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Aus der Neuen Solidarität Nr. 18/2003
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Pflege-Mißstände
Es gibt etwa 400000 pflegebedürftige Bewohner in den 8900 Heimen Deutschlands. Unter anderem als Folge des von politischer Seite gewollten Wettbewerbs wird die im Heimgesetz festgelegte Fachkraftquote von 50% in vielen Heimen unterschritten. Man versucht durch Tarifflucht, Personalabbau und zunehmende Beschäftigung von Hilfskräften Personalkosten zu senken. In manchen Pflegeeinrichtungen (aber auch Krankenhäusern) herrschen bereits Bedingungen, die nur noch unter dem Begriff "Euthanasie" treffend beschrieben werden können.
Bei 4000 Qualitätsüberprüfungen des medizinischen Dienstes der Krankenkassen wurde bereits Ende 1991 festgestellt: Zahllose alte Menschen sind wundgelegen, von Austrockung und Unterernährung gekennzeichnet. Bis zu 85% der Bewohner sind unterernährt. 36% leiden an Austrocknung. Jeder Dritte leidet unter Schäden infolge mangelhafter Pflege.
Weitere seriöse Berichte besagen: Von den Patienten, die vor dem Tod noch aus Alten- und Pflegeheimen ins Krankenhaus verlegt werden, leidet ein Viertel an akuten Folgeschäden einer mangelhaften Pflege (ausgetrocknet, ausgehungert, wundgelegen). Bewohner erhalten vielfach keine Ansprache, verbringen Tage ungewaschen im Bett, werden mit Medikamenten ruhiggestellt, erfahren Freiheitsberaubungen und Körperverletzungen jeder Art. Angeblich sterben jährlich 10000 pflegebedürftige Menschen durch Pflegemißstände.
Vor dem Ausschuß für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte der Vereinten Nationen wurde in einer Anhörung in Genf vom Münchener "Forum zur Verbesserung der Situation pflegebedürftiger alter Menschen in Deutschland" auf die katastrophale Situation hingewiesen. Vertreter der Bundesregierung mußten vor dem Ausschuß einräumen, daß die Situation der Menschen in Pflegeheimen "Anlaß zur Sorge" gebe. Der UN-Ausschuß bestätigte, daß Menschen in Heimen verhungern und verdursten, mit Psychopharmaka ruhiggestellt werden und aufgrund der Pflegemängel offene Wunden erleiden. Mit "tiefer Besorgnis" hat der Ausschuß die unmenschlichen Bedingungen in Deutschlands Pflegeheimen zur Kenntnis genommen und fordert die Bundesregierung auf, dringend Maßnahmen zur Verbesserung der Situation zu ergreifen.
jut