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Aus der Neuen Solidarität Nr. 24/2003 |
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La Repubblica, 3. Juni 2003
Marcello De Cecco, Wirtschaftsprofessor an der Universität Rom und bekannter Kommentator der italienischen Tageszeitung La Repubblica stellt der ungesunden Geldvermehrungspolitik der Zentralbanken unter dem gegenwärtigen Regime freier Wechselkurse die "goldene Wachstumsära" unter dem Bretton-Woods-System fester Wechselkurse gegenüber:Die Weltkonjunktur hat einen Platten. Zum ersten Mal in 20 Jahren liegen alle maßgeblichen Bereiche der Weltwirtschaft darnieder...
Wie nach Drehbuch hat die superexpansive Geldpolitik der führenden Zentralbanken der Welt, insbesondere der Federal Reserve, den sattsam bekannten Effekt, der die vielen internationalen Finanzkrisen seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in die jüngste Zeit hervorgerufen hat. Denn als Zentrum des Weltfinanzsystems bringen die Zentralbanken durch gezielte Zinssenkungen die Banken und Investmentfonds der größeren Länder dazu, ihre Profite und den Wert ihrer Anteile dadurch zu erhalten, daß sie beginnen, Geld an Risikoschuldner zu verleihen, von denen sie höhere Zinszahlungen verlangen können. Dieser Zufluß frischen Geldes führt aber zum weiteren Sinken der zu zahlenden Zinsen. Das geht nun schon monatelang, fast ein ganzes Jahr so. Es erlaubte Schuldnern wie Brasilien oder der Türkei, Atem zu holen, und Argentinien, den Kopf über Wasser zu halten, indem sie ihre Verschuldung erhöhten.
Nach dem 150 Jahre alten Drehbuch kehrt sich, wenn die Nachfrage nach Krediten auf den zentralen Finanzmärkten der Welt wächst und dort die Zinsraten in die Höhe treibt, die Lage plötzlich um: Das Geld fließt zurück in die Geldzentren, wo höhere Profite locken, und der Kredit zieht sich aus Randmärkten zurück, wodurch der Wert der Schulden der Schwellenländer und der "Junkbonds" der wichtigsten Märkte mit teilweise verheerenden Folgen einbricht.
Jedesmal besteht die Gefahr, daß die Situation außer Kontrolle gerät und auf die Weltfinanzzentren durchschlägt. Die entscheidende Strukturschwäche des Systems liegt charakteristischerweise in seiner absoluten Freiheit der kurzfristigen Kapitalbewegungen, so wie es sich meistens in den letzten anderthalb Jahrhunderten abspielte.
Die Ausnahme bildeten die 25 Jahre von 1948 bis 1973, die "goldenen Jahre" vom Standpunkt des Wirtschaftswachstums. In diesem Zeitraum verhinderte das von den USA garantierte System fester Wechselkurse die beschriebenen Unsicherheiten an den internationalen Finanzplätzen. Und die fast vollständige Reglementierung kurzfristiger Kapitalbewegungen verhinderte den zuvor erwähnten Mechanismus, der die Krisen hervorrief.
Richard Nixons Entscheidung vom 15. August 1971 zerstörte jenes System. Seitdem ist der Geist aus der Flasche und sucht die Welt heim - von der einen Hälfte wird er als Retter willkommen geheißen, speziell von den armen Ländern, für die andere Hälfte ist er das Böse schlechthin; die Regierenden sind aufgefordert, den Geist wieder in die Flasche zu bannen. Heute befinden wir uns in der ersten Phase. Wie lange wird es noch dauern, in die zweite überzutreten?
Ich wette, daß es ab Januar 2004 jederzeit so weit sein kann. Plötzlich wird man erkennen, daß Erdogan und seine verschuldeten Brüder Verschwender öffentlicher Gelder sind. Dies werden dieselben Leute sagen, die jene zuvor hofierten. Die Junkbonds werden sich dann als das erweisen, was sie sind, und die düpieren, die früher nur die hohen Zinsraten sahen. Die commedia dell'arte der internationalen Hochfinanz hat nur ein Drehbuch, das lange Zeit aufgeführt worden ist, und das Publikum applaudiert jedesmal wie bei einer Premiere dazu - eine Komödie, die sich oft genug in eine Tragödie verwandelt hat, manchmal sogar für jene, die in der ersten Reihe sitzen.
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