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Aus der Neuen Solidarität Nr. 24/2003 |
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Für Christoph Leitl, den Chef der Österreichischen Wirtschaftskammer und von Eurochambers, ist Europa eine Herzensangelegenheit, und er möchte, daß sich auch alle anderen Europäer für Europa begeistern. Und dazu ist ja wohl das Mindeste, daß man bei der Europahymne mitsingen kann. Jedes Land hat schließlich seine Nationalhymne, und sogar fast jeder Fußballverein hat sein Lied. Und jeder, der sich für die Sache begeistert, der singt aus vollem Halse mit.
Aber auf einer europäischen Konferenz mußte der Backsteinfabrikant feststellen: Das Orchester spielte die Europahymne, und niemand sang mit! Er fand auch sogleich den Grund: Europa habe zwar eine Hymne, aber ihr fehle der Text. Um Abhilfe zu schaffen, schrieb Leitl einen Wettbewerb über den schönsten Text zur Europahymne aus.
Über diese Tatsache und einige Resultate dieses Wettbewerbs - alle in englischer Sprache - berichtete das Wall Street Journal am 7. Mai. Die Pointe der Geschichte: Die Europahymne hat bereits einen Text! Bei der Europahymne handelt es sich um das Thema des Chors im vierten Satz der berühmten 9. Sinfonie, in der Ludwig van Beethoven Friedrich Schillers Ode an die Freude vertonte. Dreißig Jahre lang hat Beethoven nach der geeigneten Musik für Schillers Text gesucht, bis er - und die Welt - mit dem Ergebnis zufrieden war. Heute spielt und singt man Beethovens "Neunte" in aller Welt, von Chile und Alaska über Europa und Afrika bis Japan und Neuseeland, und Beethovens Musik - die universellste aller Sprachen - wird überall verstanden.
Kulturredakteur Brandon Mitchener führte über das Europahymnenproblem auch ein Interview mit der Vorsitzenden des Schiller-Instituts Helga Zepp-LaRouche und zitiert sie mit dem Satz: "Beethoven würde sich im Grabe umdrehen." "Schillers Text ist der Text", findet auch der Pariser Musikhistoriker Maximianno Cobra. Man könne ja einen Wettbewerb für die beste Übersetzung ausschreiben. Das WSJ verweist auf die englische Übersetzung von William F. Wertz vom amerikanischen Schiller-Institut.
Trotz der amerikanischen Besatzung und der verheerenden Sicherheits- und Versorgungslage hat das Irakische Sinfonie-Orchester den Probe- und Spielbetrieb wieder aufgenommen. Am 29. Mai spielte das Orchester vor kleinem Publikum Stücke von Mozart und Verdi, um die Führer der irakischen Oppositionsgruppen für sich und ihre Musik zu gewinnen. Unter den Hörern des Konzerts, das im "Korridor" der Al-Rabat-Halle in Bagdad stattfand, weil die Klimaanlage der Halle nicht funktioniert, befand sich der frühere irakische Außenminister Adnan Al-Batschatschi, der kürzlich aus dem Exil zurückgekehrt ist, um die "Unabhängige Demokratische Versammlung" zu leiten. Batschatschi erklärte, er liebe klassische Musik. Seine Tochter, eine Pianistin, lebt in Berlin und sammelt dort Spendengelder für das Orchester.
Früher bestand das Orchester aus 60 Musikern, heute sind es noch 40. Da sie von der Musik alleine nicht leben können, verdienen sie ihren Lebensunterhalt mit anderen Arbeiten. Trotzdem haben sie beschlossen, dreimal wöchentlich zu proben und ihre Tradition am Leben zu erhalten. "Das ist kein Luxus, wie es manche Leute glauben", erklärte Fuad Al-Maschta, der Dirigent und Flötist.
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