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Aus der Neuen Solidarität Nr. 23/2003 |
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Wahlkampf. Die LaRouche-Jugendbewegung eröffnete den Landtagswahlkampf der BüSo in Bayern.
Am 18. Mai stellte die BüSo in Garching bei München ihre oberbayerische Liste für die im September stattfindenden Landtagswahlen auf. Fünfzehn Kandidaten aus den Stimmkreisen München, Rosenheim, Altötting, Traunstein und Ingolstadt treten zur Wahl an. Angeführt wird die Liste von der Landesvorsitzenden Elke Fimmen (München), Franz Maier (Altötting), Gerald Strickner (Rosenheim) und Melanie Gatzke (München). Auch in Schwaben, der Oberpfalz und in Mittelfranken gibt es bereits Listen und Direktkandidaten der BüSo, in Niederbayern erfolgt die Aufstellung noch, so daß die BüSo dann in fünf der sieben Regierungsbezirke wählbar sein wird. Der ganztägige Parteitag in Garching wurde besonders durch die Diskussionsrunde der LaRouche-Jugend am Nachmittag belebt.Uwe Friesecke aus Wiesbaden betonte in seiner einführenden Grundsatzrede, daß es jetzt an der Zeit ist, eine völlige Kehrtwende in der Wirtschaftspolitik herbeizuführen. Besonders wichtig für Europa sei LaRouches Präsidentschaftswahlkampf in den USA, was sich am Kontrast zwischen LaRouches kürzlich veröffentlichter Grundsatzerklärung "Eine Welt souveräner Nationalstaaten" und der gegenwärtigen imperialen amerikanischen Politik zeige. Gegenwärtig sei scheinbar niemand in den sogenannten 'Eliten' bereit, den Absturz in ein finsteres Zeitalter zu verhindern. Alle Regeln der Politik brächen derzeit zusammen: der Dollar-Kollaps signalisiere das Ende des internationalen Weltfinanzsystems, und die Prinzipien des Völkerrechts seien mit dem Irak-Krieg außer Kraft gesetzt worden. "Die Situation nähert sich immer mehr den 30er Jahren an und führt uns in Richtung eines Dritten Weltkrieges", erklärte Friesecke. Für uns heute stelle sich die Frage: "Sind wir bereit, die notwendigen Lehren aus der Geschichte zu ziehen, um die gegenwärtige Situation herumzureißen? Und: Wird sich eine selbstbewußte Gruppe von Menschen bilden, die eine wirkliche Revolution herbeiführen können?"
Die 40 Kandidaten, Aktivisten und Jugendlichen setzten sich in der anschließenden Diskussion mit dieser Herausforderung auseinander. Wie kann man falsche Grundannahmen korrigieren und andere Menschen gewinnen? Dazu war besonders der Nachmittag förderlich, denn hier legten fünf Vertreter der LaRouche-Jugendbewegung dar, wie sie den Kampf für eine neue gerechte Weltwirtschaftsordnung und für eine kulturelle Renaissance anpacken. Damit vertrieben sie jeden Pessimismus darüber, wie es mit der nächsten Generation steht, denn es wurde mehr als deutlich, daß diese jungen Leute von der "Spaßgesellschaft" der 68er, die ihnen keine Zukunft bietet, die Nase gestrichen voll haben und etwas Sinnvolles für die Menschheit tun wollen.
Ben, ein junger Amerikaner, begann mit einem Überblick über die Aktivitäten der LaRouche-Jugend in den USA. Er berichtete über die erfolgreichen Interventionen gegen Rumsfelds Notverordnungen im Kongreß und die im ganzen Land stattfindenden Jugend-Seminare. Felix aus Dresden berichtete über den Einsatz der Jugendlichen im Wiesbadener Bürgermeisterwahlkampf. Später sah man dazu noch ein Video. Toni aus Dresden, im Heavy-Metal-Outfit, zitierte am Anfang seiner Ausführungen sein Vorbild Sokrates: Dieser sei zu den Leuten auf die Straße gegangen, um sie dazu zu bringen, ihre Fehler im Denken zu hinterfragen. Genau das tue jetzt auch die Jugendbewegung: Die Leute werden darauf aufmerksam gemacht, daß es mehr gibt als nur materielle Dinge. Man lerne jetzt, selbst zu denken: im Studium von Leibniz, Gauß und Schiller. Darin entdecke man Schönheit und finde heraus, was Weisheit bedeutet.
Robin, Kunststudent und BüSo-Kandidat, beendete die erste Runde. Er habe sich niemals vorgestellt, politisch aktiv zu werden. Daran sei ein Mißverständnis schuld, was 'Politik' eigentlich ist. Heute bedeute dieser Begriff etwas völlig anderes, als es eigentlich sein sollte. Robin schaute auf die Wandgemälde König Ludwigs II. und zitierte aus Schillers Don Carlos, um zu erläutern, warum er nun mitmache. Dann las er den Teil, in dem Marquis Posa König Philipp gegenüber steht und sagt: "Ich kann nicht Fürstendiener sein!" Er wolle selbst der Schöpfer seines und der anderen Glück sein. Als Diener müsse er auf Befehl handeln, anstatt seinem freien Willen zu folgen, Gutes zu tun. In Monarchien dürfe man jedoch nur 'Egoist' sein und nicht selbst denken. Robin schloß: "Die Natur des Menschen ist es, kreativ zu sein, wie wir an der Geschichte von David und Goliath sehen. Wenn wir schöpferisch sind, können wir die Willkürherrschaft und die Macht der Tyrannen brechen."
Diese Beiträge verfehlten ihre Wirkung auf die Zuhörer nicht. Eine alte Dame bat sogleich um die Hilfe der Jugendbewegung, denn ihr Enkel wolle so etwas Verrücktes wie Banker werden, und sie wolle ihn gern aus dieser Phantasie befreien. Auch Gerald Strickner, Kandidat aus Rosenheim, der selbst zwei Kinder hat, drückte seine Freude darüber aus, junge Leute zu treffen, die sich nicht mit Drogen oder Rockmusik vollstopfen und Interesse an ihrer Zukunft haben. Tina Rank aus Dresden antwortete darauf: Es sei wahr, daß viele junge Leute in diese Art der Kultur verstrickt sind und dadurch zerstört würden. Es gebe leider viele Eltern, die ihrem Kind sagten: "Hauptsache, du kommst früh genug nach Hause, dann ist es egal, ob du kiffst." Diese jungen Leute revoltierten mit ihrem verrückten Verhalten gegen das, was in dieser Gesellschaft mit ihnen passiere. Die Jugendbewegung müsse hier intervenieren, indem man die Jugendlichen darauf stößt, daß noch etwas ganz anderes in ihnen vorhanden ist.
Melanie Gatzke, Erzieherin und Kandidatin aus München, sagte, sie sei sehr beeindruckt davon, daß die jungen Leute soviel Wert auf wirkliche Erziehung legten. Man brauche jetzt eine Bewegung von Kindern, die selbst von ihren Lehrern Wissen verlangen. Viele Lehrer seien gar nicht mehr dazu in der Lage. Toni berichtete über die Reaktion seines Lehrers, als er mit Büchern von Gauß und Leibniz unter dem Arm in die Schule kam. Dieser habe ihn gefragt: "Warum liest du das?" "Weil es mir Spaß macht!", war seine Antwort. Der Lehrer wurde ärgerlich: "Aber das brauchst du doch gar nicht für die Schule!" Und Toni fragte sich: "Wie kann man das einem Schüler sagen?!"
Olav Suennecke, Graphiker aus München und Kandidat, berichtete über seine Erfahrungen mit wirklichem Lernen anhand der platonischen Dialoge und lud alle Anwesenden ein, sich ebenfalls darin zu vertiefen.
Schließlich wollte Josef Lebmaier, Landwirt und Kandidat aus Wasserburg, es doch nochmal ganz genau wissen: Selbst Vater von vier Kindern, fragte er die Jugendlichen: "Also, was macht jetzt mehr Spaß? Zu lernen oder Spaß in der Spaß-Gesellschaft?" Die Antwort kam sofort. Am meisten Spaß mache es, selbst etwas zu entdecken und zu lernen. Toni sagte, er sei froh darüber, abends über Gauß und Leibniz nachdenken zu können, statt sich auf einer lauten Party aufzuhalten, wo Rauschgift konsumiert werde. Schiller habe diesen Drang nach Erkenntnis den natürlichen 'Spieltrieb' genannt, den es nur zu entdecken und zu fördern gelte. Ben unterstrich dies anhand seiner eigenen Erfahrungen mit Schillers Dramen, die jeden Freitagabend im Münchner BüSo-Büro gelesen werden. Es sei völlig unnatürlich, keine großen Ideen zu studieren. Es mache soviel Freude, Don Carlos oder Johanna von Orleans zu lesen. "Wie schön ist Schillers Konzept im Don Carlos, daß es eine Million von Königen geben sollte - jeder Mensch ein König!"
efi
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