder andernfalls kosten.

Leider ist es in unserer westlichen "Zivilisation" schon übliche Praxis, Schwangeren bei frühzeitiger Feststellung möglicher Behinderungen des erwarteten Kindes zu einer Abtreibung zu raten. Die Motive der Gesellschaft dabei sind zynisch, denn sie will Geld sparen; die Eltern, die darauf eingehen, wollen sich kein behindertes Kind "aufbürden". Die Stadt Kopenhagen will nun allen Schwangeren eine kombinierte Untersuchung anbieten: einen Bluttest der Schwangeren und eine Ultraschall-Untersuchung des ungeborenen Kindes. Ob diese Tests obligatorisch oder freiwillig sein werden, darüber wird noch gestritten.

Die Vorsitzende der dänischen Nationalen Vereinigung für Down-Syndrom, Kitt Boel, kritisierte die Entscheidung Ende März in einem Artikel im Kristeligt Dagblad. Mit dieser Entscheidung signalisiere man: "Wir hier in Dänemark wollen keine Menschen mit Down-Syndrom." Im Namen ihrer Vereinigung erklärt Frau Boel: "Wir betrachten diese universellen Untersuchungen als einen Weg, der immer weiter nach unten führt. Nichts in dem Bericht der Arbeitsgruppe [der Kopenhagener Krankenhäuser] läßt darauf schließen, daß die technisch orientierte Forschung bei dieser Maßnahme haltmachen wird. Wir halten es für sehr wichtig, daß die Politiker und wir alle uns die Frage stellen, ob wir aus Dänemark einen glücklicheren Ort machen, wenn wir jedes Jahr etwa 40 Ungeborene mit Down-Syndrom auslöschen? Als Mitglied dieser Gesellschaft und als Mutter eines Kindes mit Down-Syndrom hoffe ich, daß man meinen Sohn als den Menschen ansehen wird, der er ist. Und nicht als Zustand, den wir untersuchen wollen." Man könne menschliches Leben nicht mit einem Preisschild versehen.

Das dänische Schiller-Institut unterstützt Frau Boel mit Nachdruck. Das Schiller-Institut hält es für eine Katastrophe, wenn man wie in den 30er Jahren eugenische Maßnahmen fordert und dies auch noch mit finanziellen Erwägungen begründet. Dies wäre, so der Vorsitzende des dänischen Schiller-Instituts Poul Rasmussen, eine unannehmbare Wiederholung der Geschichte.

lst